'Zigeuner'-Darstellungen in Krems

14. Juni 2007, 14:29
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Romantisierung und Diskriminierung: Die Kunsthalle zeigt "Roma & Sinti" in Gemälden und historischen Fotografien

Krems - Den Roma und Sinti ist eine neue Schau in der Kunsthalle Krems gewidmet (17. Juni bis 2. September). Die Ausstellung zum Thema Zigeunerdarstellung bediene nicht nur den soziologisch-historischen Blick, sondern erhebe gleichzeitig den Anspruch, eine Kunstausstellung mit qualitativ anspruchsvollen Gemälden, Lithographien, Grafiken und Fotografien zu sein, erläuterte Museumsdirektor Tayfun Belgin.

"Den 'unschuldigen', 'naiven' Blick gibt es nicht, jeder Blick spiegelt eine bestimmte gesellschaftliche Struktur wider." Das ist das "Mission Statement" der mit zahlreichen Leihgaben u.a. aus Brünn, Budapest, Berlin, München, Wien und Graz bestückten Schau.

Roma und Sinti gelten als die größte ethnische Minderheit Europas, ihre rund acht Millionen Mitglieder sprechen verschiedene Sprachen. Diese haben alle einen gemeinsamen indischen Ursprung, im Lauf der Jahrhunderte haben sich jedoch unterschiedliche lokale Varianten entwickelt.

Bildtradition

Die Darstellung der lange diffamierten "Zigeuner" und ihre Erfassung in stereotypen Berufsbildern - vom Scherenschleifer zur Wahrsagerin - markierte den Anfang einer europäischen Bildtradition mit bedeutenden Werken im 17. und 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert entstand eine differenziertere bildnerische Auseinandersetzung mit der Volksgruppe der Roma und Sinti. Zahlreiche Künstler malten eindrucksvolle Darstellungen der Roma, in denen jedoch eine mythenhafte Verklärung und Romantisierung des "Zigeunerlebens" vorherrschte. Ein realistischeres Bild entstand im Laufe des 20. Jahrhundert: die Moderne gestand der jahrhundertelang ausgegrenzten Volksgruppe erstmals einen Platz innerhalb der Gesellschaft zu.

Werke von Giacomo Francesco Cipper über August von Pettenkofen, Anton Romako, Mihaly Munkascy, Karoly Ferenczy und Janos Valentiny bis hin zu Otto Mueller illustrieren die sich langsam verändernde Wahrnehmung der Volksgruppe. Diesen Arbeiten stellt die Ausstellung Gemälde und Fotografien gegenüber, die Roma und Sinti von sich selbst in Auftrag gegeben haben - Bilder, die das Selbstverständnis und Selbstbild der Angehörigen der Volksgruppe widerspiegeln.

Die Ausstellung umfasst auch Leihgaben aus der Fotografiensammlung des Ethnografischen Museums Budapest. Rund 70 Fotografien aus der Zeit von 1870 bis Mitte des 20. Jahrhunderts zeigen, dass die Romantisierung auch in der Fotografie fortlebte: Inszenierte Studioaufnahmen zeigen Wunschbilder von "Zigeunern" mit den ihnen zugeschriebenen Attributen. Besonders in der Zwischenkriegszeit wurden - etwa im Burgenland - viele Aufnahmen auch im Auftrag der Polizei gemacht. (APA)

  • Otto Mueller: "Stehende Zigeunerin mit Kind" (1926/27,
 Brücke-Museum Berlin, Ausschnitt)
    foto: kunsthalle krems

    Otto Mueller: "Stehende Zigeunerin mit Kind" (1926/27, Brücke-Museum Berlin, Ausschnitt)

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