Münze Österreich mit starken Einbußen

5. Juli 2007, 14:22
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Der hohe Goldpreis drückte 2006 das Ergebnis, für das heurige Jahr ist Dietmar Spranz, Chef der Nationalbank-Tochter, optimistisch

Wien - Die Münze Österreich hat nach dem positiven Effekt der Zwei-Euro-Gedenkausgabe "50 Jahre Staatsvertrag" im Jahr 2005 im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006 zum Teil deutliche Einbußen beim Ergebnis hinnehmen müssen. Dennoch sei es gelungen, die Umsatz- und Ertragserwartungen "nicht unerheblich zu überschreiten", zeigte sich der Vorstandsdirektor der Münze Österreich, Dietmar Spranz, am Dienstag bei einer Pressekonferenz zufrieden mit der Bilanz 2006.

Heuer erwartet die Nationalbank-Tochter deutlich positive Bilanzeffekte der Ausgabe von neun Millionen Stück Zwei-Euro-Gedenkprägungen "Der Vertrag von Rom" und aus dem Geschäft mit ausländischen Notenbanken und Münzstätten mit Halb- und Fertigfabrikaten. Ziel sei es, 2007 das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) auf 45 Mio. Euro zu verdreifachen.

Der 2006 von der Münze Österreich erwirtschaftete Umsatz lag mit 182,5 Mio. Euro über jenem des Jahres 2005 mit 176,0 Mio. Euro. Das Finanzergebnis lag vor allem als Folge der Entwicklungen auf den internationalen Rentenmärkten mit acht Mio. Euro wesentlich unter dem Wert des Vorjahres (18,1 Mio. Euro), erläuterte Spranz. Das EGT belief sich 2006 auf 15,5 Mio. Euro, nach 28,1 Mio. Euro 2005. Die Prognosen lagen bei einem Ergebnis von 10 Mio. Euro.

Auflösung von Gewinn-Rücklagen

Nach einem a.o. Aufwand von 19,25 Mio. Euro, der als Vorsorge für die Rückführung von noch nicht eingelösten Schilling-Münzen gebildet werden musste und bisher im Eigenkapital rückgestellt wurde, ergab sich ein Jahresfehlbetrag von 3,9 Mio. Euro. Nach der Auflösung von Gewinnrücklagen in gleicher Höhe schlug sich diese "Umbuchung" nicht in der Bilanz nieder, betonte Spranz.

Bei einem Bilanzgewinn von 31,2 (33,9) Mio. Euro schüttet die Münze Österreich an ihre Muttergesellschaft, die Oesterreichische Nationalbank (OeNB), für 2006 wie zuletzt eine Dividende von 18 Mio. Euro aus. 13,2 Mio. Euro - 2005 waren es 15,9 Mio. Euro - werden auf neue Rechnung vorgetragen.

Unter Einbeziehung der Tochtergesellschaften Hans W. Hercher GmbH, Schoeller Münzhandel GmbH und der Münze Österreich Shop GmbH ist der Umsatz auf 276,2 Mio. Euro im Jahr 2006 nach 227,4 Mio. Euro gestiegen.

"Wermutstropfen"

Zu den wichtigsten Produkten zählten auch 2006 die Umlaufmünzen, Sammlermünzen und Goldanlageprodukte sowie Halbfabrikate für andere Prägestätten. Während es bei den Münzen im Jahresvergleich nur zu leichten Rückgängen kam, seien Goldanlageprodukte auf Grund des hohen Goldpreises nach wie vor ein "Wermutstropfen", so Spranz.

Viel besser als angenommen habe sich das Business-to-Business-Geschäft entwickelt. Bei diesem Geschäft mit ausländischen Notenbanken und Münzstätten liefere die Münze Österreich in weltweit 26 Länder prägefertige Edelmetallscheiben (Ronden). 2006 ist der Umsatz in diesem "wichtigen Kernbereich" - nicht zuletzt auf Grund neuer Kunden in der GUS und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) - um 20 Prozent auf 16,5 Mio. Euro gestiegen, räumte Vorstand Kurt Meyer ein.

Auch für 2007 sei der Auftragsstand im B2B-Bereich "vielversprechend", sagte Meyer. So habe man vergangene Woche etwa einen Großauftrag aus Malaysia für 260 Millionen Stück Umlaufmünzen bekommen.

Drei Milliarden Schilling-Münzen im Umlauf

Der Exportanteil ist bei der Münze Österreich durch die Entwicklung auf dem japanischen und amerikanischen Markt für Wiener Philharmoniker-Münzen von 40 auf 29 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006 gesunken. Durch die bessere Konjunkturlage in Japan sei das Vertrauen in Aktien wieder gestiegen und Gold habe als Anlageform das Nachsehen, sagte Münze Österreich-Vorstand Dietmar Spranz am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz.

Diese "Substitutionskonkurrenz" halte auch heuer an, wenngleich die Münze Österreich in Japan einen Marktanteil bei Goldmünzen von 93 Prozent habe - "aber leider auf sehr niedrigem Niveau", so Spranz. In den USA spüre man, dass viele Anleger auf Grund des hohen Goldpreises Gewinne realisierten.

Von den sechs Milliarden Stück ausgegebenen Schilling-Münzen befinden sich derzeit noch etwas weniger als die Hälfte im Umlauf. Spranz geht davon aus, dass der Löwenanteil bereits zurückgeflossen sei und jetzt nur noch kleine Nennwerte umgetauscht werden. Viele dieser Münzen seien aber gar nicht mehr auffindbar, ein Teil davon auch durch den Tourismus verloren gegangen, räumte der Münze-Vorstand ein. (APA)

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    Vorstandsdirektor Dietmar Spranz: "Während es bei den Münzen im Jahresvergleich nur zu leichten Rückgängen kam, sind Goldanlageprodukte auf Grund des hohen Goldpreises nach wie vor ein "Wermutstropfen."

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