"Zu wenig Platz zum ungestörten Spielen"

30. Juli 2007, 19:28
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Wiener Kinderanwalt sieht "Teufelsspirale" - Lösung: Miteinander reden

Die Situation von Kindern und Jugendlichen habe sich langsam und schleichend verschlimmert - Ruhe und Disziplin würden eingefordert, obwohl man wisse, dass Spielen wichtig ist. Einer der Hauptgründe dafür sei, dass es zu wenig Raum zum ungestörten Spielen und Lärmen gebe. Das sagte der Wiener Kinderanwalt Anton Schmid, nachdem ein Achtjähriger am Montagabend in einer Wohnhausanlage in Favoriten angeschossen worden war. Mutmaßliches Motiv für die Tat: Der Bub und seine Freunde waren laut.

"Da kommt eine Teufelsspirale in Gang. Die Erwachsenen schimpfen, die Kinder lassen sich das ab einem gewissen Punkt nicht mehr gefallen und werden frech und aggressiv", sagte Schmid am Dienstag der APA. In einer Aussendung hatte er darauf hingewiesen, dass Kinder in Wohnhausanlagen wegen ihrer Spiele oder Betretens des Rasens tagtäglich beschimpft oder bedroht würden. "Wen wundert es, dass daher die jungen Menschen mit Flucht aus der Realität durch Alkohol, Drogen und Gewalt reagieren." Die Situation sei zwar noch lange nicht so schlimm wie in Paris, wo es zu Jugendkrawallen gekommen ist, "aber wir müssen aufpassen", meinte der Kinder- und Jugendanwalt.

Die Wohnhausanlagen in Wien seien grundsätzlich schon zum Spielen geeignet, sagte Schmid, Hindernisse seien jedoch Regeln und Hinweistafeln mit Verboten. "Die Betroffenen müssten miteinander reden, ehe die Situation eskaliert - Eltern, Jugendliche und Erwachsene, die sich gestört fühlen. Man muss gemeinsam Regelungen finden, wann Spielen und Lärmen erlaubt sind." (APA)

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