Flensburger Kellerbier

15. Juni 2007, 12:04
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Brauerei: Flensburger Brauerei
Braumeister: Werner Sauer
Typ: Zwickel
Alkohol: 4,8 % ABV

Diesem im heurigen Frühjahr vorgestellten Bier eilt der Ruf voraus, dass es das erste Marken-Biobier der Welt wäre - was vielleicht für jene stimmt, deren Welt nur das nördliche Schleswig Holstein umfasst. Hierzulande haben sich große Biermarken schon lange mit einem eigenen Biobier für die Öko-Nische etabliert - Hirter ist mit seiner Marke ja nicht weniger bedeutend als Flensburger. Und ökologischer Landbau ist bei uns halt auch weiter verbreitet als im Norden Deutschlands.

Sei's drum. Wichtiger ist ja doch, worum es sich handelt. In diesem, dem Flensburger Fall, ist es ein hell bernsteinfarbenes, nicht sehr ausgeprägt trübes Zwickel. (Manche Chargen dürften so wenig trüb sein, dass sie wie filtriertes Bier wirken - bei unseren Testflaschen war aber sicher genug Hefe dabei, wenn nicht optisch, dann jedenfalls im Geruch).Was also sehen wir, was riechen wir? Sehr starken Schaum und jene getreidige Nase, die offenbar manche Biertrinker erwarten, wenn sie ein als Bio angepriesenes Bier verkosten. Dazu kommt ein Hefeton, der etwas unfrisch wirkt - eine kräftige, für Flensburger sonst so typische Hopfennote würde ihn sicher fein überdecken; aber dieses Kellerbier hat leider sehr wenig Hopfenaroma und auch die Bittere ist im Antrunk eher mild. Dafür kommen leicht nussige Aromen und eine gewisse Süße durch, ehe der Hopfen sich im Nachtrunk doch noch meldet und für ein eher trockenes Finish sorgt.

Erst mit diesem leicht bitteren Eindruck im Nachtrunk knüpft dieses Kellerbier an die geschmackliche Welt von Flensburger an, die jahrzehntelang ausschließlich vom Pils geprägt war (und erst viel später vom herben Dunkel und dem milden Gold ergänzt wurde), Alle die Flensburger Biere gibt es aus der 0,3-Liter Bügelverschlussflasche - Flensburger war die einzige Großbrauerei Deutschlands, die niemals auf die Verwendung von Kronkorken übergegangen ist; was dann wieder einen beachtlichen Kult hervorgebracht hat, nachzulesen in Brösels frühen Werner-Comix, in denen viel "Flensburger Flaschbier" gesoffen wurde - ehe dann Bölkstoff erfunden und separat vermarktet wurde. (cs)

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