Murdochs Milliardengebot

10. Juli 2007, 11:30
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Der Medienmogul Rupert Murdoch bietet fünf Milliarden Dollar für das "Wall Street Journal". Banker raten dem renommierten Zeitungsverlag zum Verkauf

Am Mittwoch haben erneut Verhandlungen zwischen dem Medienmogul Rupert Murdoch und den Haupteignern des "Wall Street Journal" stattgefunden. Murdoch bietet fünf Milliarden Dollar (3,74 Mrd. Euro) für den renommierten Zeitungsverlag. Banker raten zum Verkauf.

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New York/Palo Alto – Es ist schwer, fünf Milliarden Dollar auszuschlagen. Selbst wenn man dafür Großvaters Zeitung und die Kronjuwelen der Familie an einen Mann verhökert, dessen Schneid man verabscheut.

So trafen sich denn auch die Eigner des Wall Street Journal– Verlags Dow Jones, die Familie Bancroft, am Mittwoch erneut mit Rupert Murdoch. Der Medienmogul hatte vor fünf Wochen die sensationell hohe Offerte für den Verlag auf den Tisch gelegt. Damals hatte die Familie, die 64 Prozent hält, dankend abgewunken.

Doch Murdoch (76), der schon seit Langem nach der angesehenen Wirtschaftszeitung giert, ließ nicht locker. Wie eine "Spinne im Netz" (Chicago Reader) habe er die Erben von Clarence Barron, der den Verlag 1902 für 130.000 Dollar von dessen Gründern Charles Dow und Edward Jones kaufte, eingewickelt. Nach Berichten amerikanischer Medien habe Murdoch eine Charme-Offensive gestartet ("großartigste Zeitung Amerikas"). Er sicherte den Skeptikern einen Sitz im Board von News Corp, seinem Medienkonglomerat, zu. Und er machte sich an William Cox III heran, der sich mit Murdoch bereits vergangenen September in einem Café in Rom traf. Das geheime Anbändeln war ein geschickter Schachzug, denn William (Billy) Cox III ist der Sohn von William (Big Bill) Cox Jr., dem 76 Jahre alten Patriarchen des Clans. Und dieser hält nicht viel von Murdoch.

Auch traf sich Murdoch mit CEO Richard Zannino, der erst Anfang 2006 das Amt übernommen hatte. Anders als seine Vorgänger, Warren Phillips und Peter Kann, ist Zannino kein Zeitungs-, sondern ein Finanz- und Wirtschaftsfachmann. Auch das ein Glücksfall für Murdoch. Denn Kann hätte die Familie an ihre journalistische Aufgabe erinnert und sich gegen einen Verkauf ausgesprochen. Zannino tat wahrscheinlich nichts dergleichen.

Zannino hatte das dem Internetzeitalter hinterher hinkende WSJ in den vergangenen Monaten ins 21.Jahrhundert bugsiert. Er erwarb Factiva, eine Datenbank für Wirtschaftsinformationen, und trieb die Integration des Print-Geschäfts mit dem Web-Business voran. Doch selbst diese Maßnahmen kickten den Aktienpreis, der vor Murdochs Offerte um die 30 Dollar lag, nicht höher. Nun liegt der Preis bei den offerierten 60 Dollar.

Zusätzlichen Druck übte die geplante Fusion der Konkurrenten im Börseninformationsmarkt – die Agentur Reuters und der Finanzdienst Thompson – aus. Da kam Murdochs Begierde ganz gelegen. Denn wenn sich die Bancrofts auch noch eine Weile zieren mögen, um weitere Zugeständnisse zu erhalten: Beobachter glauben nicht, dass sich die in Schwung gekommenen Verhandlungen noch bremsen lassen.

Es wurden Stimmen laut, die die weitverzweigte und wenig führungsstarke Familie für die Probleme der Zeitung mit immerhin zwei Millionen Auflage verantwortlich machen. Deren Profit sank in den vergangenen Jahren deutlich, bedingt durch einen Rückgang der Anzeigen und wachsende Konkurrenz durch das Internet. Berater der Investmentbank Merrill Lynch sollen der Familie schon des Längeren geraten haben, sich einen starken Partner zu suchen. (Rita Neubauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.06.2007)

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    Seit einigen Jahren kämpft das "Wall Street Journal" (WSJ) mit sinkender Auflage und schlechteren Ergebnissen.

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