"Städte von schlechter Kunst entrümpeln"

13. Juni 2007, 16:01
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Kuratorin der international beachteten Ausstellung "Skulptur Projekte" in Münster: "Neue Bronzezeit ausgebrochen"

Münster - Misslungene Kunstwerke sollten nach Expertenmeinung von den Straßen und Plätzen auch wieder entfernt werden. "Die Kulturpolitik in Kommunen und Ländern soll den Mut haben, die Städte von schlechter Kunst zu entrümpeln", meinte die Kunstwissenschafterin Brigitte Franzen (40) in Münster, die als Kuratorin die international beachtete Ausstellung "Skulptur Projekte" (16. Juni bis 30. September) in der westfälischen Stadt in diesem Jahr mit eingerichtet hat.

"Wenn man durch die Straßen geht, hat man manchmal das Gefühl, es sei eine neue Bronzezeit ausgebrochen", sagte die Kunstexpertin. Oft würden in den Kommunen Kunstentscheidungen getroffen, "wo nicht klar ist, ob die Entscheider wirklich qualifiziert waren".

Unmittelbarkeit zwischen Kunst und Betrachter

"Kunst im Öffentlichen Raum muss nicht mittelmäßig sein. Münster ist das beste Beispiel, dass es auch anders geht", betonte Franzen. Hier habe es sich gezeigt, dass durch die seit 1977 alle zehn Jahre organisierte Ausstellung "Skulptur Projekte" mit bisher 175 wichtigen Künstlern bedeutende Werke in die Stadt gekommen seien, von denen mittlerweile mehr als drei Dutzend für Münster angekauft worden sind. So sind in der Stadt permanent Arbeiten namhafter Künstler wie Claes Oldenburg, Ulrich Rückriem, Dan Graham, Jenny Holzer, Rebecca Horn, Thomas Schütte oder Ilya Kabakov zu sehen. Auf diese Weise habe sich im Laufe der Zeit bei den Bürgern der Stadt auch ein wirkliches Bewusstsein für künstlerische Qualität gebildet, ist sich die Expertin sicher.

"Eine Ausstellung organisieren, dem ganzen Zeit und den Künstlern Freiheiten geben" könne nach den Erfahrungen aus Münster ("Das ist ein exemplarisches Projekt.") zu besseren Ergebnissen führen, als der ausschließliche Entscheid mancher Ankaufs-Jury, erklärte die Kunstexpertin. Mit der mittlerweile auch international beachteten Münsteraner Ausstellung habe man erfolgreich "das Experiment gewagt, Unmittelbarkeit zwischen Kunst und Betrachter herzustellen."

Die Entscheidung, sich von früher angeschaffter misslungener Kunst zu trennen, müsse ebenso wie die Anschaffung von einer fachkundigen Jury und vom Einverständnis der Bürger begleitet werden, sagte Brigitte Franzen. Keinesfalls dürften Leserbriefkampagnen oder andere Formen der "Akklamation" Grundlage der Entschung gegen ein Werk sein. (APA/dpa)

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    foto: arendt/mensing/sp07

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