Polizei holen - Hemmschwelle für Zuwanderer soll abgebaut werden

30. Juli 2007, 19:28
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Migranten sollen verstärkt Polizeijobs ausüben - Bei Zuwanderern soll Interesse für Jobs bei der Exekutive geweckt werden

Wien - Die Einvernahme des mutmaßlichen Gemeindebauschützen aus Wien-Favoriten geht nur ziemlich zäh vonstatten: Der 26-jährige drogensüchtige Mann leide unter starken Entzugserscheinungen, berichtete Chefinspektor Kurt Unger am Mittwoch. Hatte der Mann ursprünglich angegeben, er habe im Gemeindebau Quellenstraße 24A auf die Kinder im Hof mit dem Luftdruckgewehr geschossen, "weil i an Pascher hab" - so sagte er inzwischen aus, sie hätten ihn schon gestört. Er habe hinuntergeschrien und im Gegenzug eine "sozialadäquate Antwort" erhalten, so Unger.

Schüsse in den Rücken

Aber das allein kann es nicht gewesen sein - schließlich soll der 26-Jährige auch einen Freund in den Rücken geschossen haben, weil er ihm kein Bier gebracht habe - und die Polizei ermittelt, ob er auch einem anderen Mieter ins Fenster geschossen habe.

Betroffenheit herrscht aber nach wie vor, weil die Eltern schon früher verletzter Kinder keine Anzeige erstattet hatten.

Polizeiberuf attraktiv machen

Auf der einen Seite will daher Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) die Bemühungen intensivieren, den Polizeiberuf für Menschen mit Migrationshintergrund attraktiv zu machen. Dies solle unter anderem dazu beitragen, mögliche Hemmschwellen für Zuwanderer beim Kontakt zur Polizei abzubauen. "Wir wollen in der Community Sympathiewerbung für die Polizei machen."

Manchmal sei es auch ein Kommunikationsproblem; "oft wissen die Betroffenen aber auch über ihre Rechte und Pflichten nicht Bescheid", so Frauenberger. Hier soll vor allem die Information bei Frauen verstärkt werden.

Kontaktprobleme

Der Gemeindebau in der Quellenstraße soll ab heute, Donnerstag, verstärkt von der lokalen Gebietsbetreuung besucht werden. Bisher sei es nur sehr schwer möglich gewesen, an die Mieter in diesem Gemeindebau heranzukommen, so Josef Cser, Koordinator der Gebietsbetreuungen - wobei er nicht sagen könne, warum dies so sei.

Gebietsbetreuung hat von Problemen nichts gehört

Auch Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) weiß, dass genau diese Wohnhausanlage schon in den vergangenen Wochen von der Gebietsbetreuung besucht worden sei - auch der Kinderspielplatz, aber die Bewohner hätten von diesen Problemen nichts berichtet. "Es könnte auch sein, dass es den Eltern der ersten Opfer nicht wirklich bewusst war, dass es sich um eine Schussverletzung handelte." Wobei Ludwig die Attacken des 26-Jährigen nicht unbedingt als Spezifikum dieses Gemeindebaus sieht - sehr wohl aber etwas "gegen Konflikte im Zusammenleben" unternehmen will, "aber die gibt es nicht nur im Gemeindebau".

Genau aus diesem Grund habe er bereits die Mittel für Gebietsbetreuungen aufgestockt und auch eine Gruppe von 20 Mediatoren eingesetzt, die vor allem "in Bereichen mit starkem Nutzungsdruck" aktiv werden sollen - wie beispielsweise in Höfen, Gärten oder auf Spielplätzen.

Verständnis für unterschiedliche Wünsche

Ludwig: "Es ist nun einmal so, dass es unterschiedliche Wünsche nach Ruhebedürfnis gibt und dass auf der anderen Seite Kinder spielen und auch laut sein wollen. Da muss man das Gespräch suchen und versuchen, gegenseitiges Verständnis zu fördern."

Wobei der Wohnbaustadtrat einmal mehr die von der früheren Bundesregierung abgeschafften Hausmeister vermisst: "Die war oft eine Konflikt schlichtende Personengruppe." (APA, frei, DER STANDARD Printausgabe 14.6.2007)

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    Der Gemeinde- bau in Favoriten, in dem Kinder angeschossen wurden. Hier ist es "schwer an die Mieter heran- zukommen"

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