Zweite Hälfte des Bombenhirns

Redaktion
20. Juni 2007, 16:30
  • Ein von Franz Fuchs entworfener Originalbauplan einer Bombe. Vom selbstfabrizierten Sprengstoff fand die Polizei hingegen keine Spur. Wurde das hochbrisante Material von einem Komplizen geliefert?
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    Ein von Franz Fuchs entworfener Originalbauplan einer Bombe. Vom selbstfabrizierten Sprengstoff fand die Polizei hingegen keine Spur. Wurde das hochbrisante Material von einem Komplizen geliefert?

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Hatte Franz Fuchs Komplizen? Zehn Jahre nach dem Bombenterror gibt es Zweifel an der Einzeltätertheorie

Wien/Graz - Hatte der Bombenattentäter Franz Fuchs doch Komplizen? Zehn Jahre nach dem Ende des ausländerfeindlichen Terrors des südsteirischen Vermessungstechnikers, bei dem zwischen 1993 und 1997 vier Menschen getötet und 15 zum Teil schwer verletzt worden waren, tauchen erneut massive Zweifel an der "Einzeltätertheorie" auf. Verantwortlich dafür ist eines der allerersten Opfer: Helmut Zilk (80), dem eine Briefbombe die linke Hand zerfetzt hatte.

In einem Interview mit der Wiener Stadtzeitung Falter sagte der Wiener Altbürgermeister, dass er ein Papier eines Beamten besitze, der damals mit den Ermittlungen betraut gewesen sei, und der heute behaupte, dass es auch andere Täter gegeben habe. "Der Beamte führt eine Menge von Beweisen an. Er wurde damals von den Ermittlungen abgezogen", wird Zilk zitiert.

"Reich der Fantasie"

Michael Sika, der zur Zeit der Terroranschläge das Amt des Generaldirektors für die öffentliche Sicherheit innehatte, verweist die Mehrtätertheorie ins "Reich der Fantasie". Sika zum Standard: "Noch monatelang nach der Verhaftung von Franz Fuchs haben wir akribisch nach etwaigen Komplizen gesucht. Ergebnislos. Der Mann hat alles allein geplant, gebaut und durchgezogen." Auch Kriminaltechniker und Psychologen seien zu diesem Schluss gekommen.

"Ich will aber nicht verhehlen, dass es bis heute auch Polizisten gibt, die glauben, dass Fuchs Teil eines Netzwerkes war", so der Sicherheitsgeneral in Ruhe. Fuchs selbst hatte sich nach seiner Verhaftung als "Rädchen" einer Organisation, die er "Salzburger Eidgenossenschaft Bajuwarische Befreiungsarmee" nannte, bezeichnet. Zu näheren Erklärungen kam es nicht, weil Fuchs 1999 durch lautes Schreien seinen Prozess boykottierte und sich ein Jahr später im Gefängnis erhängte. Schon bei seiner Verhaftung 1997 in seiner Heimatgemeinde Gralla hatte er sich mit einer selbstgebauten Bombe in die Luft sprengen wollen. Der Suizid misslang, aber die Wucht der Detonation riss ihm beide Unterarme weg.

Als möglichen Grund dafür, dass auch manche Polizisten immer noch die Mehrtäter-Theroie propagieren, nennt Sika "gekränkte Eitelkeit". Hintergrund: Die ermittelnde Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus (EBT) wurde 1995 wegen Erfolglosigkeit von dem Fall abgezogen und die "Soko Briefbomben" gegründet.

Chemiker gesucht

Der Grazer Rechtsanwalt Gerald Ruhri, der Fuchs im Prozess verteidigt hatte, ist hingegen nach wie vor davon überzeugt, dass es zumindest zwei Täter gegeben haben muss. "Fuchs war für die Elektronik zuständig, das belegen zahlreiche bei ihm gefundene Skizzen und Bauteile", erinnert sich Ruhri im Standard-Gespräch. Doch was die komplizierte und hochbrisante Chemie der Bomben (Silberfulminat, Nitroglycerin) betreffe, sei außer belanglosen Notizen nie etwas sichergestellt worden. Ruhri: "Es gab keine einzige chemische Spur." Aber für Polizei und Staatsanwaltschaft habe die Einzeltätertheorie den Vorteil gehabt, den (auch politisch) brisanten Akt endlich schließen zu können. Ruhris Schlussfolgerung: Die zweite, für Chemie zuständige Hälfte des Bombenhirns sei nach wie vor auf freiem Fuß. Sikas Gegenargument: "Und warum gab es dann bis heute keine Anschläge mehr?"

Im Innenministerium hieß es am Montag offiziell, es gebe derzeit keinen Anlass, den von Polizei und Justiz geschlossenen Akt wieder zu öffnen. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 12.6.2007)

Buch zum Thema
Katzenstreu
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Das waren diese Expertise, die Franz Fuchs genüsslich zerpflückt hat ...

ich würde bei den ehemaligen südtirol aktivisten mal nachschauen.

zwei

es waren zwei mindestens sonst hätten sie einen nie erwischt ---- bitte a bisserl nochdenken gell

Ach, isses wahr..?

Dass Fuchs nicht alleine gehandelt haben soll (v.d. Tatsache abgesehen, dass es mir immer noch schleierhaft ist, wie sich der Mann mit seinen Händen selbst erhängt haben soll) war doch von Anbeginn an nur was für die "Verschwörungstheoretiker" - oder hab ich da was missverstanden..?

Unsinn-

Fuchs war ein genialer Verrueckter und eindeutig ein Einzelgaenger. Ein solcher sozialer Psychopath ist gar nicht in der Lage sich mit weiteren Verbrechern zusammenzutun!

Das ist genau mein Argument: So ein Verrückter kann nicht andere instruieren und so einer ordnet sich auch niemandem unter. Übrigens: In dem höchst empfehlenswerten Buch "Die Seele des Verbrechers" von Reinhard Haller finden sich sehr interessante biografische Angaben zu Franz Fuchs.

hitler hat millionen anderer instruiert, und er war verrückt.

also.

Einzeltäter aus Staatsraison

Natürlich war Franz Fuchs kein Einzeltäter, sondern bloß Werkzeug einer Gruppe Rechtsgesinnter, die diesem von allen verhöhnten Außenseiter nur ein wenig Honig ums Maul schmieren mussten - und schon tat er alles für sie. Übte dann in der Zelle ein paar markige Sprüche aus den Bekennerbriefen, um nur ja nicht vor Gericht aussagen zu müssen und so vielleicht seine Hintermänner zu verraten. Aus Gründen der Staatsraison war dies auch durchaus erwünscht, um die Briefbomben als Werk eines irren, genialen Einzeltäters verkaufen zu können. Wobei ich es für durchaus möglich halte, dass dem Innenministerium die - durchaus prominenten - Drahtzieher sehr wohl bekannt sind. Das Gentleman`s Agreement lautete: Ihr gebt fortan Ruhe - und Schwamm drüber!

.. na sie kennen sich ja aus in den rechtsgesinnten Kreisen

da bin ich aber baff...

sind sie ein echter V-Mann oder verkehren sie nur auf den einschlaegigen Konzerten und Parties?

Ich fürchte ...

... dazu muss man nur ein wenig aufmerksam die Medien durchsieben.

eine frage!

kann mir jemand erklären wie man sich in einer zelle aufhängt, obwohl man keine arme mehr hat?

laut wikipedia und meiner erinnerung...

"Am 26. Februar 2000 beging Fuchs in seiner Zelle Selbstmord, indem er sich mit dem Kabel seines Rasierapparates erhängte."

da bekommt er extra keine Nassrasierer wegen der scharfen Klingen und bringt sich dann mit dem Trockenrasierer um ...

ah so ein RASIERAAPARAT wars

das ist ja dann ja was ganz anderes - ich dachte imer es war ein strick - aber wenns das kabel eines rasierapparates war seh ich da kein problem das mit ohne hände zu machen -

...das mit ohne hände zu machen -

*rotfl*

Wenn man will geht alles.

Fragen S' mal die Lugners!

Da geht nicht alles, auch wenn der Wille noch so groß ist. Nicht einmal die "schöne, blaue Viagra" kann mehr helfen.

Anderrersteis geht auch vieles nicht, wenn man nicht will. Denken Sie mal drüber nach!

</ironie>..?

hä..?

"und sich ein Jahr später im Gefängnis erhängte. Schon bei seiner Verhaftung 1997 in seiner Heimatgemeinde Gralla hatte er sich mit einer selbstgebauten Bombe in die Luft sprengen wollen. Der Suizid misslang, aber die Wucht der Detonation riss ihm beide Unterarme weg."

eben, und wie erhängt man sich ohne hände?! schwer.

rote stricherl

irgendwem muss sooo fad sein, dass er oder sie den ganzen tag rote stricherl verteilt.

weil: wie erhängen ohne finger?
schlinge um hals geht nur, wenn einem wer die schlinge herrichtet, aufhängt, und ich nur mehr "einsteigen" muss.

so, und wer was das?!

Sikas Gegenargument: "Und warum gab es dann bis heute keine Anschläge mehr?"

das soll ein gegenargument sein? also wenn ich sage es waren genau 2 täter, einer der für die elektronik zuständig war und einer der den sprengstoff produzierte, und einer der beiden wird festgenommen, dann ist doch klar das keine anschläge mehr passieren. erstens kann der eine ohne den anderen nicht und zweitens wird der komplize nach der verhaftung des anderen sowieso vorsichtig sein und unauffällig verschwinden, denn es könnte ihn ja der erste verpfeifen. also für mich zumindest ist sikas argument nicht wirklich eines.

Bitte nicht vergessen, dass links-politischerseits damals eine rechtsradikale Verschwörung als Täter gefunden werden musste.

Jörg Haider und die Wähler der FPÖ waren Schuld.

nix verdrehen

Ich kann mich erinnern das z.B. von Kronen Zeitung und Jörg die Täter im linken Spektrum vermutet wurden und zeitweise auch in diese Richtung ermittelt wurde.

ja. und übrigens: wo ist zilk´s zweite hirnhälfte?

Noch hat er sie selber.

Also müssen Sie noch eine Weile ohne leben.

...

So wenig ich von Zilk halte: über die Intelligenz eines anderen herzuziehen und dabei den Deppenapostroph zu verwenden ist ein Meisterstück!

Die ist

in Alkohol eingelegt, zwecks Konservierung.

er und dagi teilen sich eines

(ein kleines).

Oft weiß man gar nicht, wer an dem Tag grad dran ist.

Dilettantisch

Vielleicht gab´s ja wirklich nur den Fuchs.
Allerdings lässt sich aus der Tatsache, dass es keine weiteren derartigen Anschläge gab, ganz sicher nicht ableiten, dass es damals keine weiteren (Mit-)Täter gab. Dieser Schluss des Herrn Sika ist einfach dilettantisch. Es gäbe für mögliche Mittäter und Hintermänner tausend Gründe, nach der Festlegung Fuchs als Einzeltäter mit den Anschlägen aufzuhören.

Wenn der einst höchste Polizist des Landes solch haarsträubenden Quatsch von sich gibt, sind mir manche Vorgänge in Österreich im Nachhinein leichter erklärbar.

"Noch monatelang nach der Verhaftung von Franz Fuchs haben wir akribisch nach etwaigen Komplizen gesucht. Ergebnislos."

... sie sollten alle Saetze lesen und nicht nur die haelfte.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Franz Fuchs und das was er angerichtet hat, ist leider keine Sommerlochfüllung. Nessie hat nie jemand wirklich gesehen, Fuchs hat Menschen getötet. Es gab von Anfang an berechtigte Zweifel an der Einzeltätertheorie, die weit über "beleidigte" Beamten hinausgingen. Nur waren diese jahrelang nicht erwünscht. Ein genialer, intelligenter und hochpsychotischer Mann, gewiß. Aber ein Alleskönner? Es gibt Mosaiksteine, die fehlen und auch nie gefunden wurden. Psychotiker lassen sich mit geeigneten Kenntnissen eine Zeit lang leiten. Natürlich hat er (fast) alles gemacht, aber es gab noch jemanden, der sich nicht die Finger schmutzig gemacht hat. Und der schweigt. Was sollte er auch sonst tun? Aber Rechtsextremisten sind ja immer Einzeltäter, oder?

Na dann...

Gibt´s ja vielleich noch eine Chance auf einen großen Fahndungserfolg: Vielleicht wird er ja auch 1x zufällig irgendwo v.d. Polizei aufgehalten und sprengt, tschuldigung ätzt sich verdächtigerweise irgendwelche Körperteile weg.
Oder es liegen noch irgendwo Bomben von damals herum, u. 1er davon gelingt die Flucht, oder.....

offizieller Beginn der Sauren Gurken Zeit 2007: 11. Juni

hättest ein bisserl ahnung vom gschäft..

.... wüsstest, dass es sowas nicht (mehr) gibt.

aber du wolltest wahrscheinlich eh nur lustig sein - haha, wie komisch.

na geh

das wollt ich schreiben ;-)

absolut richtig erkannt.
ein weiteres indiz des sommerloch's in der berichterstattung ist original paris hilton wie auch die österreichische variante der paris hilton, nämlich khg (siehe http://tinyurl.com/22p83a)!

hui.

gut, dass es das sommerloch gibt!

kein anderes thema lockte derart viele leserInnen und posterInnen wie paris. da können die g8-berichte und politischen themen einpacken.

Mich fragte eine Frage lange:

Wie hängt sich einer ohne Hände auf?

Der Fall (keiner diese Fälle) hat mich nicht wirklich interessiert, aber die handwerklchen Fähigkeiten ohne Finger sind ziemlich eingeschränkt!

Diese Frage hat mich auch immer beschäftigt

Merkwürdig, dass sich niemand näher mit dieser Frage beschäftigt hat. Der Tod von Fuchs erscheint im Nachhinein als bequeme Ausflucht für alle Beteiligten. Auch wenn er allein gehandelt hat und die Mehrtätertheorie keinen Beweis hat, wie und unter welchen Umständen sich ein schwer gehandicappter mann in einer Hochsicherheitszelle umbringen kann, das sollte man untersuchen.

er bekam prothesen

erst dann konnte er den knoten machen ...

war nicht einfach, nehme ich an, aber sein leben war als gesamtes nicht einfach

Sorry, aba soooo leid tut er mir auch wieder nicht.

Ich denk nicht dass Handprothesen, noch dazu auf beiden Armen, die man nu ned so lang ghabt hat, sooo leicht zu handhaben warn, dass man sich damit a Seil machen, aufhaengen, Knoten etc. .... I weiss ned, des is do nur MEHR als angenehm gwesn - fuer wen auch immer - dass der auf ein mal weg vom Fenster war!!!

Er hat die ihm zur

Verfügung gestellten Prothesen nicht angenommen!

Tja, wenn man 16 Stunden am Tag Zeit hat zum Knoten üben dann schafft man das auch irgendwann.

Jo eh ...

... er ist ja auch 16 Stunden allein im Hochsicherheitstrakt. Keine Wärter, keine Überwachung. Nur Ruhe und stilles Ungestörtsein.

Ein bissi wie der Selbstmord eines der serbischen Angeklagten in Den Haag, der sich am Scharnier der Gefängnistür einer permanent überwachten Hochsicherheitszelle erhängte. Einer Tür, die innen gar keine Scharniere hatte.

Sicher sehr interresant, wenns mir nicht so egal wäre.

hahahahaha

Fertig

hatte einmal das Vergnügen mit einem "Experten" aus Stein zu reden. Der meinte: Die Schlingen werden den besonders unsymphatischen Häftlingen, insbesonders Massenmördern, Kinderschändern usw. durch die Zellentür fertig geknüpft mit entsprechendem Kommentar zugeworfen. Man braucht das Angebot dann nur annehmen oder ablehnen. So einfach ist das. Läuft scheinbar unter Sterbehilfe.

ist doch

eine lobenswerte Einrichtung!

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