Schau der Flatterhaftigkeit

14. Juni 2007, 19:36
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Die Sommerausstellung im Innsbrucker Ferdinandeum erklärt, warum manche Schmetterlinge nur von Luft und Liebe leben

Innsbruck - Was machen ein Braunbär, ein Fuchs und ein Totenkopf in einer Schmetterlingsausstellung? Im ersten Fall erinnern die kuscheligen, braunen Haare der Raupe an die Vorfahren von JJ1, alias "Bruno", weshalb die Art Brauner Bär genannt wurde. Beim Kleinen und Großen Fuchs dürfte der dominante Farbton des Falters an Reineke erinnert haben und der Totenkopfschwärmer trägt am Rücken eine unter der Lupe deutlich erkennbare und unverwechselbare Zeichnung.

"Schmetterlinge - ganz schön flatterhaft" ist der Titel der heurigen Sommerausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, die damit seit Langem wieder einem biologischen Thema gewidmet ist. Die Ausstellung ist so leicht und spielerisch gestaltet, wie es den vielfältigen und bunten Tieren entspricht. Zugleich ist die Schau wissenschaftlich genug, um dem Ruf der Naturwissenschaftlichen Sammlung des Ferinandeums mit seiner weltweit größten Sammlung an Alpenschmetterlingen zu entsprechen.

Landwirtschaft schadet

Ausstellungskurator Peter Huemer ist einer der wichtigsten heimischen Schmetterlingsforscher. An die 2700 Arten gibt es in Tirol, weltweit sogar 180.000. Tendenz in beiden Fällen stark fallend. Im Inntal macht Huemer die intensive Landwirtschaft dafür hauptverantwortlich.

In der Ausstellung kann man sich stundenlang mit diesem Thema beschäftigen. Etwa anhand dreier Dioramen mit Blumenwiesen in einer Vielfalt und Pracht, wie sie kaum noch in der Natur vorkommen. In Schaukästen neben den Dioramen sind gut zwei Dutzend Schmetterlinge zu sehen, die gut versteckt auch die künstlichen Blumenwiesen bevölkern und entdeckt werden sollen.

Im tropischen Teil der Schau sind lebende Falter zu bestaunen. Etwa der in den südostasiatischen Tropenwäldern beheimatete Atlasspinner mit einer Flügelspannweite von bis zu 30 Zentimetern. In geschlüpftem Zustand werden sie nur wenige Tage alt, erzählt Huemer. Sie leben im wahrsten Sinn des Wortes von Luft und Liebe, nehmen keine Nahrung auf und ihr einziger Lebensinhalt besteht darin, sich zu paaren. Damit dabei nichts schief geht, sondern die Weibchen einen Duftstoff ab, den die Männchen auf bis zu zehn Kilometer Entfernung riechen. Einige tropische Arten werden mitten in der Ausstellung gezüchtet und wer Glück hat, kann die Tiere beim Schlüpfen beobachten.

Falter-Wanderung

Für Aufsehen haben die Innsbrucker Schmetterlingsforscher heuer bereits mit einem Beleg zum Klimawandel gesorgt. So wurde der eigentlich in Süditalien überwinternde Admiral im Jänner mehrfach in der Umgebung von Innsbruck gesehen, Ähnliches gilt für den Postillion, einem dem Zitronenfalter ähnlichen Wanderschmetterling. Ein weiterer Beleg des Temperaturanstiegs ist für Huemer, dass der aus Afrika stammende Graseulenfalter im vergangenen Herbst erstmals nördlich des Alpenhauptkamms gesichtet wurde.

Die Ausstellung widmet sich auch der wundersamen Metamorphose vom Ei über Raupe und Puppe zum Schmetterling, zeigt eine Geschichte der Schmetterlingsforschung und widmet sich in einem kulturhistorischen Teil einem Bogen der von der Malerei bis zur Seidenproduktion reicht. Die Ausstellung ist noch bis 9. September im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, Museumstraße 15, zu sehen. (Hannes Schlosser, DER STANDARD Printausgabe, 12.6.2007)

  • Im Ferdinandeum in Innsbruck stehen derzeit die zartbeflügelten Tiere im Zentrum einer Ausstellung
    foto: hannes schlosser

    Im Ferdinandeum in Innsbruck stehen derzeit die zartbeflügelten Tiere im Zentrum einer Ausstellung

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