M-Payment-Wüste trocknet M-Commerce aus

26. Juni 2007, 09:02
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"Mobiles Bezahl-Verfahren muss dem Kundenwunsch entsprechen" - Rückenwind soll EU-Projekt Sempos liefern

Das Zahlen per Handy steckt in Deutschland noch immer in den Kinderschuhen. Dabei fehlt es weniger an der Akzeptanz in der Bevölkerung als vielmehr an praktikablen Lösungen, wie die M-Payment-Forschung der Universität Augsburg ergeben hat. "Der Kunde möchte immer und überall einfach und sicher bezahlen", erklärt Key Pousttchi, Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Commerce am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering der Uni Augsburg, im pressetext-Interview. "Was der deutsche Markt braucht, ist eine Bank, die sich mit einem wirklich guten Konzept aus der Deckung wagt." Die deutsche M-Payment-Wüste stellt mittlerweile sogar eine Bedrohung für den gesamten M-Commerce-Bereich dar.

Premium-SMS

"Derzeit haben kleine Unternehmen, die Content für das Handy entwerfen, lediglich die Möglichkeit über Premium-SMS abzurechnen", moniert Pousttchi. Dabei fließen bis zu zwei Drittel der Einnahmen in die Taschen der Mobilfunkbetreiber. "Dieses Geschäftsmodell funktioniert aber nur bei Erotikangeboten, Klingeltönen oder Logos", so der Experte. Die nicht vorhandene Möglichkeit einer alternativen Abrechnung via Handy zu vernünftigen Konditionen wirke vor allem auf kleinere Anbieter in diesem Marktsegment bremsend.

Nationale Kooperationslösungen

Anders als in Deutschland haben sich in Spanien und in Belgien bereits nationale Kooperationslösungen zwischen allen Mobilfunkanbietern und marktführenden Banken etabliert. In Deutschland war vor zwei Jahren mit dem "National Roundtable M-Payment" unter dem Vorsitz von Pousttchi ein entsprechender Ansatz gescheitert. Die Hoffnung will der Experte im Gespräch mit pressetext aber noch nicht begraben. "Es gibt bereits kleinere vielversprechende Lösungen am deutschen Markt. Auch eine umfassende Kooperation ist nicht unbedingt notwendig", so Pousttchi. Wichtig für den Erfolg sei, dass eine größere Bankenmarke mitmischt und der Großteil der Kundenwünsche erfüllt werde.

Bezahlen in allen Höhen

Die drei wichtigsten Punkte für die Zufriedenheit der Kunden mit einer Lösung sind der Forschung zufolge die Möglichkeit des Bezahlens in allen Höhen, die subjektive Sicherheit sowie die Handhabbarkeit. Laut den Untersuchungen der Uni Augsburg sind die Kunden sogar bereit, Summen bis zu einer Höhe von 1.500 Euro per Handy zu begleichen, wenn es erforderlich ist. In diesem Fall ist allerdings die Sicherheit durch mindestens eine große Bank erwünscht. Allerdings ist der Handyuser schnell genervt, wenn es an der Usability hapert.

Am Willen der KundInnen vorbei

"Derzeit scheitern viele mobile Dienste daran, dass am Willen des Kunden vorbei gebaut wird", sagt Pousttchi. Dabei ist der Kunde bereit, beim mobilen Bezahlvorgang etwa eines Parktickets auch mehrere Durchführungsschritte zu akzeptieren, wenn diese nachvollziehbar sind. Dass sich die mobilen Bezahldienste in Zukunft zu einer großen Erlösquelle für Mobilfunkbetreiber mausern, wagt aber selbst Pousttchi zu bezweifeln. Angesichts der Preiserosion bei den Sprachdiensten sei allerdings die Erschließung neuer Dienste unabdingbar.

Rückenwind durch EU-Projekt

Rückenwind für das Zahlen via Handy erhofft sich die Branche nicht zuletzt vom EU-Projekt Secure Mobile Payment Service (Semops), das derzeit in drei Ländern getestet wird. Geplant ist, das System nach erfolgreichem Bestehen der Tests Schritt für Schritt in die wichtigsten europäischen Märkte einzuführen. "Semops fungiert dabei aber nicht als M-Payment-Anbieter, sondern ist ein Enabler. Es muss durch einen Provider wie etwa eine Bank angeboten werden. Dieser braucht dann aber keine eigene Technologie entwickeln", unterstreicht Pousttchi abschließend.(pte)

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    M-Payment fehlen praktikable Lösungen.

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