Do&Co will British Airways einkochen

2. Juli 2007, 15:56
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Der Caterer will den Olymp erklimmen und rittert um einen fast drei Milliarden Euro schweren Auftrag

Wien – Do&Co-Chef Attila Dogudan steht vor der größten Herausforderung in der Unternehmensgeschichte. Denn bei British Airways, für die Do&Co bereits jetzt täglich 250 Flieger auf der Kurzstrecke in der Business Class ab London catert, laufen ab 2010 alle Caterer-Verträge aus. Do&Co wurde als einer von vier Anbietern (neben Gate Gourmet, Alpha und LSG) eingeladen, ein Konzept abzuliefern.

Bekommt Dogudan den Zehn-Jahres-Vertrag, dann bekäme er ein Auftragsvolumen von 1,8 Milliarden Pfund (2,7 Milliarden Euro), was einem jährlichen Umsatz von 150 bis 170 Mio. Euro entspricht. Darin inkludiert: die Verpflegung von 35 Millionen Passagieren, täglich 370 Abflüge, davon 80 Langstrecken-Routen. Was die Briten wollen: ein völlig neues Konzept mit den Zielen beste Qualität, annehmbare Kosten und einen verlässlichen Partner.

Arrangieren mit einem Dritten

"Wir würden das Premium-Segment selber machen und uns bei der Economy-Verpflegung mit einem Dritten arrangieren", sagte Dogudan am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz. Der Auftrag würde bei Do&Co Investitionen von 50 Mio. Euro auslösen. Die Entscheidung über den Zuschlag fällt Ende 2008. In den nächsten Wochen wird eine Shortlist erstellt. Dogudan: "Wenn wir rausfliegen, dann aus politischen Gründen. Schaffen wir es auf die Shortlist, sind wir im Finale", ist der Chef und Mehrheitseigentümer von Do&Co überzeugt. Erstmals ortet Dogudan auch ein vitales Interesse des Kapitalmarktes an den Do&Co-Aktien: Von Jänner 2006 bis Ende März 2007 stieg der Kurs um 116 Prozent. Bei der jüngsten Kapitalerhöhung wurden die Deutsche Bank, UBS und Fidelity neue Aktionäre. Raiffeisen ging auf 20 Prozent zurück. Und Dogudan kann sich auch vorstellen, seine 51-prozentige Mehrheit abzugeben, sofern der Streubesitz von derzeit 30 auf etwa "gesunde" 40 Prozent erhöht wird. Dann freilich würde er mit Raiffeisen syndizieren. "Was wir suchen, sind langfristige Aktionäre und ein echter Streubesitz", so Dogudan. Er würde bei der nächsten Kapitalerhöhung allein schon deshalb nicht voll mitziehen, "weil ich nicht aus der Hemdtasche 30 oder 40 Mio. Euro auf den Tisch legen kann".

Bestes Jahr der Firmengeschichte

Das Ende März zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2006/07 war für Do&Co mit einem Umsatz von 206 Mio. und einem Ergebnis von 13,5 Mio. Euro das beste in der Firmengeschichte. Das, so Dogudan, sei sehr erfreulich, weil die Qualität und die Markenstrategie sich auch international langsam auszuzahlen beginne. Zu den Highlights zählte das Jointventure mit Turkish Airlines, wo Do&Co über 600 Flieger täglich mit Essen beliefert, und der Kauf der Airest. In der Türkei stellt Do&Co mit 1400 Mitarbeitern jährlich 24 Mio. Bordmenüs her. Do&Co habe jetzt mit 4500 Mitarbeitern weltweit eine Unternehmensgröße erreicht, wo man selber in der Lage sei zuzukaufen. Und man sei gut gerüstet für die Chance. Die bisherige Catering-Küche in Simmering wird behalten. Dort werden die warmen Menüs hergestellt. Bei der Airest wird u. a. die Logistik konzentriert. In der Airest-Küche werden die kalten Bordmenüs zubereitet.

Das Catering-Unternehmen plant außerdem einen Aktiensplit. Der Vorstand werde der Hauptversammlung am 5. Juli 2007 nach bereits erfolgter Zustimmung des Aufsichtsrates einen Aktiensplit der DO&CO-Aktie im Verhältnis 1 zu 4 vorschlagen, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Die Aktie notiert bereits seit einiger Zeit bei um die 100 Euro. (Claudia Ruff, DER STANDARD; Print-Ausgabe/red, 15.6.2007)

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