WHO: Jährlich 11.000 Umwelttote in Österreich

13. Juli 2007, 15:39
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In der Schweiz sterben über 600 Menschen weniger im Jahr - EU-Grenzwerte sind viel zu niedrig - mit Grafik

Im europäischen Vergleich stellt Umweltverschmutzung in Österreich kein besonderes Gesundheitsrisiko dar. Dennoch sterben jährlich mehr als 11.000 Menschen an Umweltfaktoren – auch weil EU-Grenzwerte zu niedrig sind, argumentieren Kritiker - Michael Möseneder

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Wien – Wer in der russischen Föderation, in Kasachstan oder Turkmenistan wohnt, lebt in einer völlig verseuchten Umwelt – sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Denn laut den am Mittwoch präsentierten Zahlen sind in diesen drei Staaten die Krankheits- und Todesfälle, die durch "vermeidbare Umwelteinflüsse" verursacht werden, so hoch wie nirgendwo sonst in Europa (siehe Grafik). An die 54 Lebensjahre pro 1000 Bürger gehen beispielsweise in Russland verloren. In absoluten Zahlen: Fast eine halbe Million Menschen stirbt jedes Jahr vorzeitig, weil die Luft verpestet, das Wasser verseucht oder der Lebensraum durch Chemikalien kontaminiert ist.

Ex aequo mit San Marino

Auch in Österreich sterben über 11.000 Menschen an schädlichen Umwelteinflüssen, schätzt die WHO. 1100 alleine aufgrund der Feinstaubbelastung. Im Europavergleich liegen wir damit dennoch im positiven Bereich: Platz 10 von 52, ex aequo mit San Marino. Auffallend allerdings: der klare Abstand zur Schweiz. Umgelegt auf die Einwohnerzahl sterben dort nämlich über 600 Menschen weniger.

Projekte in Österreich

Umweltminister Josef Pröll (VP) konnte sich am Mittwoch bei der Eröffnung der WHO-Konferenz zu Umwelt und Gesundheit in der Wiener Hofburg keinen wirklichen Reim auf diese aktuellen Daten machen. Und betonte gemeinsam mit Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (VP) stattdessen lieber, welche Maßnahmen die Republik im Kampf gegen Umweltbelastungen gesetzt hat. Wie das Bonus-Malus-System für Dieselpartikelfilter oder den Einsatz von Mobilitätsberatern an Schulen (der Standard berichtete), der bei der Konferenz auch als Best-Practice-Projekt ausgezeichnet wurde.

Grenzwerte viel zu niedrig

Ausweichend reagierte Pröll allerdings auf die Frage, warum der Jahresgrenzwert für Feinstaubpartikel (PM10) in der Luft bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt, während die WHO die Hälfte davon als sicher ansieht. Das sei schließlich eine EU-Entscheidung gewesen, schiebt der Minister die Verantwortung Richtung Brüssel. Was Génon Jensen von der NGO "Health and Enviroment Alliance" am Podium so nicht stehen lassen will: "Dass der Grenzwert aufgrund des deutschen Widerstandes erst ab 2010 auf 20 gesenkt wird, zeigt, dass es in Europa noch immer Spielraum für Gesundheit- und Umweltmaßnahmen gibt."

Portable Feinstaubmesser

Mit der Feinstaubproblematik (laut WHO liegt die Belastung in Österreichs Städten bei durchschnittlich 32 Mikrogramm/m3) kämpfen auch Landstriche wie Norditaliens Industrieregion. In Mailand beispielsweise wurden Teenager von der NGO "Eltern gegen Smog" mit portablen Feinstaubmessern ausgestattet. Diese registrierten dann in Einzelfällen bis zu 127 Mikrogramm/m3, berichtete am Dienstag die New York Times.

"Walking Bus"

Am Mittwoch erhielt mit Cremona eine andere norditalienische Stadt in der Hofburg einen Anerkennungspreis. Dort kämpft man gegen Luftverschmutzung, Unfallgefahr und gegen den kindlichen Bewegungsmangel – indem Eltern von Haus zu Haus gehen, um Schulkinder abzuholen, und so einen "Walking Bus" kreieren. (DER STANDARD Printausgabe 14.6.2007)

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    Im Europavergleich liegt Österreich uf Platz 10 von 52, ex aequo mit San Marino. Auffallend allerdings: der klare Abstand zur Schweiz.

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