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Kochen und Kellnern gleichzeitig - wie soll sich das ausgehen? Mike Johann weiß es:

Er kocht österreichisch mit Raffinement, findet tolle, weithin unbekannte Winzer für seine Weinkarte und serviert mit Charme - alles simultan!
Fotos: Gerhard Wasserbauer
Das Gasthaus zum Blumentritt in St. Aegyd am Neuwalde, weit hinter allen Bergen und schon fast in Mariazell, darf als Inbegriff des Landgasthofs zeitgemäßer Prägung gelten: Die Küche inspiriert, deftig und gleichzeitig raffiniert, der Service unprätentiös, wie man sich's nur wünschen kann, dazu voralpine Idylle rundum - das hat alle Jahre wieder für besondere Glückseligkeit gesorgt. Bis der begnadete Küchenchef Mike Johann sich mit seiner Frau Christa Hollerer (der das Wirtshaus mit Schwester und Ko-Köchin Ulli gehört), überwarf. Im Rückspiegel sieht es freilich nicht mehr ganz so schlimm aus: Im Blumentritt wird immer noch wunderbar gekocht, und nun steht auch Mike Johann wieder an einem Herd. Aber nur, wenn er nicht gerade servieren muss.
Austro-Essen
Der Ausnahme-Koch hatte nämlich "keinen Bock mehr", von anderen allzu abhängig zu sein, weshalb er im gastronomischen Niemandsland der Mur-Mürz-Furche ein winziges Lokal eröffnete, in dem er alles selber macht: Kochen, Kellnern und auf zwei Lehrlinge aufpassen, denen er nun zeigt, wie Austro-Essen in den Nuller-Jahren aussehen kann. Knusprige, mit Eleganz gewürzte Blunzen etwa, die sich mit einer Scheibe zartschmelzender Gansleber zur Delikatesse erhebt; oder mollige Panna Cotta von Spargel und Erdäpfel, mit mürbem, dünn aufgeschnittenem Schweinsbackerl und bissfestem weißem Spargel kombiniert - sehr gut; weiters lauwarmes Ochsenmaul (ein verloren gegangener Klassiker!), in dünnen, löffelweichen Scheiben auf luftige Erdäpfelcreme gebettet - nur große Köche können so einfach so gut kochen; oder Beuschel vom Kitz, exakt gewürzt, mit knusprigen, unheimlich flaumigen Semmeldalken serviert - danke! Dazu eine Weinkarte, die mit dem Besten gespickt ist, was das Land zu bieten hat - und dennoch mit erstaunlichen Trouvaillen weithin unbekannter Winzer aufwartet. Reservierung ist, was Wunder, Pflicht. (Severin Corti/Der Standard/rondo/15/06/2007)
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