Der "dritte Mann" kehrt zurück

4. Juli 2007, 11:32
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Harry-Lime-Schauen in der Kloake: Die Kanal-Touren starten wieder - mit drei Partnerangeboten

Die Arbeit mit dem Schimmel ist ungeheuer mühselig. Wobei diese allerdings nicht in der Spanischen Hofreitschule stattfindet - sondern weit darunter. In den Kanälen der Stadt. Denn dort ist der "Schimmel" jener Schieber an der Stange, mit dem die kleinsten und engsten Kanäle regelmäßig von Schlamm und Schutt befreit werden müssen.

Ein Detail, das man nun wieder direkt im Wiener Untergrund erfahren kann: Denn dort wird nun wieder regelmäßig die "3. Mann Tour" durchgeführt. "Diese Führungen konnten seit 2002 nicht unternommen werden, weil der neue Hauptsammelkanal errichtet wurde", erinnerte Umweltstadträtin Ulli Sima (SP) am Freitag. "Jetzt wurde für den Rundgang auch eine neue Sicherheitstechnik eingebaut und ein robusteres Projektorensystem installiert."

Nun kann man wieder regelmäßig die sieben Meter hinabsteigen - zum Originaldrehort des "Dritten Mann" unterm Karlsplatz. Und die Kloake, in der Harry Lime vor seinen Verfolgern flüchtete, gehört zu den ältesten Teilen des Wiener Kanalnetz, den "Cholerakanälen", die nach der verheerenden Choleraepidemie von 1830 angelegt wurden.

Schwerstarbeit

Diese Unterwelt sei aber noch weit mehr, als nur eine der berühmtesten Filmkulissen, so Sima - und daher werden die Führungen auch genützt, um einen Einblick in die Arbeitswelt der Wiener Kanalräumer zu geben. Die 370 Mitarbeiter der MA 30, die man in der Stadt so gut wie nie zu Gesicht bekommt, höchstens einmal in der Nacht, wenn sei in ihren hüfthohen Stiefeln lässig zum nächsten Abstieg marschieren. Sie leisten heimliche Schwerstarbeit, wenn sie beispielsweise jährlich rund 5000 Tonnen Schutt teils aus den engsten Kanälen händisch ausräumen.

Für Touristen, aber auch immer mehr interessierte Wiener wird inzwischen ein ganzes "Dritter Mann"-Paket angeboten: Neben der Kanaltour der MA 30 bietet auch die Fremdenführergruppe "Wienna Walks" Touren zu den oberirdischen Filmschauplätzen: "Wir zeigen und erläutern nicht nur die Drehorte, sondern auch das ,andere' Wien der Kriegsruinen, der alliierten Besatzungsmächte, des Schwarzmarkts und der Ost-West-Spionage", erläutert Barbara Timmermann.

Dazu kommt noch das "Dritte Mann Museum" in der Pressgasse 26, für das Karin Höfler und Gerhard Strassgschwandtner insgesamt 2000 Originale, Kuriosa und Zeitdokumente gesammelt haben - bis hin zur Originalzither Anton Karas'. Und als weiterer Partner das Burgkino, das den "Dritten Mann" regelmäßig in Originalfassung zeigt. Wer eine Attraktion besucht, bekommt bereits bei der zweiten eine Ermäßigung. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD-Printausgabe, 16./17.6.2007)

Die Kanaltouren finden bis zum 28. 10. jeweils Do bis So von 10 bis 22 Uhr zu jeder vollen Stunde statt.
Treffpunkt: Karlsplatz, gegenüber dem Café Museum.
Dauer: 45 Minuten
Eintritt: 7 Euro

Links:

Dritte-Mann-Tour

The Third Man

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    Bei der Kanaltour wird auch die harte Arbeit der Kanalräumer vermittelt.

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