Riskantes Geschäft an der Autobahn

10. Juli 2007, 11:29
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Im Sommer liegt viel Geld auf der Straße: Österreichs Raststätten duellieren sich an den Autobahnen um die Urlauber

Jährlich fließen Millionen-Investitionen in neue Standorte. Doch die Saison ist kurz, der Gewinn mager und die Konkurrenz hart.

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Wien – Kris Rosenberger nahm gestern, Freitag, an der Castrol-Rallye im Aichfeld teil. Am Wochenende wechselt er wieder hinter das Steuer von Rosenberger. Der Ex-Rennfahrer lenkt in Österreich seit dem Tod seines Vaters 14 Autobahnraststätten. Und glaubt man der Branche, dann ist dieses Geschäft nicht weniger riskant. Die Saison, in der das Geld auf Straße liegt, sei kurz. Investitionen und Fixkosten seien hoch, und Margen knapp.

Mit 88 Standorten ist Österreichs Raststättenmarkt der dichtest besetzte in Europa: Alle 40 bis 50 Kilometer locken riesige Restaurants; die Hälfte der Besucher queren sie oft nur auf dem Weg zur Toilette.

Neue Projekte

"Wir bauen gerne schöne Raststätten", sagt Rosenberger dem STANDARD. Aber Geschäft mache er nur von Mai bis September – vorausgesetzt, die Touristen und das Wetter spielen mit. "Das übrige Jahr schleppen wir an der Riesen-Infrastruktur." Rosenberger hat in den letzten zwei Jahren vier Standorte übernommen, zwei von Autogrill. Einer wurde saniert und um ein Hotel ergänzt. Der Umbau des zweiten ist für 2008 geplant.

Neue Projekte sind im Visier – rund um Wien laufen aktuell Ausschreibungen für drei Raststätten. Er müsse darauf achten, sich zu positionieren, sagt Rosenberger; bis 2025 würden in Österreich nur noch acht Standorte auf der grünen Wiese vergeben.

"Der Bedarf ist da"

Mehr Chancen gibt es für eine Übernahme bestehender Outlets, denn gut ein Drittel unter ihnen gehört saniert. Der größte Konkurrent im Rennen um gute Standorte kommt aus der eigenen Familie. Wolfgang Rosenberger, Kris Rosenbergers Cousin, geht nach der Teilung des Familienunternehmens seit 2003 eigene Wege. Er führt unter der Marke Landzeit 14 Restaurants an der Autobahn. Das jüngste eröffnete in Kammern; Autogrill hatte beim Duell um den Standort das Nachsehen.

Landzeit will jetzt aber auch freie Flächen in Fußgängerzonen oder an Bahnhöfen prüfen. "Wir bekommen laufend Angebote. Der Bedarf ist da", sagt Rosenberger. Expansion abseits der Autobahn sei zudem günstiger. Eine neue Raststätte koste immerhin gut acht Mio. Euro. Bis sie sich rechne, könnten 20 Jahre vergehen.

"Jedes Jahr aufs Neue ein Kampf"

Für Landzeit war das Jahr 2006 in der Bilanz ein Nullsummenspiel. Der Umsatz sei im Zuge des Ausbaus mit 800 Mitarbeitern von knapp 43 auf 45 Mio. Euro gestiegen. Kris Rosenberger spricht von einem Umsatzplus von fünf auf 40,5 Mio. Euro und Gewinnen. "Aber das ist jedes Jahr aufs Neue ein Kampf."

Neben Oldtimer und Mövenpick kocht zudem Autogrill an der Autobahn auf. Probleme mit Partnern und Behörden hätten die Sanierung der 13 Restaurants verzögert, sagt Autogrill-Österreich-Chef Marco Gatti. "Es war keine Frage des Geldes." Jetzt werde investiert, konkret zwölf Mio. Euro, in ein Facelifting und zwei neue Raststätten.

An Rückzug denkt Autogrill nicht. Sollten sich die Rosenbergers zu einem Verkauf entschließen, sei man sogar durchaus interessiert, sagt Gatti. Doch beide winken entschieden ab – und kontern. Kris Rosenberger: "Wir hatten die Möglichkeit, Autogrill in Österreich zu kaufen, waren aber nicht interessiert." Ihre Standorte seien unattraktiv. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.6.2007)

  • Rosenberger wurde nach dem Tod des Firmengründers in zwei Betriebe gespalten. 14 Standorte firmieren unter Rosenberger und setzen mit 850 Mitarbeiter  knapp 41 Mio. Euro um.
    foto: rosenberger

    Rosenberger wurde nach dem Tod des Firmengründers in zwei Betriebe gespalten. 14 Standorte firmieren unter Rosenberger und setzen mit 850 Mitarbeiter knapp 41 Mio. Euro um.

  • Auch Landzeit, einst Rosenberger, betreibt 13 Raststätten in Österreich. Rund 800 Mitarbeiter setzen 45 Mio. Euro um. Ziel ist weitere Expansion.
    foto: landzeit

    Auch Landzeit, einst Rosenberger, betreibt 13 Raststätten in Österreich. Rund 800 Mitarbeiter setzen 45 Mio. Euro um. Ziel ist weitere Expansion.

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