"Energieautarkie nur bei wenig Industrie"

23. Juli 2007, 16:00
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Studie: Energieintensive Industrieregionen kommen ohne Zulieferungen nicht aus

Wien – Es gibt in Österreich Beispiele von Gemeinden oder Bezirken, die energieautark sind, wo also genauso viel oder mehr Energie produziert wie verbraucht wird. Das trifft auf die burgenländische Gemeinde Güssing zu, die durch Ausnutzung von Biomasse, Wind und Sonne sowie mithilfe einer Biodieselanlage energieautark geworden ist. Zu glauben, das Beispiel Güssing lasse sich auf energieintensive Regionen übertragen, sei eine Illusion. "Energieautarkie funktioniert nur bei wenig Industrie", sagte Michael Bobik, Leiter des Studiengangs "Infrastrukturwirtschaft" an der FH Joanneum in Kapfenberg, dem STANDARD.

Bobik verwies auf eine kürzlich fertig gestellte Studie der FH Joanneum Kapfenberg. Darin wurde der Frage nachgegangen, inwieweit sich eine Industrieregion allein aus nachhaltigen lokalen Energiequellen selbst mit Energie versorgen kann. Als erstes beispiel wurde die Agglomeration Bruck/Mur-Kapfenberg in der Steiermark untersucht.

So wurde beispielsweise der Bedarf an sämtlichen Endenergieformen in der Region wie Strom, Wärme, Gas und Treibstoffe erhoben und deren Bereitstellung durch geeignete Primärenergieträger untersucht. Bei Gegenüberstellung des regional vorhandenen Potenzials an erneuerbaren Energien wie Kleinwasserkraft, Wind und Biomasse zeigte sich, dass eine Lücke klafft.

Große Unterschiede

Man habe aber auch gesehen, dass sich der Energiebedarf, die Energieträger und die Lastverläufe wesentlich von jenen industrieschwacher Regionen unterscheiden. Energieträger könnten nicht beliebig getauscht werden, für bestimmte Anwärmvorgänge in Metall verarbeitenden Betrieben sei nur Gas einsetzbar.

Der Studie zufolge macht der Endenergiebedarf pro Einwohner und Jahr in der Region Bruck/Mur-Kapfenberg im Vergleich zu industrieschwachen Gebieten das Zwei- bis Vierfache aus. Der gesamte Endenergiebedarf lag in der Region 2005 bei rund 2900 Gigawattstunden, 90 Prozent davon benötigte die Industrie.

Effizienzsteigerungen beim Energieeinsatz seien in der Industrie kaum mehr möglich, da entsprechende Maßnahmen aus Kostengründen großteils schon gesetzt worden seien. Daran lasse sich ermessen, dass Energieautarkie in dem Fall schwer möglich sei. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.6.2007)

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