Hofnarr mit Tiefsinn

21. Juni 2007, 17:06
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Der Utrechter Chansonnier Herman van Veen gastiert mit Edith Leerkes in Wien

Nach der letzten Zugabe sprang er von der Bühne in den Zuschauerraum. Dann öffnete er die Tür zum Foyer und deutete dem begeisterten Publikum: "Geht jetzt, es reicht für heute!" Gerne hätte manch Zuschauer ein Versprechen hineininterpretiert: "Ich komme wieder." Ob und wann der 62-jährige Herman van Veen wiederkommt, weiß vermutlich nicht einmal er selbst. Der niederländische Chansonnier und Clown lebt in der Gegenwart, niemals gibt er Hoffnung auf eine glückliche Zukunft.

Seine Romantik drückt nie das Verlangen nach Unvergänglichkeit großer Gefühle aus. "Ich lieb dich." Fertig. Nicht ewig, nicht heiß. Nur: "Ich lieb dich." Nicht mehr, nicht weniger. Nicht nur Liebe, auch Angst, Glück oder Zorn sind im Repertoire inbegriffen. Erstaunlich, wie ansatzlos van Veen hier wechselt. Bemerkenswert, dass nichts von alledem aufgesetzt oder halblustig wirkt. Ein Gitarrenduett mit Edith Leerkes. Dann eine amüsante Geschichte aus seiner Kindheit. Ein Witz. Danach ein harter Wechsel: Seine Trauer über sterbende Kinder in Afrika - Herman van Veen, der glaubwürdige Moralist. Und schließlich wieder eine Parodie: Herman, der Hofnarr, der die Lachmuskeln attackiert, bis man nach Luft schnappend um Gnade bettelt. Da darf man hoffen, dass er das nicht gegebene Versprechen einlöst. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13. 6. 2007)

>> Stadttheater Walfischgasse, 1010 Wien. Bis 16. 6.
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    foto: rudi gagel
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