Zukunftsvorsorge nach vier Jahren erstmals in Gewinnzone

2. Juli 2007, 14:33
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Trotz boomender Börsen nur drei Prozent Gesamtperformance, Schuld an dieser Entwicklung tragen die hohen Abschlusskosten

Wien - Die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge kommt vier Jahre nach ihrer Einführung im Jahr 2003 erstmals in die Gewinnzone. Und dies obwohl die Aktienquote bei mindestens 40 Prozent liegt und die ATX-Unternehmen in den vergangenen Jahren überaus kräftige Kursgewinne erzielen konnten. Schuld an dieser auf den ersten Blick enttäuschenden Entwicklung tragen die hohen Abschlusskosten, die bis zu 50 Prozent einer Jahresprämie ausmachen können und von den Anbietern - Versicherungen und Kapitalanlagegesellschaften - oft bereits im ersten Jahr einbehalten werden, so die Finanzmarktaufsicht (FMA) in ihrem aktuellen Marktbericht.

"Man braucht also mindestens eine Verdoppelung des ATX, nur um die Abschlusskosten wieder hereinzubringen", sagte ein FMA-Mitarbeiter am Donnerstag. Die Situation sei vergleichbar mit den Lebensversicherungen, auch dort würden die Abschlusskosten die Performance in den ersten Jahren vermindern und zu niedrigen Rückkaufwerten führen. Eine Gesamtbetrachtung sei erst am Ende der Laufzeit eines Produktes sinnvoll.

Vermögen stieg auf 1,78 Milliarden

Das gesamte in Zukunftsvorsorgeprodukten verwaltete Vermögen, das sich aus den Nettomittelzuflüssen, staatlichen Prämien und Wertsteigerungen zusammensetzt, stieg 2006 auf 1,78 Mrd. Euro, ein Zuwachs von 64 Prozent. Das kumulierte Prämienaufkommen seit 2003 beläuft sich dagegen auf 1,726 Mrd. Euro. Somit sind derzeit nur 54 Mio. Euro oder gut 3 Prozent auf den seither erzielten Wertzuwachs zurückzuführen.

Dies erscheint auf den ersten Blick sehr enttäuschend, sollte sich in den Zahlen doch die positive Performance an den Aktienmärkten - die Wiener Börse stieg drei Jahre um mehr als 50 Prozent - zumindest ansatzweise widerspiegeln. Die Abschlusskosten seien erst jetzt durch Kurssteigerungen wettgemacht worden, so die FMA. Bis 2012 erwartet sie ein Volumen von knapp 7 Mrd. Euro.

Aktienquote bei 47,6 Prozent

Die Aktienquote - sie muss mindestens 40 Prozent betragen - belief sich im Schnitt 2006 auf 47,6 Prozent. 7 von 29 Anbieter hielten mehr als 50 Prozent. Der Aktienanteil muss an niedrig kapitalisierten Börsen des EWR-Raumes veranlagt werden. Nur noch 0,8 Prozent des verwalteten Vermögens entfielen auf nicht österreichische Aktien, 2005 waren es noch 2,1 Prozent.

2006 erzielten die Anbieter eine volumensgewichtete Performance von 11,2 Prozent nach 20,5 Prozent im Jahr davor. Versicherungsunternehmen konnte mit 11,4 Prozent eine etwas bessere Performance als KAGs (10,2 Prozent) erzielen. Daraus lasse sich aber keine bessere Veranlagungspolitik ableiten. Im Vergleich mit den Pensionskassen mit 5,4 Prozent schnitten die Zukunftsvorsorge-Anbieter 2006 deutlich besser ab. Seit dem Start im Jahr 2003 konnte mit einem Benchmark-Portfolio aus 40 Prozent ATX-Aktien und 60 Prozent Bundesanleihen 142 Prozent gewonnen werden, pro Jahr knapp 25 Prozent, rechnet die FMA vor.

FMA sieht erste Sättigungstendenzen

Wie die FMA in ihrem Marktbericht weiter ausführt, zeigt der Markt für die Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge (PZK) erste Sättigungstendenzen. Die Zahl der Verträge für die private Altersvorsorge stieg demnach per Jahresende 2006 zwar erneut um kräftige 28 Prozent auf 987.521, im Jahr davor betrug das Wachstum allerdings noch 65 Prozent. "Aktuell gibt es sicher schon über eine Million Verträge", ist die FMA überzeugt.

90 Prozent der Zukunftsvorsorgeverträge werden bei Versicherungsunternehmen abgeschlossen. Der Marktanteil der Kapitalanlagegesellschaften (KAG) ging 2006 weiter auf 10 nach zuvor 11 Prozent zurück. Die Hälfte der Verträge entfallen hier auf die Raiffeisen KAG. Die Finance Life der UNIQA, die Wiener Städtische und die s Versicherung stehen für 60 Prozent der Verträge bei den Versicherungsunternehmen.

Die zunehmende Sättigung des Marktes zeigt sich laut FMA auch bei den deutlich rückläufigen durchschnittlichen Prämien und Nettoeinzahlungen. 2006 wurden pro Vertrag und Jahr im Schnitt 657 Euro bei Versicherungen bzw. 773 Euro bei KAG eingezahlt, 2005 waren es 686 bzw. 921 Euro. Dieser Trend war schon 2005 rückläufig.

"Es wird nun deutlich, dass all jene Schichten durchdrungen worden sind, die für sich die Notwendigkeit der Altersvorsorge erkannt haben und entsprechende Beträge aufbringen können", so Traumüller. Ende 2006 verfügte mit 15,3 Prozent mehr als jeder sechste Österreicher unter 60 Jahren über einen Vertrag.

Nettomittelzuflüsse stiegen

Die Nettomittelzuflüsse - inklusive Prämien - stiegen im Vorjahr um 33 Prozent (2005: 44 Prozent) auf 690 (520) Mio. Euro, wobei das Wachstum bei den Versicherungsunternehmen mit 37 Prozent deutlich höher als bei den KAG mit 9 Prozent ausfiel.

Zunehmend populärer werden Verträge mit langen Laufzeiten. Während KAG nur zehnjährige Produkte anbieten, haben bereits ein Fünftel der bei Versicherungen abgeschlossenen Verträge eine Laufzeit von über 45 Jahren. Über die Hälfte der Verträge weist Laufzeiten von mehr als 30 Jahren auf. Dies deutet laut FMA darauf hin, dass die Zukunftsvorsorge tatsächlich zum langfristigen Aufbau einer Alterssicherung genutzt wird. Problematisch erscheint Traumüller dabei die verpflichtende Kapitalgarantie, die jährlich knapp einen Prozentpunkt der Performance kostet.

Für die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge stieg 2007 die höchste prämiengeförderte Ansparmöglichkeit um 49 Euro auf 2.115 Euro. Die maximale Prämie für 2007 liegt damit bei 190,36 Euro. (APA)

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