Meinl bietet Grasser einen "Hauptjob"

2. Juli 2007, 15:56
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Julius Meinl V. will mit der neu gegründeten Meinl International Power in absehbarer Zeit an die Börse. Mit an Bord: Ex-Finanzminister Grasser - Mit Kommentar

Julius Meinl V. will mit der neu gegründeten Energie-Investmentgesellschaft Meinl International Power in absehbarer Zeit an die Börse. Mit an Bord sind auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und der frühere Verbund-Chef Hans Haider. Für Grasser ist es "der Hauptjob".

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Wien – Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser geht nun doch nicht als Investmentbanker nach London. Er bleibt in Wien und heuert als Chairman in der Managementgesellschaft der eben gegründeten "Meinl International Power" (MIP) an. Grasser selbst ist auch zu einem Drittel beteiligt, den Rest hält die Meinl Bank AG.

"Ja, das ist mein Hauptjob", sagte Grasser bei der Präsentation des von Julius Meinl V. angeschobenen Projekts. Er wolle als Unternehmer tätig sein und mitgestalten. Grasser sagte, er habe eine Reihe von Jobangeboten erhalten, darunter auch von renommierten, sehr großen Banken. Dort hätte er als Vice-Chairman für Zentral-, Ost- oder Südeuropa einsteigen können, ohne aber den Kurs wirklich bestimmen zu können. "Das war der Grund, warum ich mich letztlich für Meinl entschieden habe", sagte Grasser.

Mit an Bord, wenn auch nicht direkt beteiligt, ist Hans Haider. Der Ex-Verbund-Chef, der Mitte Mai 65-jährig von der Spitze des größten österreichischen Stromversorgers abgetreten ist, wird Chairman in der Publikumsgesellschaft und soll geeignete Beteiligungsobjekte ausfindig machen. Julius Meinl V. will die Publikumsgesellschaft nach dem Vorbild von Meinl European Land und Meinl Airports International in absehbarer Zeit an die Börse bringen. Zum Umfang und Ablauf des geplanten Börsengangs wollte Meinl unter Hinweis auf Kapitalmarktgesetze nichts sagen, nur so viel: Man sei nahe dran an einer Beteiligung.

Die Bekanntschaft des Bankers und des Ex-Ministers war 2006 öffentlich geworden, als bekannt wurde, dass Grasser – und auch der in die Bawag-Affäre involvierte Investmentbanker Wolfgang Flöttl jun. – im August 2005 in Kroatien Gäste auf Meinls Yacht gewesen waren.

Fokus Osteuropa

Der Hauptfokus des Engagements von Meinl International Power wird auf Zentral- und Osteuropa sowie Russland und Türkei liegen. Meinl, Haider und Grasser verwiesen auf die extrem hohen Zuwachs_raten beim Stromverbrauch in der genannten Region und auf den hohen Investitionsbedarf. Mehr als 60 Prozent der Kraftwerke in Zentral- und Osteuropa sowie in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion seien heute älter als 20 Jahre.

"Allein in Russland müssen in den Ausbau des Energiebereichs 342 Milliarden Euro bis 2020 investiert werden", sagte Meinl. "Wir beurteilen die Attraktivität einer Investition danach, ob eine gute Chance besteht, das eingesetzte Kapital innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln." Das Geschäftsmodell der Meinl Power International sehe so wie bereits bei der Meinl European Land eine 100-prozentige Publikumsgesellschaft und eine Managementgesellschaft vor, die an den "Management Fees" – Provisionen – verdiene.

Im Gegensatz zu "Heuschrecken", die nach kurzer Zeit wieder ausstiegen, werde man investieren, um zu halten, betonte Meinl. Derzeit befänden sich über 20 Projekte in Evaluierung. Ohne ein konkret vereinbartes Projekt werde man auch nicht an die Börse gehen, sagte Meinl. Investoren hätten bereits großes Interesse gezeigt, ergänzte Grasser.

Die Meinl Bank will sich mit der neuen Gesellschaft neben der auf Immobilieninvestments spezialisierten Meinl European Land und der noch immer nach Beteiligungen im Flughafensektor Ausschau haltenden Meinl Airports International ein drittes Standbein schaffen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.06.2007)

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    Julius Meinl V. (re.) will mit Ex-Verbund-Chef Hans Haider (Mitte) und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser nun auch im Strombereich durchstarten.

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