Wer schlecht hört, fühlt sich häufiger einsam

23. Oktober 2007, 13:21
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Studie: Bei jedem zehnten Österreicher ist die akustische Wahrnehmung beeinträchtigt - Weniger Sozialkontakte wirken sich negativ auf die Psyche aus

Wien - Menschen mit vermindertem Hörvermögen fühlen sich drei Mal häufiger einsam als Personen mit gesundem Gehör. Störungen der akustischen Wahrnehmung sind laut einer Studie von Karmasin Motivforschung (im Auftrag der Hörgerätefirma Hansaton) nach dem Alleinleben die wichtigste Ursache für Einsamkeit. Die Umfrage unter rund 300 über 40-Jährigen wurde am Mittwoch in Wien präsentiert.

Weniger Lebensfreude

27 Prozent der Befragten mit Hörminderung gaben demnach an, sich einsam zu fühlen - unter den gut hörenden Probanden waren es neun Prozent. Wer schlecht hört, hat der Umfrage zufolge auch weniger Lebensfreude und ist eher unzufrieden. Gut Hörende sind laut der Studie zu 84 Prozent mit ihrem Leben zufrieden, aber nur halb so viele Schwerhörige.

Weniger soziale Kontakte

Störungen des Gehörs haben "weit reichende soziale und emotionale Folgen", meinte Sophie Karmasin von dem Motivforschungsinstitut. Betroffene fühlen sich weniger gebraucht, schlechter in ihr Umfeld eingebettet und sind insgesamt weniger vital. "Menschen mit starker Hörminderung sind in ihrem Freizeitverhalten passiver", erklärte sie. Betroffene würden weniger auf Reisen gehen und Einladungen aussprechen oder annehmen. Folglich hätten sie auch weniger Sozialkontakte.

Jeder Zehnte mit Hörstörung

Jeder zehnte Österreicher ist von einer Hörstörung betroffen. Unter den 60- bis 70-Jährigen sind es 60 Prozent, über 70-Jährige seien zu über 70 Prozent in ihren akustischen Sinneswahrnehmungen eingeschränkt, sagte der Vorstand der HNO-Klinik Innsbruck, Patrick Zorowka.

Schwerhörigkeit wird häufig akzeptiert, so der Mediziner. Beim Fernsehen beispielsweise - der liebsten Freizeitbeschäftigung der Generation 40-Plus - werde einfach der Ton lauter gedreht. Viele der Betroffenen lernen Lippenlesen oder stellen ihre Lebensweisen komplett um, zitierte Karmasin aus Tiefeninterviews.

Hemmschwelle Hilfe zu holen

Die Hemmschwelle sei groß, fast jeder Schwerhörige komme im Schnitt zwischen fünf und zehn Jahre zu spät zum Arzt, berichtete Peter Reisenberger, HNO-Spezialist aus Gmunden. Die Mediziner appellierten an Betroffene, beim ersten Anzeichen eines Problems bei Ärzten oder in Fachgeschäften einen Hörtest machen zu lassen.

Schlechtes Image

Während es von Patienten akzeptiert werde, im Alter eine Brille zu tragen, würden sich viele gegen Hörbehelfe wehren, meinte Zorowka. Dabei sollen diese Mini-Computer künftig sogar in der Lage sein, Fremdsprachen unmittelbar zu übersetzen oder das Klingeln eines Mobiltelefons im Ohr "lauter zu drehen". (APA)

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    foto: photodisc
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