"Akute Wiiitis" - oder die körperlichen Leiden der VideospielerInnen

    9. Juli 2007, 15:27
    43 Postings

    Ärzte, Chiropraktiker und Therapeuten beweisen Kreativität bei der Namensgebung neuer Krankheitsbilder

    Ein Stechen im Nacken, geschwollene Gelenke, entzundene Fingergelenke und Augenschmerzen - altbekannte Leiden in SpielerInnenkreisen. Die schweißtreibenden Aktivitäten vor dem Fernseher - den neuen bewegungssensitiven Eingabegeräten sei Dank - fordern ihren Tribut von den untrainierten SpielerInnen. Ein Trend dem sich verstärkt nun auch Ärzte widmen.

     

    "Akute Wiiitis"

    Unter dem Titel "Acute Wiiitis" erschien Anfang Juni im "New England Journal of Medicine" ein Artikel des spanischen Arztes Julio Bonis. Darin schildert der Mann im Fachmagazin seine eigenen schmerzhaften Erfahrungen mit Nintendos Spiele-Konsole Wii. Für seine Symptome hat er auch gleich einen neuen Fachbegriff kreiert, der seitdem durch das gesamte Internet geistert - die "Wiiitis".

    Früher war es eine einfache Sehnenscheidenentzündung

    Bonis klagte über starke Schmerzne in seiner Schulter und ging zur Begutachtung zu einem befreundeten Rheumatologen. Dieser kommt zu dem Schluss, dass es sich um eine Sehnenentzündung in der Schulter handelt. Eine Verletzung die bei SportlerInnen häufiger vorkommt, da Bonis aber kein Sportler ist und auch keinen Sport betrieben hat, sondern "nur" auf seiner neuen Wii-Konsole gespielt hatte, bedarf es natürlich eines neuen Namens für ein altbekanntes Leiden - Wiiinitis ist geboren.

    Entzündungen

    Das Bewegen vor dem Fernsehapparat bereitet zahlreichen untrainierten SpielerInnen Probleme. Viele klagen über Schmerzen in den Gliedmaßen, Schultern oder im Ellbogen. Doch diese Erkrankungen sind bei weitem nicht neu: Schon 1981 widmete sich ein Bericht des Medizin-Studenten Timothy McCowan aus Little Rock Arkansas dem Phänomen des vom ihm benannten "Space-Invaders-Handgelenk". Der Student beobachtete, dass viele SpielerInnen über eine "schmerzhafte Steifheit des Handgelenks" klagten. Diese wurde durch das wiederholte abrupte Beugen und Strecken des Handgelenks und Unterarms beim Steuern des Spielhallen-Klassikers "Space Invaders" ausgelöst.

    Auf den Daumen kommt es an

    Ein Körperteil brachte es in der Geschichte der Videospiel-Erkrankungen am öftesten in die Schlagzeilen - der Daumen. War es im Jahr 1990 der US-Rheumatologe Richard Brasington aus Wisconsin, der ebenfalls im "New England Journal of Medicine" die Nintendinitis beschreibt. Die starken Schmerzen im Daumen traten nach fünf Stunden Dauerspielen auf dem Nintendo "Super NES" auf und sollten mit Schmerzmittel und Spielverbot behandelt werden. So folgte 2005 der "PlayStation-Daumen", der sich durch die Symptome "Blasen, Taubheit und Kribbeln" äußere und bei einer südafrikanischen Umfrage unter SchülerInnen erstmals erwähnt wird.

    Die eiternde Nintendinitis

    Der Kinderarzt Guan Koh im australischen Thuringowa entdeckt im Sommer 2000 bei einem 9-jähriges Mädchen eine merkwürdige Verletzung auf der rechten Handfläche. Die Wunde ist kreisrund und auf einer Fläche mit 6 Millimetern Durchmesser vereitert und umgeben von einem geröteten Rand. Währned der Untersuchung erklärte das Mädchen, dass es auf einer Nintendo-64-Konsole zwei Stunden durchgehend "Mario Party" gespielt habe. Die Verletzung ergab sich durch den Knopf auf dem Controller und schrie nach einem griffigen Namen - also eiternde Nintendinitis.

    Wie vor dem Sport

    "Man müsse bei Videospielen vorsichtiger sein und sich dafür wie vor jeder Sportart aufwärmen", so Tim Hutchful, Chiropraktiker und Sprecher des Verbands britischer Chiropraktiker. Um das Verletzungsrisiko zu senken hat Hutchful ein Aufwärm- und Dehnprogramm für Wii-SpielerInnen erarbeitet. Der Fokus liegt dabei auf den Bereichen Schultern, Handgelenk, Faust, Nacken und im unteren Rückenbereich. Untrainiert soll man also in Zukunft nicht mehr ohne Pausen vor der Konsole sporteln, empfehlen die Experten. nach 20 bis 30 Minuten sollte es auf jeden Fall einmal eine Pause geben. (red)

    • Artikelbild
    • Bild nicht mehr verfügbar
    Share if you care.