Eine Million Schilling per Handschlag

2. Juli 2007, 14:24
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Altkanzler Vranitzky wurde am Freitag zu den Umständen befragt, die ihn und Wolfgang Flöttl zu Geschäftspartnern machten

Wien – Die Zahlung von einer Million Schilling (rund 72.000 Euro), die im Jänner 1999 von dem Investmentbanker Wolfgang Flöttl an den Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky geleistet wurde, war am Freitag Thema im Banken-Untersuchungsausschuss. In diese Zahlung, die für Beratungen rund um die Euro-Einführung geleistet worden sein soll, sind thematisch drei Personen verstrickt, deren Aussagen unterschiedlicher nicht sein könnten.

Flöttls Initiative

Geldempfänger, "Berater" und Altbundeskanzler Franz Vranitzky erklärte am Freitag, den Investmentbanker Wolfgang Flöttl im ersten Halbjahr 1999 über die Einführung des Euro beraten zu haben. Vranitzky: "Es hat in den USA und Großbritannien wirtschaftliche und politische Bedenken zur Einführung der Gemeinschaftswährung gegeben, daher war eine Beratung, vor allem über die politischen Vorgänge, gerechtfertigt."

Die Geschäftsanbahnung sei auf Flöttls Initiative hin erfolgt. Beschrieben hat Vranitzky diese so: "Ich hatte beruflich in den USA zu tun und konnte daher ein Treffen mit Flöttl terminlich gut einbauen. Wir haben uns in dem Hotel, in dem ich gewohnt habe, getroffen, 30 bis 40 Minuten geplaudert und sind mündlich über die Beratung übereingekommen."

Mündlicher Vertrag

Einen schriftlichen Vertrag über die Rahmenbedingungen habe es nicht gegeben, die Summe habe Flöttl bei dem Treffen am 11. Dezember 1998 von sich aus angeboten, er, Vranitzky, habe diese akzeptiert. Beraten habe er dann telefonisch.

Warum Flöttl zuletzt im Ausschuss ausgesagt hatte, von Vranitzky nie beraten worden zu sein, konnte sich der Alt-Bundeskanzler nicht erklären. "Ich habe Flöttl als kompetent eingeschätzt, hatte ein lockeres, offenes Verhältnis zu ihm. Warum er sich jetzt davon distanziert, lässt mich ratlos zurück."

Elsner wirft Flöttl "glatte Lüge" vor

Ratlos über die früheren Aussagen zum Millionen-Deal zwischen Flöttl und Vranitzky war am Freitag auch Ex-Bawag-General Helmut Elsner. Flöttl hatte zu Protokoll gegeben, von dem damaligen Bawag-Chef Elsner angewiesen worden zu sein, Vranitzky zu engagieren und eine Million Schilling zu überweisen. Flöttl selbst hätte diese Leistungen nie in Anspruch genommen und habe auf "enormen Druck von Elsner" gehandelt.

Elsner am Freitag: "Das ist eine glatte Lüge." Er bestritt vehement, sich bei Flöttl für das Engagement des Ex-Bundeskanzlers als Berater eingesetzt zu haben. Er habe überhaupt nicht gewusst, dass Flöttl den Altbundeskanzler als Berater engagiert habe und habe dies, als er es 2006 aus der Zeitung (der STANDARD hat die Sache aufgebracht, Anm.) erfahren habe, eigentlich zunächst auch bezweifelt.

Hatte kein Druckmittel

Elsner sehe auch keinen Anlass, warum er auf Flöttl Druck ausgeübt haben sollte, um Vranitzky zu engagieren. "Der Zusammenhang ist abstrus, ich hatte kein Druckmittel", erklärte Elsner.

Die Befragung von Elsner wurde nach einer Stunde unterbrochen, Elsner bekam eine Sauerstoffbehandlung. Anschließend wurde die Befragung aus Gesundheitsgründen vorzeitig beendet.

Den Betrag von einer Million Schilling habe Vranitzky damals versteuert und behalten und nicht an die SPÖ überwiesen. Auf die Frage, ob Vranitzky für alle seine Beratungen die Umsatzsteuer abgeführt hatte, sagte dieser: "Nein." Das werde er aber sofort nach Ende der Befragung mit dem Steuerberater klären. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.6.2007)

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    Altkanzler Franz Vranitzky erklärte am Freitag, er habe Wolfgang Flöttl 1999 rund um die Euro-Einführung beraten und verstehe nicht, dass dieser sich nun davon distanziere.

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    Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner trat erneut vor den U-Ausschuss. Er bezeichnete frühere Aussagen von Investmentbanker Wolfgang Flöttl als "glatte Lüge".

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