Ein Monat lang "Abendspitze"

7. April 2008, 14:20
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Die Stadt Wien präsentierte ihr Verkehrskonzept: Autos werden mit Farben geleitet, die Diskussion um die Fanmeile hält an

Wien – Auch ein Großereignis wie die Fußball-Europameisterschaft ist nicht dazu angetan, das Raum-Zeit-Kontinuum aufzulösen: "Die Zeit, die uns bis zur Euro 2008 bleibt, wird täglich weniger", erinnerte die Wiener Vizebürgermeisterin Grete Laska (SP) – und präsentierte am Montag gemeinsam mit Verkehrsstadtrat Rudi Schicker (SP) die Pläne, wie die zu erwartenden gewaltigen Publikumsströme durch die Stadt gelotst werden sollen.

Bunte Schilder

"Der Verkehr rund ums Stadium ist ordentlich organisiert und eigentlich kein Thema mehr", erklärte Schicker: Busse und Autos würden schon ab der Stadtgrenze mit "verdichteter" Beschilderung in Richtung Stadion geleitet – und dann wird man nur noch aufs Ticket schauen müssen: Ist es etwa gelb, fährt man den gelben Schildern nach, um so zum "gelben" Parkplatz und von dort in den "gelben" Sektor zu gelangen. Entscheidender ist aber, dass die neue U2-Station beim Stadion "rechtzeitig am 10. Mai 2008 eröffnet" wird, wie Wiener-Linien-Chef Michael Lichtenegger versicherte. Diese Station ist mit drei Gleisen, zwei Mittelbahnsteigen und einem speziellen Leitsystem für derartige Großveranstaltungen ausgerichtet.

Busse, die nicht direkt zum Stadion fahren, sollen schon möglichst früh auf Parkplätzen "abgefangen" werden – wo ist aber noch nicht endgültig entschieden; das Konzept wird noch mit den Bezirken abgestimmt.

Auf der "Zweier-Linie" werden sie jedenfalls nicht, wie sonst bei Großveranstaltungen, stehen bleiben können – denn die dient als Umleitungsstrecke für die gesperrte Ringstraße (Fanmeile).

Dichter Taktfrequenz

Für die Wiener Linien bedeutet die EURO jedenfalls einen Monat Großeinsatz: "Die U2 wird an Spieltagen im 2- bis 4-Minuten-Takt fahren und nach Spielende im 2-Minuten-Takt", kündigte Lichtenegger an. Wobei auch Verlängerungen der Spiele bei den Fahr- und Dienstplänen berücksichtigt werden.

Um die Fans von und zur Fanmeile zu bringen, wird etwa auch die Linie U3 spätabends im Fünf-Minuten-Takt fahren. Die Ring-Linien werden allerdings im Bereich der Fanmeile nicht fahren können. Dafür wird aber auf der Zweier-Linie ein extra "Nightline"-Bus eingerichtet, der nächtens alle fünf Minuten vorbeikommen soll.

Wobei es wegen des gesperrten Rings nicht nur Umleitungen für Autos, Straßenbahnen und die Bus-"Nightline" geben wird: Auch die Radfahrer und Fiaker würden auf eigene Routen umgeleitet, kündigte Schicker an. Wobei er sich wegen der Kapazitäten keine grundsätzlichen Sorgen macht: "In der Wiener Innenstadt arbeiten schließlich mehr als 100.000 Menschen – und die werden ja auch tagtäglich in die Stadt und wieder heraustransportiert."

Bei den Wiener Linien werden jedenfalls während der "heißen" Tage der EM sämtliche Mitarbeiter im Einsatz sein, "wie sonst während der Morgen- und Abendspitze", erläutert Lichtenegger. "Wir motivieren unsere Mitarbeiter, dass sie das auch bei ihrer Urlaubsplanung entsprechend berücksichtigen." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 12.6.2007)

  • Fußball, Fans und Großleinwand: Das gab es schon in Wien - vor zehn Jahren gehörte der Votivpark den Freunden des runden Leders, die Stadt blieb stehen
    foto: matthias cremer

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