Zeichnungen von Paul Rotterdam im Leopold Museum

14. Juni 2007, 14:13
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Der aus Niederösterreich stammende Künstler und Philosoph zwischen Abstraktion und Kontemplation lebt seit 1968 in den USA

Wien - Als Paul W. Zwietnig-Rotterdam 1939 in Wiener Neustadt geboren, ist der Künstler Paul Rotterdam mittlerweile vielleicht einer der bekanntesten Österreicher in den USA. Seit seiner Berufung an das Visual Arts Centre in Harvard 1968 lebt Rotterdam in oder in der Gegend um New York. Seine Werke hängen dort im MoMA, im Guggenheim und im Metropolitan Museum, in Österreich haben die Albertina und das Niederösterreichische Landesmuseum Bilder in ihren Sammlungen. Vor zwei Wochen hat nun das Landesmuseum die Schau "Substance" mit ausgewählten Gemälden Rotterdams eröffnet. In Wien zeigt das Leopold Museum bis 1. Oktober das zeichnerische Werk des Künstlers.

"Ich bin für diese Zeichnungen in keiner Weise verantwortlich", meinte Paul Rotterdam am Vormittag bei der Präsentation von "Die Kunst der Linie". Tatsächlich stammen die Zeichnungen natürlich schon von Rotterdam, nur die Auswahl für die erste Wiener Ausstellung seit zehn Jahren wurde nicht von ihm getroffen. "Meine Frau hat 91 Zeichnungen aus New York geschickt", erzählte der promovierte Philosoph, für den eine Zeichenausstellung etwas ganz Besonderes ist. "Eine Zeichnung ist nicht modern oder alt, es ist einfach eine Zeichnung", verwies er auf die Unfähigkeit einer Linie zur Avantgarde. "Aber alle diese Zeichnungen sind immer im intimsten Rahmen entstanden."

Drei Phasen

Die Wiener Ausstellung ist in Kooperation mit dem NÖ Landesmuseum entstanden, dementsprechend überließ Rudolf Leopold Carl Aigner vom Landesmuseum das Wort. Dieser teilte die Werke Rotterdams in drei Phasen ein - jene des beginnenden Künstlers in den 60er Jahren, die Zäsur mit dem Gang nach Amerika und der Hingabe zu neuen Erfahrungen in den 70er Jahren und der Bruch in den 80er Jahren mit dem Umzug auf eine Farm in Blenheim am Rande New Yorks. Inhaltlich folgte auf die abstrakte Auseinandersetzung mit der Linie eine Phase der Kontemplation, bevor mit dem Wegzug vom Urbanen eine Hinwendung zur Natur begann.

Ebenso wie das Ehepaar Leopold sei auch Rotterdam ein großer Sammler afrikanischer Kunst. Daher wurden seinen Zeichnungen im Leopold Museum afrikanische Masken beigestellt, zwischendurch finden sich auch einige seiner Aquarelle. Ansonsten besticht die Ausstellung im zweiten Untergeschoss des Museums vor allem durch Breite, in kleinen Werkgruppen wird das Werk übersichtlich zugänglich gemacht. Für Rudolf Leopold ist es dennoch eine Schau, "die für Laien nicht so leicht ist. Ich hoffe, sie genießen die Ausstellung trotzdem." Zur gemeinsamen Ausstellung von Leopold- und NÖ Landesmuseum wurde auch der Katalog "Paul Rotterdam" (Prestel Verlag, 2004) neu aufgelegt. (APA)

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    foto: leopold museum
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