Leitl für Vorschulpflicht bei Sprachdefiziten

16. Juli 2007, 11:02
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Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund - Rund 8 000 wären betroffen - Schmied hat Fahrplan für Schulreform

Wien - Eine gewisse begriffliche Kreativität in der Schul-Debatte ist man ja mittlerweile gewohnt. Es überrascht also nicht, wenn Wirtschaftskammer- Präsident Christoph Leitl nun einen "lösungsorientierten Kompromissvorschlag" auf den Tisch legt.

Diesmal geht es um die Vorschule, die nun doch nicht mehr ganz so verpflichtend sein soll, erklärte Leitl am Donnerstag: Zum Vorschul-Besuch sollen künftig jene Kinder verpflichtet werden, die Sprachdefizite haben, also in erster Linie Kinder mit Migrationshintergrund.

Rund 8000 Kinder wären betroffen, ausgeben müsste man dafür etwa 35 Millionen Euro, rechnete Leitl vor. Start für diese Form der Vorschule könnte schon im Herbst, spätestens aber in der ersten Jahreshälfte nächsten Jahres sein.

(Gesamt-)Schulversuchen steht Leitl grundsätzlich positiv gegenüber, aber nur, wenn die Wahlfreiheit garantiert ist. Von der großkoalitionären Diskussionskultur ist Leitl weniger angetan: "Ich halte nichts davon, sich neunmal zu streiten und sich dann beim zehnten Mal zu einigen." Er verteidigte aber den Beschluss des ÖVP-Vorstandes am vergangenen Montag, der sowohl der Gesamtschule als auch dem verpflichtenden Vorschuljahr eine klare Absage erteilt: Dieser sei "sehr klug".

"Neue Mittelschule"

Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) übte sich am Donnerstag ebenfalls in kreativer Begriffsfindung: Sie stellte den Fahrplan für die "neue Mittelschule" vor - gemeint ist damit die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, ergo die Gesamtschule. Kommende Woche beginnen die Detailgespräche mit den Landeshauptleuten, am 1. Juli startet die Reformkommission unter der Leitung von Bernd Schilcher ihre Arbeit. Für kommenden Herbst und für das Frühjahr 2008 plant die Ministerin jeweils einen Schulgipfel. Im September 2008 soll es dann die ersten Modellregionen für die Neue Mittelschule geben. (Andrea Heigl/ DER STANDARD-Printausgabe, 15. Juni 2007)

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    Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer ist offen für Schulversuche.

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