Tiroler Industrie beklagt Gaspreis

2. Juli 2007, 16:07
posten

Tirols Industrie stöhnt über hohe Gaspreise und freut sich über günstige Stromtarife, alternative Energiekonzepte gewinnen langsam an Boden

Innsbruck – Tirols Industrie stöhnt über hohe Gaspreise und freut sich über günstige Stromtarife. Einig waren sich die aus allen Sparten kommenden Teilnehmer am ibet-Forum in Innsbruck/Igls, dass eine sichere und preiswerte Energieversorgung künftig als Standortfaktor noch an Bedeutung gewinnen wird.

Insofern standen Landeshauptmann Herwig van Staa und Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer mit ihren Kraftwerksplänen vor einem aufgeschlossenen Publikum. Beim ersten vertieft bearbeiteten Projekt, einem mit 370 Mio. Euro veranschlagten Ausbau der Kraftwerksgruppe Sellrain/Silz, hofft die Tiwag auf einen Baubeginn 2011. Drei andere Projekte würden derzeit auf "niedrigerem Niveau" weiterverfolgt. Van Staa kündigte einen neuen Anlauf zu einer "gemeinsamen Energiepolitik" der Länder Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg an. Am Freitag führt er Gespräche mit Vorarlbergs Herbert Sausgruber.

Heikle Situation beim Gas

Heikel ist die Tiroler Situation beim Gas, für das Wallnöfer in der Rolle des Tigas-Chefs verantwortlich ist. Einer der bundesweit höchsten Gaspreise wird damit begründet, dass Tirol nur mit einer Gasleitung von Bayern aus versorgt wird. Zum Anschluss ans ÖMV-Netz fehlen von Hochfilzen (Tirol) nach Saalfelden (Salzburg) gerade einmal 14 Kilometer. Seit Jahren wird darüber gestritten, wer diese Leitung zu finanzieren hat. Der Ball liege beim Regulator, meint Wallnöfer. Kein Problem mit höheren Gaspreisen hat Walter Neuhauser von GE-Jenbacher: "Die Effizienz unserer Gasmotoren kommt dann stärker zum Tragen."

Endloser Gasstreit

Konsequenzen aus dem endlosen Gasstreit und der mangelnden Verhandlungsbereitschaft der Tigas hat der Geschäftsführer der Tirol Milch, Andreas Geissler, gezogen. Er hat am ibet-Forum das Projekt eines Biomasseheizwerks am Standort Wörgl vorgestellt. „Wir investieren acht Millionen Euro“, sagt Geissler, auch weil die Biomasse zum Image der Tirol Milch passe und sich bei deren durchlaufender Produktion auch rechne. Diskutiert wurde auch über industriellen Einsatz von Solarenergie und die Energieversorgung aus der Abfallverwertung. (Hannes Schlosser, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2007)

Share if you care.