"Wir sind ja eine Bank!"

18. Juni 2007, 18:03
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Immo-Bank-Vorstand Peter Klingenbrunner im STANDARD-Gespräch über den Nachfrage-Boom bei Immobilienanleihen

Noch nie gab es so viel Wind um Immobilienwertpapiere wie jetzt. Die Anbieter überbieten sich. Doch warum ist die deutlich geringer verzinste Immobilienanleihe so stark nachgefragt? Mit Immo-Bank-Vorstand Peter Klingenbrunner sprach Gerhard Rodler.

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STANDARD: Die Angebote für Wohnbauanleihen boomen wie nie zuvor. Wer soll das alles kaufen? Oder ist alles nur Fassade?

Peter Klingenbrunner: Nein - die am Markt befindlichen Wohnbauanleihen werden von den Anlegern sehr stark angenommen. Wir haben beispielsweise unser Emissionsvolumen im zurückliegenden Jahr um zwölf Prozent gesteigert. Das Geld kommt von den österreichischen Sparern, die es früher etwa in Lebensversicherungen, Kassenobligationen oder konservative Fonds gesteckt haben. Und heute eben in Anleihen oder Immobilienaktien.

STANDARD: Sind Wohnbauanleihen wirklich so attraktiv?

Klingenbrunner: Sie sind jedenfalls deutlich attraktiver als früher. Nur um ein Beispiel zu nennen: Die Wohnbauanleihe "Liquid Bond" haben wir etwa mit einer Verzinsung von rund 3,75 Prozent gebunden an den Euribor ausgestattet. Das kommt bei den Interessenten gut an.

STANDARD: Wo ist der Haken?

Klingenbrunner: Es gibt keinen Haken. Die Anleihezeichner haben die Möglichkeit, den Floater zu den Kuponterminen zum Nominale zu verkaufen. Und die Verzinsung ist bis zu vier Prozent Kest-frei.

STANDARD: Im Vergleich zu Renditen, wie sie etwa die Meinl European Land anbietet, sind die 3,75 Prozent aber mickrig. Warum sollte man da in Wohnbauanleihen investieren?

Klingenbrunner: Der klare Unterschied ist: Bei Wohnbauanleihen investiert man in eine sichere, klassische Geldanlage. Bei der von Ihnen angesprochenen Meinl European Land investiert man in die Ostfantasie. Und wir alle wissen, wie diese Fantasie eines Tages ausgehen könnte.

STANDARD: Sie könnte platzen.

Klingenbrunner: Konkret will und kann ich dazu nichts sagen. Tatsache ist, dass man Wohnbauanleihen jedenfalls als besser verzinste Alternative zum Sparbuch betrachten kann. Wir sind ja eine Bank.

STANDARD: Auch bei Wohnbauanleihen ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko vorhanden - immerhin verleihen Wohnbaubanken ihre Gelder ja an Bauträger. Wie das ausgehen kann, hat die SEG-Pleite gezeigt.

Klingenbrunner: Wir sind die einzige lebende Wohnbaubank, die ihre Gelder direkt verleiht - und nicht durch ihre Muttergesellschaften.

STANDARD: Genau darin besteht doch das Risiko!

Klingenbrunner: Das direkte Verleihen verschafft uns nicht nur einen Konditionsvorteil, weil die Vertriebskosten entfallen. Es sichert uns auch entsprechendes Know-how bei der Risikobewertung der an uns herangetragenen Projekte. Mit unserer Tochtergesellschaft Immo-Contract haben wir eine eigene Maklergesellschaft sowie eine eigenständige Immobilienbewertungstruppe. Beides verhilft uns zu zusätzlichen, ständig wachsenden Erkenntnissen über den Markt und über unsere Kreditkunden. Ich sage aber auch ganz offen: Niemand ist hundertprozentig vor Fehleinschätzungen gefeit. Auch die Wohnbaubanken nicht.

STANDARD: Ich habe aber nicht den Eindruck, dass die Banken bei der Kreditvergabe generell zimperlich werden.

Klingenbrunner: Mit jeder Pleite lernen die Banken dazu - auch wenn es andere Banken betrifft. Das Sicherheitsnetz wird daher immer besser. Und der Konkurrenzkampf wird immer schärfer.

STANDARD: Das heißt?

Klingenbrunner: Bei den Konditionen haben sich die Banken in jüngster Zeit de facto angeglichen. Ihr Spielraum ist jetzt völlig ausgereizt. Dadurch verlagert sich der Wettbewerb mittlerweile zunehmend auf die Sicherheiten. Hypotheken werden beispielsweise nicht mehr ins Grundbuch eingetragen, und die Besicherung passiert de facto auf Vertrauensbasis. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.6.2007)

  • Peter Klingenbrunner: "Anleihen sind eine sichere Geldanlage. Aber vor Fehleinschätzungen ist niemand hundertprozentig gefeit. Auch die Wohnbaubanken nicht."
    foto: immo bank

    Peter Klingenbrunner: "Anleihen sind eine sichere Geldanlage. Aber vor Fehleinschätzungen ist niemand hundertprozentig gefeit. Auch die Wohnbaubanken nicht."

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