Bizarre Forschungsblüten

von Redaktion  |  25. Oktober 2007, 15:55
  • Artikelbild: Studieren an der Donau-Universität Krems, wie es den Marketing-Experten vorschwebt. In den Lehrplänen findet sich derweilen immer wieder hanebüchener Unsinn.  - Foto: Donau-Uni/Haiden

    Studieren an der Donau-Universität Krems, wie es den Marketing-Experten vorschwebt. In den Lehrplänen findet sich derweilen immer wieder hanebüchener Unsinn.

Immer noch kämpft man an der Kremser Donau- Universität mit ökonomischen Zwängen - Das Studienangebot bewegt sich mitunter hart am Rande der Peinlichkeit - Von Ulrich Berger

Leicht hatte es die Donau-Universität Krems schon vor den jetzigen Querelen um die Rektorswahlen nicht. Als Institution für ausschließlich postgraduale Weiterbildung wurde sie in der heimischen Universitätslandschaft stets als Sonderfall wahrgenommen.

Ein Gutteil ihrer Studierenden sind keine Akademiker, sie besitzt kein Promotionsrecht, ihr Rektor war nie Mitglied der Rektorenkonferenz. Großteils eigenfinanziert unterliegt die junge Kremser Uni deutlich stärker als die traditionellen Hochschulen ökonomischen Zwängen.

Wenn Lehre und Forschung sich aber mehr an der Nachfrage orientieren als am Streben nach Anerkennung in der Scientific Community, dann hat das auf das Renommee einer Universität naturgemäß kaum positive Auswirkungen. Während in Krems immer wieder Professuren mangels auswärtigen Interesses mit internen Kandidaten besetzt werden mussten, trieb die Forschung zuweilen bizarre Blüten.

Wer mit "Quantenteleportation" hauptsächlich den Namen Anton Zeilinger verband, der konnte der Website der Donau-Uni 2004 einigermaßen erstaunt entnehmen, dass eine solche auch in deren Medienlabor, dem TIM-Lab, stattgefunden habe. Dabei sollen Daten zu einem nahe München angesiedelten privaten "Institut für Raum-Energie Forschung" (IREF) übertragen worden sein. Nicht über Kabel oder Funk, sondern "über das kosmische Hintergrundrauschen", und zwar mit Überlichtgeschwindigkeit.

"Freie Energie"

Dieser hanebüchene Unsinn fügte sich nahtlos in das Seminarangebot des IREF-Leiters Hartmut Müller ein, wo man allerlei über "Freie Energie", "Gravitationsabschirmung" und "kalte Kernfusion" lernen kann. Gemeinsam mit TIM-Lab Leiter Erwin Bratengeyer wurde das neue Verfahren (erfolglos) in Berlin "demonstriert", wurden Artikel verfasst und Vorträge gehalten. Dass die dubiose Technik für "kosmisches Internet" dieselbe war, die noch kurz zuvor "Biohandys" mittels "stehender Gravitationswellen" ermöglichen hätte sollen, hatte wohl eher marketingtechnische als physikalische Gründe. Fragwürdig auch, ob die Leeds Metropolitan University von der ganzen Sache begeistert gewesen wäre; schließlich war auch sie zeitgleich Kooperationspartner des TIM-Lab, ausgerechnet für das erste PhD-Studium in Krems.

"Lottozahlenprognose"

Ob die Partnerschaft mit einem Privatinstitut, das eine "Lottozahlenprognose" anbietet, für das Image der Donau-Uni förderlich ist, darf bezweifelt werden. Von einem renommierten Physiker der TU Wien auf die Peinlichkeit aufmerksam gemacht, ließ der damalige Rektor Kramer die Meldung über die angebliche Teleportation im Sommer 2005 aus dem Web-Archiv entfernen. Hartmut Müller lächelte trotzdem noch Monate später von einem Erinnerungsfoto des Kremser "Expertenmeeting Forschung".

Wer damals meinte, die Donau-Uni würde nach dieser Affäre mehr auf ihre Reputation bedacht sein, konnte sich kurz darauf eines Besseren belehren lassen. Unter reger medialer Anteilnahme wurde der Start eines neuen Universitätslehrgangs angekündigt, der vor wenigen Tagen erste Absolventen entließ. Diese sind jetzt stolze Träger der Bezeichnung "Akademische/r Experte/in für LO-Feng-Shui", wobei das Kürzel für "Lebensraumoptimierung" steht.

Die asiatische Lehre, bekannt für innenarchitektonische Tipps zum Leben im Einklang mit dem "Qi", stammt aus einem chinesischen Ahnenkult und wurde auf ihrem Weg nach Europa mit einer Menge New Age und Esoterik angereichert. "In Zweifelsfällen kommt das Pendel zum Einsatz", weiß ein "Wellness- und Gesundheitslexikon" - herausgegeben von der Donau-Universität.

"Grundemotionen"

Dass derlei nun akademisch geadelt wird, ändert nichts daran, dass das im Lehrgangscurriculum als "ursprüngliche Wissenschaft" bezeichnete Feng Shui etwa so viel Wissenschaft enthält wie der Mondkalender.

Das schlägt sich auch in der Beschreibung der Lehrgangsziele nieder, die mit dem bemerkenswerten Satz beginnt "Die AbsolventInnen erlernen, mit ihren 5 Sinnen Situationen zu erkennen und daraus Schlüsse zu ziehen." Eine der Lehrveranstaltungen, die dazu beitragen sollen, trägt den Titel "Westliche Entstehung von den 5 Grundemotionen" (sic!).

Als Feng-Shui-Expertin lehrt u. a. eine Architektin mit Studienabschluss von der Uni Innsbruck, ausgewiesen als "Dr. Arch.".

Rätselhaft daran ist, dass ein solcher Grad in Innsbruck gar nicht verliehen wird. Die Lösung des Rätsels liegt vielleicht darin, dass die Dame aus Südtirol stammt. Dort ist es eine verbreitete Unsitte, in Österreich erworbene Diplomgrade ins Italienische umschreiben zu lassen, wodurch sie zum "dottore" werden, und dies dann flugs als "Dr." ins Deutsche zurückzuübersetzen.

Zu den Methoden des Feng Shui zählt die Expertin auch die "Geburtsdatenanalyse, die gewisse Aufschlüsse über den Menschen gibt". Der Verdacht, dass an der Donau-Uni fernöstliche Astrologie gelehrt wird, wird auch dadurch nicht zerstreut, dass ein in der Lehrgangsbroschüre als "Astronom" bezeichneter Lehrbeauftragter in seinem anderswo zu findenden Lebenslauf zwar keine Ausbildung in Astronomie anführt, dafür aber "astrologische Studien, Vorträge und Seminare".

Laut Curriculum ist er für die Astronomie zuständig. Die Zeile darüber, in der ihm einst auch das Fach "Astrologie" zugeteilt war, ist in der aktuellen Version verschwunden.

Ob sich die 7485 Euro Lehrgangsgebühr auszahlen, müssen die Feng-Shui-Studierenden selbst entscheiden. Eines scheint aber festzustehen: Das neue Rektorat der Donau-Universität, ob in Zukunft von einem Mann oder einer Frau geleitet, wird es auch weiterhin nicht leicht haben. (DER STANDARD Printausgabe, 13. Juni 2007)

Der Autor, Mathematiker und Ökonom an der Wirtschaftsuniversität Wien, ist Mitglied der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) und beschäftigt sich u. a. mit Pseudowissenschaften in Österreich.
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Ulrich Berger 
08.08.2007 01:38
Alle weiter Reaktionen finden Sie auf meiner Homepage

http://www.wu-wien.ac.at/usr/vw5/uberger
(link folgen, dann unter Punkt (2))

Ulrich Berger

yotix
05.07.2007 16:37

Wie um alles in der Welt kann dieses merkwürdige Unternehmen, das seine Lehrenden als Keiler losschickt, um bezahlte Kurse zu verkaufen, ausgerechnet als "UNI" tituliert werden?

IMO eine Frechheit gegenüber jeder anständigen Universität.

RS69 
05.07.2007 18:42

Der Neid Jener, die sie nie von Innen sehen?

Gridomo 
06.07.2007 13:52


Jetzt übertreiben Sie aber.

Man muß wirklich nicht alles gesehen haben.

RS69 
06.07.2007 13:55

Nein. Man muss überhaupt keine Uni von Innen gesehen haben. Die Frage ist - wenn man eine (oder Mehrere) besucht - bekommt man was man erwartet, oder nicht?

pick dame
05.07.2007 11:59
mutter gottes

es gibt in wien meines wissens mehrere institute, deren lehrplan die beantwortung der frage abdeckt, ob denn nun maria jungfrau oder nicht - wobei ihnen die falsche antwort die lehrerlaubnis entziehen kann.

oder damit, wie man am bestene einen exorzismus vollzieht.
oder was die ziele und wünsche des teufels sind.
oder dass wer nicht an den teufel glaubt, schon von ihm besessen ist (original-aussage des papstes).

etc.
etc.
etc.

die rektoren DIESER unis scheinen es aber seit mehreren jahrhunderten NICHT schwer zu haben, schon gar nicht "weiterhin".

berm judas
04.07.2007 12:26
Es lebe die Pataphysik!

... die haben sich wenigstens selbst auch aufs Korn genommen und "die Wissenschaft" mit einem Lächeln abgetan...

Büro für die Untersuchung subliminaler Bilder
Komitee für Behaarung und Pogonotrophie
Abteilung für Dogma und Theorie
Abteilung für Potassons
Abteilung für Rekonstruktive Archäologie
Büro für Patenterei

für Neugierige:
http://de.wikipedia.org/wiki/%E2%... Pataphysik

korrespondent.at.tf  
17.06.2007 19:06
Hoffentlich ein Lehre

Diese Lächerlichkeiten zeigen wohin Unis führen, die ich ökonomischen Zwängen unterwerfen müsse. Hoffentlich macht das nicht Schule. Es sollte daraus gelernt werden und die Staatlichen Unis mit mehr Geld, Personal und Platz unterstützt werden um qualität für alle die sich weiterbilden wollen aufrecht zu erhalten bzw. zu steigern!

neugierig3
16.06.2007 07:21
maliziös & tendenziös

gebt mir 30 minuten und ich finde auf der wu oder jeder anderen österreichischen uni ähnliche blüten wie lo feng shui. journalistische lauterkeit zählte eigentlich zu den tugenden des standards. betrübt mich mehr, dass solche tendenziösen artikel den platz auf dem papier finden.

Emma Rrhoid
16.06.2007 15:24

Journalistische Lauterkeit zaehlt ganz sicher nicht zu den Qualitaeten des Standards. Umso bemerkenswerter ist es, wenn sich trotzdem hin und wieder ein vernuenftiger Artikel, sowie dieser, in den Universitaetsteil verirrt. Studiengaenge wie Feng Shui, Gartengestaltung, Astrologie und Quacksalberei werden sie zB auf der NaWi oder der TU sicher finden.

Walter KURTZ
06.07.2007 10:44

Viel Spaß auf tuwis.tuwien.ac.at: wenn Sie was gefunden haben, bitte melden.
Und daß "Gartengestaltung" (hier "Gartenkunst") an einer Uni, die ein Architekturstudium anbietet, nicht fehlen darf, werden Sie wohl einsehen müssen...

Gridomo 
16.06.2007 11:08

Gut, Sie hatten Ihre Chance.

Gridomo 
16.06.2007 09:59

Gut, sagen wir 60 Minuten, damit Sie sich nicht auf Ihr langsames Internet ausreden können.

Von jetzt an (09:59).


Wir warten....

the comedian 
16.06.2007 08:13
trotzdem zutreffend

die donauuni ist den dreck unterm fingernagel nicht wert. die moeglichen misstaende anderswo haben damit nichts zu tun und dadurch wird die qualitaet dieses schandflecks der oesterreichischen universitaetslandschaft nicht besser. ihre weinerlichen und wertlosen argumentationsfloskeln outen sie als eine(n) diesem bildungsmillionengrab verbundenen.
zusperren den dreck. die bodenkultur in wien sucht meines wissens eine bleibe in noe. dann waeren wenigstens die gebaeude nicht unnoetig hochgezogen worden. die daemliche fh koennens gleich mitzusperren und die gebaeude mituebernehmen.

neugierig3
19.06.2007 15:32
angesoffen oder was?

the comedian 
22.06.2007 15:35
nein, das ist todernst

auch wenn ihnen das hundertmal nicht paszt, das waer die beste loesung.

friedolin als Null
15.06.2007 19:00
Andere wichtige Frage

Mich würde ja interessieren, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um als "wissenschaftlicher" Mitarbeiter angestellt zu werden. Kann es sein, dass so mancher ehemalige Arbeitgeber froh ist, wenn jemand freiwillig den lauten Ruf aus Krems hört? Ist doch gerade in letzter Zeit passiert...

Fiedrichs  
14.06.2007 18:26
Wer Butter auf dem Kopf hat, sollte nicht in die Sonne gehen...

Nun, man mag über die Donau-Uni im wissenschaftlichen Bereich halten was man mag. Da der Autor an der Wirtschaftsuniversität tätig ist, stellt sich automatisch die Frage nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen der WU. Die letzten Jahre wurde hier nichts besonderes erforscht. TU und UNI Wien bringen mind. Nobelpreisträger hervor. Wo ist die Leistung der WU? Kritik muss immer Mehraufwand leisten, bevor sie den Status-
Quo in Frage stellt. Lieber Autor, Ihre wissenschaftliche Leistung ist vielleicht in der WU bekannt, sonst muss man danach suchen. Was meinen Sie, berechtigt Sie dazu die Forschungsleistung einer Uni in Frage zu stellen, die es nicht einmal zwei Jahrzehnte gibt?

Dante Alighieri
16.06.2007 16:51

Bitte sparen Sie sich Ihre Mutmaßungen. Schauen sie sich mal den Lebenslauf von Herrn Berger an -- da finden Sie trotz seines jungen Alters mehr gute Publikationen als bei 90% aller deutschsprachigen Ökonomen.

feinmann
14.06.2007 21:44
butter im hirn?

pseudowissenschaft darf also nur von nobelpreisträgern kritisiert werden? oder nur von profs von unis, die vor jahrzehnten einen nobelpreisträger hervorgebracht haben?

jede wette - ein DUK-absolvent. stimmt's? herzliches beileid!

neugierig3
16.06.2007 07:27
was unterscheidet eigentlich einen duk-absolventen

von einem tu- oder wu- absolventen? gibt soviele postgraduate lehrgänge in österreich von allen unis. warum sind die auf der duk bedauernswert? soweit ich mitbekommen habe, sind die meisten absolventen gefragt und zufrieden. ist es denn an der tu oder wu anders? wenn gute arbeit geleistet wird, dann entfaltet sie wirkungen. und abfall gibt es doch überall. mir kommt dies alles wie eine komödie der eitelkeiten vor.

Gridomo 
14.06.2007 18:30

Feng Shui und Forschungsleistung?

Mein guter Mann, Sie posten schlicht am falschen Dampfer.

RS69 
15.06.2007 13:50

Wenn's eine theologische Fakultät gibt, ist Eine über Feng Shui nicht so abwegig.

Bodo Steinbrech  
26.06.2007 11:06
irgendwie nicht ganz falsch, aber erst, wenn Feng Shui als Religionsgemeinschaft anerkannt ist

Aber sie haben schon recht: Religion und Uni gehören nicht zusammen.

Wissenschaft und Glaube sind nicht kompatibel.

auf
14.06.2007 12:20
Donau - Uni passt perfekt in den STAATSSUMPF!

Es sind doch die anderen staatl. Unis nicht viel besser! KREMS ist halt ein besonderer Scherz: Die Verwaltung: ein Saustall, die Lehre: eine Zumutung, und die Forschung: nicht vorhanden!
Jedoch: ES LEBE DIE POLITIK!

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