"Jetzt höre ich den Knall regelmäßig"

13. Juni 2007, 08:54
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Zwölf Jahre nach dem Oberwarter Attentat, bei dem unter anderen sein Sohn ermordet wurde, hat Stefan Horvath ein Buch geschrieben

Wien/Oberwart - Den Knall der Explosion nahe der Roma-Siedlung von Oberwart, bei der am 5. Februar 1995 sein Sohn und weitere drei Menschen ermordet wurden, hatte Stefan Horvath (57) nicht gehört. "Aber jetzt höre ich den Knall regelmäßig. Vor allem, wenn ich tief schlafe. Dann habe ich das Gefühl, dass mir der Knall den Kopf zerreißt."

Zwölf Jahre nach dem Bombenattentat von Franz Fuchs versucht Stefan Horvath das Trauma von damals in einem Buch aufzuarbeiten. Die Erzählung heißt "Katzenstreu", der Titel spielt auf die Oberwarter Rohrbombe an, deren Sockel aus einem Katzenklo gefertigt war. Die Überreste der perfiden Sprengfalle, darunter auch die Tafel mit der Aufschrift "Roma zurück nach Indien", werden heute beim Entschärfungsdienst in der Wiener Rossauer-Kaserne aufbewahrt.

Sohn von KZ-Überlebenden

Stefan Horvath ist der Sohn von Überlebenden der NS-Konzentrationslager. Er absolvierte in Oberwart die Hauptschule - was damals noch für ein Kind aus der Volksgruppe der Roma eine Ausnahme war. Seit 1995 arbeitet der gelernte Baupolier im Krankenhaus von Oberwart. Bereits vor zwei Jahren hat er eine Sammlung von Texten unter dem Titel "Ich war nicht in Auschwitz" herausgegeben.

Der Autor hat Franz Fuchs vor dessen Suizid einmal im Gefängnis besucht. Seither glaubt Horvath nicht mehr, dass der Mörder seines Sohnes Komplizen hatte. (simo, DER STANDARD Printausgabe, 12.6.2007)

"Katzenstreu - Erzählung"
von Stefan Horvath. 2007, edition lex liszt 12, Preis: € 15 (ISBN: 978-3-901757-51-8)
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