Salzburger VP will nicht "herumexperimentieren"

16. Juli 2007, 11:07
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Präsident des deutschen Lehrerverbandes: Gesamtschule keine Alternative - Zurück zum Leistungsgedanken

Salzburg - Zurückhaltung bei der Lust am ständigen Herumexperimentieren am Schüler forderte heute, Freitag, Salzburgs VP-Landeschef LHStv. Wilfried Haslauer bei einer Bildungsenquete seiner Partei in der Mozartstadt. Die Jugendlichen könnten beim Misslingen von Schulexperimenten nicht erneut auf eine schulische Fertigungsstraße gestellt werden. Die Debatte über die Gesamtschule löse keines der aktuellen Probleme, meinte Haslauer.

Bessere Sprachförderung

Während die Politik über die bessere Organisationsform der Schule diskutiere, seien Lehrer und Schüler im Alltag mit Sprachproblemen oder der Integration von Kindern mit besonderem Förderbedarf konfrontiert. Haslauer forderte eine bessere Sprachförderung für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache. Kinder sollten getestet und bei Defiziten in Lerngruppen zusammengefasst werden, wo sie intensive Förderung erhielten. Im Bundesland Salzburg gebe es im Schuljahr 2006/2007 18,1 Prozent Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache, das seien 4.318 Schüler. Salzburg brauche 40 bis 50 zusätzliche Lehrer für die Sprachförderung, forderte Haslauer.

Gesamtschule in Deutschland: "Teuer und leistungsschwach"

Die Legendenbildung um die Gesamtschule solle endlich beendet werden, verlangte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, in seinem Referat: "Die Alternative zum differenzierten Schulsystem kann nicht Gesamtschule heißen, sondern kann nur eine Verbesserung des differenzierten Schulsystems sein." Die Gesamtschule in Deutschland habe "durchschlagende Erfolgslosigkeit" hinter sich. Sie sei zu teuer und zu leistungsschwach, meinte Kraus. PISA habe der deutschen Gesamtschule ein Niveau weit unter der Realschule attestiert. Tests hätten ergeben, dass Gesamtschüler, die in eine gymnasiale Oberstufe wechseln, um bis zu zwei Jahre hinter den Klassenkollegen aus dem Gymnasium lägen.

Zur Leistung bekennen

Eine zukunftsfähige Schule müsse sich zur Leistung bekennen, forderte der deutsche Experte. Höherqualifizierung sei nicht gleichzusetzen mit einer Steigerung der Akademikerquote. Berufliche Bildung nach dem dualen Prinzip müsse ein Grundpfeiler einer zukunftsorientierten Bildungspolitik sein. Kraus verlangte eine eindeutige Fächerstruktur, die auf konkrete Inhalte und ein fachliches Grundwissen abziele. "Es muss in den einzelnen Fächern einen Grundbestand an Wissen geben", sagte Kraus. Es brauche auch eine Offensive für sprachliche Bildung: "Das Beherrschen der Sprache ist eine zentrale Schlüsselqualifikation." Und nicht zuletzt müsse eine Bildungsoffensive auch mit einer Erziehungsoffensive einher gehen. "Wenn die ureigensten Aufgaben der Familie an die Schulen delegiert werden, kann Schule nur versagen", sagte Kraus. Schulerfolg brauche auch eine entsprechende familiäre Atmosphäre. (APA)

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