Sale City laufen die Mieter davon

1. Juli 2007, 17:16
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Abverkaufscenter braucht Kehrtwende

Wien – Ferdinand Stutzenstein ist empört. Der Unternehmer betreibt in der Sale City, dem neuen Abverkaufszentrum in der Wiener Shopping City Süd (SCS), ein Restaurant und eine Sporthandelfiliale. Die Sale City habe ihren Mietern jährlich 2,5 Mio. Kunden und einen Quadratmeterumsatz von 5000 Euro versprochen, sagt er. "Ich lach’ mich tot. Ich habe tatsächlich 40 Kunden täglich und mache im Monat gerade einmal 7000 Euro Umsatz." Er habe 300.000 Euro in seine Geschäfte in der Sale City investiert und 100.000 Euro in den laufenden Betrieb nachgeschossen, sagt Stutzenstein im Gespräch mit dem STANDARD. 30 Mitarbeiter musste er kündigen, sechs weitere Flächen für Markenware aufgeben.

Die SCS eröffnete das Ausverkaufscenter im September 2006. Ziel war auf 10.000 Quadratmeter Fläche rund 40 Einzelhändler für permanente Schnäppchenangebote zu gewinnen. Doch diese blieben aus, folglich auch die Kunden. Viele der verbliebenen Mieter ziehen sich jetzt zurück. Niedermeyer etwa zog aus, Gloriette sperrte erst vor wenigen Tagen zu. Wein & Co reduzierte das Warenlager. Auch Salamander sei am Absprung. Vielfach seien die Läden nur kurzfristig vermietet, auf Mieten habe die SCS über Monate verzichtet, heißt es. Stutzenstein: "Wir hatten eine Mietaussetzung bis Ende Jänner." Das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, kostendeckend zu arbeiten unmöglich.

SCS-Chef Maurizio Totta sieht die Gründe für den Fehlstart in der Wahl falscher Handelspartner: "Sie waren für die Kunden nicht interessant genug." Die SCS werde die Sale City mit einem neuen Konzept zum Erfolg führen, sagt Totta. Mit welchem, das sei noch offen. "Wir haben falls nötig einen langen Atem." Auch die Motorcity habe eine Anlaufphase gebraucht. "Jetzt sind wir in einer Nische im Luxusbereich, und sie funktioniert."

Die Sale City wird jetzt ein Fall für die Gerichte. Stutzenstein erhielt Ende Mai von der SCS für seinen Gastronomiebetrieb einen Konkursantrag. "Wir ziehen nicht gern vor Gericht", sagt Totta. "Aber Mieter sind verpflichtet, Betriebskosten zu zahlen. Das nicht zu tun und trotzdem bleiben zu wollen, das spielt es nicht."

"Wir sind nicht insolvent", sagt Stutzenstein. Er und sein Firmenpartner Oliver Jankei wollen den Antrag gerichtlich bekämpfen und von der SCS Schadenersatz fordern. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.06.2007)

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