Eissalon als Öko-Vorbild

18. Jänner 2008, 11:22
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"Eiszeit" gegen Klimawandel - "Wir haben 9000 von 33.000 Kilowattstunden eingespart"

Wien – Beim Eisschlecken mag man an "Eiszeit" denken – aber vielleicht weniger im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Bei einem Eissalon bedenkt man gemeinhin eher kaum, dass dieser etwas mit Ökologie zu tun haben könnte.

Nicht aber beim Leonardelli in der Klosterneuburger Straße 43 – einem der ältesten Eissalons von Wien. Und wie so oft war das Kind die eigentliche treibende Kraft. "Unsere Tochter Mariella hat nach der Matura bei Global 2000 gearbeitet", berichtet Franz Leonardelli. Und derart ökologisch motiviert, hatte sie beim Wiener Ökobusiness-Plan mitgemacht. Der Vater war erst skeptisch – "meine Erwartungen waren null". Doch dann staunte er.

"Heuer haben wir's bei der Stromrechnung gemerkt: Wir haben 9000 von 33.000 Kilowattstunden eingespart. Teils mit ganz einfachen Maßnahmen – indem etwa im Geschäft nicht immer das Licht brennt. Aber auch der Umstieg von Mineralöl auf Biodiesel hat sich ausgezahlt, "Rapsdiesel ist derzeit sogar ein bisschen billiger". Und jede Menge Verpackungsmaterial wurde eingespart: Durch den Umstieg auf die Waldviertler Bauernmilch werden die Milchkübel nun nicht mehr weggeschmissen, sondern wiederverwendet. Und: Die Kunden bekommen nun für den Eistransport Verpackungen aus Maisstärke, die verrotten.

Am besten bemerken die Kunden die Geschäftsphilosophie aber bei den Produkten: Geschmacksverstärker kommen hier ganz sicher keine zum Einsatz – dafür aber ausgesuchte und unglaublich geschmacksintensive Früchte; Himbeeren und Heidelbeeren aus der Steiermark, Erdbeeren aus dem Burgenland und Biozitronen aus Sizilien.

Für Franz Leonardelli ist das die logische Fortsetzung der Familientradition: "Vor vielen Jahren habe ich bereits gemeinsam mit Willi Dungl unser Müsli-Eis kreiert" – das wurde nicht nur bei den Kunden ein Renner, sondern auch für den Umweltpreis der Stadt Wien nominiert.

Seit 1900 im Geschäft

Die Wiener Eistradition der Leonardellis ist bereits eine lange: Mariellas Urgroßvater Ludovico war Ende des 19. Jahrhunderts aus einem armen Bergbauerndorf im Trentino nach Wien gekommen – am 11. Juli 1900 erhielt er seine Gewerbeberechtigung und war von da an gemeinsam mit den Zanonis Pionier im Wiener Eisgeschäft.

Die guten Kontakte wurden seit damals gepflegt – und nicht nur, weil sich die Vorfahren seinerzeit gegenseitig die Befähigungen geschrieben hatten, wie Leonardelli schmunzelnd erzählt. Man traf sich auch zum Saisonauftakt jeden 19. März, am Namenstag von San Giuseppe, dem Nährvater, in der Minoriten-Kirche.

Jetzt schmieden die Leonardellis Pläne für die Zukunft. Nicht nur, wie sie die Filialen in Stammersdorf, Tulln und Klosterneuburg ökologisieren. Es wäre auch an der Zeit, eine neue Betriebsstätte zu errichten – wo man dann Umweltschutzmaßnahmen noch besser umsetzen kann. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 15. Juni 2007)

  • Mariella Leonardelli hat nicht umsonst ein Studium in Projektmanagement und IT absolviert: Sie hat für ihre Eltern den Eissalon in der Wiener Brigittenau ökologisiert.
    foto: standard/christian fischer

    Mariella Leonardelli hat nicht umsonst ein Studium in Projektmanagement und IT absolviert: Sie hat für ihre Eltern den Eissalon in der Wiener Brigittenau ökologisiert.

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