Gesichtserkennungstechnologien erobern Werbewelt

27. Juni 2007, 11:01
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Werbegag auf japanischer Webseite pusht mobile Anwendungen

Technologien für die Gesichtserkennung beschränken sich nicht mehr allein auf die Sicherheitsbranche, sondern drängen zunehmend in Richtung Werbewelt, wo sie neue Funktionen als Werbegags erfüllen. So stürmten innerhalb eines Monats 15 Mio. Japaner die Webseite von Kaocheki, einem Gratisdienst des Content Providers J-Magic, um ihr Gesicht mit Promis zu vergleichen. Die Nutzer müssen nur eine E-Mail mit einem Foto von sich an female@kaocheki.jp bzw. male@kaocheki.jp für Männer oder an mix@kaocheki.jp senden. Innerhalb weniger Sekunden landet eine Antwortmail im Postfach mit einem Link zu einer Webseite, auf der die Ähnlichkeit mit drei Promis in Prozent angegeben wird, berichtet der in Tokio lebende Mobile-Trends-Experte Christopher Billich im Internetforum Wireless World Forum. Überraschend sei die hohe Zahl der Teilnehmer, so Billich, denn J-Magic hat dieses Angebot so gut wie nicht promotet.

OKI Electronic

Der Dienst basiert auf einer Gesichtserkennungssoftware von OKI Electric, das bereits das Handy-Modell 904SH von Sharp bei Vodafone Japan mit einer Erkennungs-Engine ausgestattet hat. Obwohl die Kosten für den Dienst relativ hoch sein dürften, ist das Angebot gratis. Billich vermutet, dass das japanische Unternehmen mit den E-Mail-Adressen von nahezu 20 Prozent aller japanischen Handynutzer genug Kapital schlagen kann. J-Magic wolle aber in erster Linie seine mobile Suchmaschine eyenowa.jp in Schwung bringen und das gelinge durch die Verlinkung in der Antwortmail von Kaocheki.

Werbeaktionen boomen

Derartige Marketingaktionen kommen bei Werbeaktionen von ITK-Unternehmen immer häufiger zum Einsatz. Der öffentlich-rechtliche Radiosender 1Live etwa startete Mitte Mai ein ähnliches Projekt mit dem Titel "Doppelgänger", bei der ebenfalls eine Gesichtserkennungstechnologie zum Einsatz kam. In Zusammenarbeit mit dem Mobile Marketer Mobile Vision, Next ID sowie mit dem Entwickler von Erkennungsengines L-1 identity solutions, wurden Doppelgänger der 1Live-Moderatoren und ausgewählter Promis wie Brad Pitt oder Heidi Klum gesucht. "Das Ziel dieser Aktion war die Hörerbindung zu stärken sowie auf spielerische Weise die Diskussion um biometrische Daten zu thematisieren", erklärt Schiwa Schlei, Online-Beauftragte bei 1Live, einem Radiosender des WDR, gegenüber pressetext.

Ähnliche Projekte

Ähnliche Projekte führte Mobile Visions auch für Vodafone auf der CeBit durch. "Die Aktion hatte bei Vodafone den Hintergrund, mehr MMS-Verkehr zu generieren", so Hans-Günther Brosius, Geschäftsführer von Mobile Visions, im pressetext-Gespräch. Auch Aol Deutschland griff für eine Promotion-Aktion auf die Dienste der Gesichtserkennung zurück und beauftragte Mobile Vision auf einer Party vergangenen Dezember ein James-Bond-Casting zu veranstalten. Bei 1Live war man sehr zufrieden mit den Ergebnissen. "Wir würden so eine Aktion auf jeden Fall wiederholen", so Schlei. (pte)

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