Blutspenden: Eine Frage des Schwulseins

2. Juli 2007, 15:56
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Rotes Kreuz weiter gegen homosexuelle Männer als Blutspender

Wien - Über "einzelne Sätze" will Maya Winter, Leiterin des Blutspende-Kontrolllabors beim Roten Kreuz, nicht streiten. In der Sache jedoch bleibt sie hart: "Ich bin weiterhin dafür, dass homosexuelle Männer vom Blutspenden prinzipiell ausgeschlossen bleiben", sagt sie.

Immerhin sei die Wahrscheinlichkeit, dass der Sexpartner eines Schwulen HIV-infiziert sei, "immer noch größer als sonst in der Bevölkerung" - und bei Hepatitis C und D verhalte es sich ähnlich. Homosexuelle Männer stellten nach wie "eine Risikogruppe" für die Blutkonservensicherheit dar. Daher sei festzuhalten: "Fragebogenfragen, mit denen man von Männern vor dem Blutspenden direkt wissen will, ob sie Sex mit einem anderen Mann hatten, klingen diskriminierender als sie gemeint sind".

Dieser diskriminierende Klang war zuletzt Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) sauer aufgestoßen. Ende April war sie von Mitarbeitern der Homosexuellegruppe "Rechtskomitee Lambda" bei einem "Vorfühl-Treffen" in Sachen Gleichstellung und Eingetragene Partnerschaften auch auf die leidigen Blutspende-Fragebögen hingewiesen worden. Deren Existenz hatte schon in den vergangenen Jahren wiederholt zu Homosexuellenprotesten geführt - ohne Erfolg.

Benachteiligung

Das Fahnden nach dem Geschlecht der Bettpartner sei benachteiligend und sachlich unlauter, setzte Rechtskomitee-Präsident Helmut Graupner der Ministerin auseinander. "Nicht das Schwulsein als solches entscheidet über das Risiko, an einer sexuell übertragbaren Infektion zu erkranken, sondern die Verhaltensweisen des Einzelnen", ergänzt er im Standard-Gespräch: Etwa, ober er oder sie ungeschützten Verkehr mit wechselnden Partnern habe - "und das kommt bei Homo- ebenso wie bei Hetero- oder Bisexuellen vor".

Im Unterschied zu ihren Vorgängern im Amt kam diese Message bei Kdolsky an: Die Fragen-Formulierung solle verändert werden, ließ die Ministerin am Weltblutspendetag per Aussendung wissen. Und plädierte gleichzeitig für eine Vereinheitlichung. Ein verbindlicher Blutspende-Fragenkatalog müsse her, als Ersatz für die derzeit in Umlauf befindlichen neun verschiedenen Versionen: Pro Bundesland eines, wobei etwa in der Steiermark und in Oberösterreich schon jetzt auf die Schwulenabfrage verzichtet wird. Ganz so, wie es sich auch Frank Amort, Leiter der Präventionsabteilung der Österreichischen Aids-Hilfe, für eine bundesweite Lösung vorstellen kann.

Vereinheitlichung ja Ob und - wenn ja - wie vereinheitlicht wird, soll jetzt die Blutkommission entscheiden: Ein Zusammenschluss von Länderdelegierten, Pharmavertretern und Experten des Roten Kreuzes, der sich das nächste am 21. Juni bei Kdolsky trifft. Deren Eintreten für eine neue Lösung lässt Rote-Kreuz-Vertreterin Winter vorsichtig formulieren: Für einen bundesweit verbindlichen Fragenkatalog wäre sie "der Ministerin sehr dankbar, weil wir dann endlich wüssten, wie wir uns zu verhalten haben". Doch, wie gesagt: "Schwule bleiben ein gewisses Risiko". (Irene Brickner/DER STANDARD-Printausgabe, 16./17.6.2007)

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