Krankenpflegeverband: "An europäisches Niveau anschließen"

20. Juni 2007, 16:38
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Derzeit diskutierte Lösung laut ÖGKV-Präsidentin Ecker "Schritt von langem Weg" - Kritik an Finanzierungsdebatte

Wien - Die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands (ÖGKV), Christine Ecker, bezeichnete die derzeit diskutierte Lösung zur Pflegeversorgung als "Schritt von einem langen Weg". Im Vordergrund stünde derzeit allerdings vor allem die Finanzierung, kritisierte Ecker am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. "Es fragt niemand: Was braucht der Patient?"

"Das ist aus unserer Sicht abzulehnen", so die ÖGKV-Präsidentin. Die Entwicklung müsse weg vom Struktur- hin zum prozessorientierten Denken für den Patienten gehen. "Was uns jetzt am meisten schadet, sind Schnellschüsse aus der Hüfte", meinte Ecker. Diese würden zu einer Situation führen, die in zwei bis drei Jahren neue Reformen notwendig mache. "Wir brauchen jetzt einmal eine Rechtssicherheit für alle, die im Beruf stehen."

Pflegeausbildung an Universitäten und Fachhochschulen

Gegenüber einer Verlängerung der Amnestie-Regelung für illegale Pflegekräfte äußerte sich Ecker kritisch. "Ich weiß nicht, ob eine Verlängerung noch etwas bringt", sagte sie vor Journalisten. "Man kann nach der nächsten Verlängerung nicht sicher sein, dass nicht noch eine kommt." Schaffen würde diese Maßnahme allerdings zusätzliche Rechtssicherheit für Patienten, Betreuende und Pfleger.

Österreich müsse endlich an europäisches Niveau anschließen, forderte die ÖGKV-Präsidentin. Bezüglich Qualifizierung lande Österreich auf dem 27. Platz und bilde so innerhalb der EU das Schlusslicht. Notwendig sei eine Pflegeausbildung an Universitäten und Fachhochschulen. Die Politik sei in dieser Form noch nicht ganz bereit, das zu akzeptieren. "Aber wir sind auf einem guten Weg."

Neue Modelle

"Derzeit ist es so, dass man versucht, Altes zu reparieren", meinte Ecker. In die Diskussionen müssten jedoch auch neue Modelle eingebunden werden. Sinnvoll und weltweit erfolgreich sei beispielsweise das "Family Health Nurse Programm", dass eine umfassende Unterstützung auch für pflegende Angehörige vorsehe. Eine wichtige Rolle spiele auch die Abstimmung zwischen Bund und Ländern. "Warum ist der Vorarlberger mehr wert als der Wiener oder der Burgenländer?", so die ÖGKV-Präsidentin. Das mache keinen Sinn, zumal jeder die gleichen Steuern zahle. Weiters forderte der ÖGKV die Förderung und Beibehaltung der freiberuflichen Pflege als freien Beruf. (APA)

  • "Es fragt niemand: Was braucht der Patient?", kritisiert Christine Ecker, die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands
    christian fischer

    "Es fragt niemand: Was braucht der Patient?", kritisiert Christine Ecker, die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands

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