TÜV Austria wird zur Aktiengesellschaft

10. Juli 2007, 11:30
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Unternehmen strebt weitere Internationalisierung an - Mehr Jobs, mehr Wachstum

Wien - Der TÜV Austria nimmt im 135. Jahr seines Bestehens eine Neustrukturierung in Angriff. Ab dem 1. Juli (rückwirkend mit dem 1. Jänner 2007) nimmt die TÜV Holding AG als Kapitalgesellschaft ihre Tätigkeit offiziell auf, hieß es heute, Dienstag, bei einer Pressekonferenz. Dadurch soll weiteres Wachstum und die Schaffung neuer Jobs gewährleistet werden, erläuterte TÜV-Holding-Aufsichtsrat und Agrana-Chef Johann Marihart. Darüberhinaus wolle man österreichische Unternehmen bei Auslandsgeschäften begleiten und damit heimische Qualität gewährleisten sowie international mehr Sachverständigenwissen anbieten.

Unter dem Dach der TÜV Austria Holding AG - der Verein bleibt alleiniger Eigentümer - werden den Angaben zufolge vier neue Gesellschaften (TÜV Austria Services GmbH, TÜV Austria Cert GmbH, TÜV Austria Automotive GmbH und die TÜV Austria Consult GmbH) und die internationalen Töchter organisiert, die das operative Geschäft der Prüfung, Überwachung und Zertifizierung abwickeln. Dadurch erwartet man sich beim TÜV Austria, international effizienter agieren und weitere Expansionsschritte setzen zu können.

Deregulierung

Der TÜV Austria habe die Dimension eines Vereins längst gesprengt, waren sich die Verantwortlichen einig. Vor zehn Jahren seien die letzten Bereiche des Prüfwesens endgültig dereguliert worden. Dadurch habe sich der TÜV Österreich am freien Markt durchsetzen müssen, so Marihart. Man habe "investiert, diversifiziert, akquiriert und kooperiert".

"Und das mit Erfolg, denn in den vergangenen Jahren konnte eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung gewährleistet werden", erklärte Horst Eberhardt, Direktor von TÜV Austria und Vorstandschef der Holding AG. 2006 lag der Umsatz laut dem für Finanzen zuständigen Vorstand Christoph Wenninger bei etwa 60 Mio. Euro. "Seit 2000 betrug das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum rund 8,6 Prozent, das Ergebnis der Gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT 2006: 3,31 Mio. Euro) sogar 40 Prozent", so Wenninger, wobei es zwischendurch auch "durchwachsene" Jahre gegeben habe. "Wir weisen mit 15,1 Prozent - bei einer Rentabilität von 53,5 Prozent - zudem einen gesunden Eigenkapitalanteil auf."

Als wirtschaftliches Ziel geht man im TÜV-Holding-Vorstand von einem Umsatz von 100 Mio. Euro mit einer Rendite von fünf bis sechs Prozent und mit etwa 850 (derzeit rund 600) Mitarbeitern im Jahr 2010 aus. Das Wachstum soll laut Angaben aus Zukäufen und Kooperationen im Inland erzielt werden. Potenzial gebe es auch im internationalen Geschäft - 13 Prozent des Geschäfts werden bereits im Ausland gemacht, etwa in den südlichen und östlichen Anrainerstaaten. So wolle man in der Türkei einsteigen, so Eberhardt. Als interessanter Markt wird auch China betrachtet. Ein Wachstumsfeld soll zum Beispiel die Ausstellung des Energieausweises sein, der ab 2008 für den gesamten Neubaubereich verpflichtend sein wird. Mittelfristig (Neubau und Bestand) kann man sich beim TÜV einen Marktanteil von bis zu 15 Prozent vorstellen.

Durch die neue Gesellschaftsform sei es einfacher, Kunden bei deren internationalen Engagements zu begleiten. "Wir wollen ihnen auch im Ausland unsere Dienstleitungen bieten und österreichisches Sicherheitsniveau gewährleisten", erläuterte Eberhardt. So sei der TÜV der OMV bei ihrem Schritt nach Rumänien gefolgt. Eberhardt kann sich weitere derartige Modelle vorstellen. (APA)

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