SP begrüßt Abrücken der VP bei vorschulischer Bildung

13. Juli 2007, 15:39
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Kalina: Einigung noch im Herbst möglich - Niederwieser gegen, Bartenstein für Leitl-Vorschlag verpflichtender Sprachschulung

Wien - Die SPÖ begrüßt das Abrücken der ÖVP von ihrer bisherigen Haltung zur Vorschule. "Der Druck von Eltern, Experten und Wirtschaft ist offenbar so groß geworden, dass nun auch die ÖVP von ihrem sturen Nein zu einer verpflichtenden vorschulischen Ausbildung abrückt", erklärte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina in Reaktion auf Aussagen von Vizekanzler Wilhelm Molterer. Dieser hatte im "Neuen Volksblatt" für verpflichtende Angebote für Kinder mit Sprachdefiziten im Kindergarten plädiert.

Niederwieser gegen Leitl-Vorschlag

"Da sich die Vorschläge von Molterer, Bartenstein und Leitl den von den Sozialdemokraten präsentierten Plan zur raschen Schaffung eines vorschulischen Angebots annähern, ist es möglich, noch heuer im Herbst eine Lösung zu beschließen, die bereits im Schuljahr 2008 zu greifen beginnen kann", sagte Kalina in einer Aussendung. Für die SPÖ kommt es nicht darauf an, wo dieses Angebot stattfinde, das könne im Kindergarten sein oder in der Schule.

Wenig hält SP-Bildungssprecher Erwin Niederwieser vom Vorschlag Christoph Leitls eines verpflichtenden Vorschuljahrs für jene mit Sprachdefiziten. Er befürchtet große Schwierigkeiten bei der Auswahl der Kinder, denn das müsse auf einem rechtsstaatlich einwandfreiem Verfahren beruhen. "Das heißt, man wendet sehr viel Zeit auf, um diese Kinder herauszusuchen, da könnte man diese Investition gleich in die Förderung stecken", wandte sich Niederwieser am Samstag im Radio-Mittagsjournal gegen einen dafür notwendigen "enormen juristischen Apparat" und plädierte einmal mehr für eine verpflichtende Vorschulerziehung für alle. Beim Koalitionspartner gehe einmal darum, "innerparteiligen Möglichkeiten in der ÖVP auszuloten". "Vielleicht braucht die ÖVP noch etwas mehr Zeit um sich für die bessere Lösung zu entscheiden", so Niederwieser.

Bartenstein für Leitl-Vorschlag

Wirtschaftsminister Bartenstein hat im Ö1-"Mittagsjournal" Kritik, die ÖVP sperre sich gegen die Gesamtschule und gegen ein verpflichtendes Vorschuljahr, zurückgewiesen. Ein entsprechender Vorstandsbeschluss vom vergangenen Montag sei "absichtlich missverstanden" worden. Es gehe darum, dass die ÖVP ein differenziertes Schulsystem haben wolle, "ohne Nivellierung nach unten". Bei der Frage der Vorschule plädierte der Minister - ähnlich wie Leitl - für eine verpflichtende Sprachschulung - allerdings nur, wenn vorangegangene Tests eine Notwendigkeit dafür erkennen lassen. Es sei klar, dass es viele junge Menschen gebe, die auf Grund ihrer Sprachkenntnisse keine Chancen am Arbeitsmarkt hätten. Dem gelte es entgegenzuwirken. Für die Arbeit der Regierung würde sich der Minister im Übrigen ein "Gut" wünschen. "Vielleicht kommt ein Dreier raus", sagte er. (APA)

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