Kein Appetit auf Gentechnik

1. Juli 2007, 17:16
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In Österreichs Handel sind 400 Lebensmittel als gentechnikfrei ge­kennzeichnet. Öster­reich hat sich in der EU an der Spitze positio­niert. Bei Exporten spießt es sich jedoch

Wien – 82 Prozent aller Österreicher legen Wert darauf, keine gentechnisch-veränderten Lebensmittel zu konsumieren, zeigt eine Gallup-Umfrage. Die Gentechnik-Freiheit zählt neben Frische, Herkunft, Bio und Geschmack zu den fünf wichtigsten Einkaufskriterien, erhob das Markant-Institut.

Österreich habe sich bei der Gentechnik-Freiheit in der EU an der Spitze positioniert, sagt Markus Schörpf, Biolandwirt und Obmann der Arge Gentechnik-frei, die jetzt ihr zehnjähriges Jubiläum begeht.

Seine Bilanz: Die Österreicher bauten nach wie vor keine gentechnisch veränderten Pflanzen – also GVO-Pflanzen – an. Fast alle Milchkühe würden mit gentechnikfreiem Futter aufgezogen. Auch die Supermärkte seien quasi frei von GVO-Produkten. 400 Lebensmittel der Handelsketten sind derzeit entsprechend gekennzeichnet. Bei Milchprodukten und Eiern sei Gentechnikfreiheit Standard, sagt Schörpf.

Bei Fleisch und Backwaren gestaltet sich die Umstellung schwieriger. Es gebe aber auch hier intensive Bemühungen.

1997 unterzeichneten rund 1,2 Mio. Österreicher das Gentechnik-Volksbegehren. Handel, Hersteller, Konsumentenschützer und Umweltverbände legten eine erste Definition für gentechnikfreie Produkte vor. 1998 standen die ersten entsprechenden Lebensmittel in den Regalen; auf Bio- folgten konventionelle Produkte. Der Handel werde dafür auch in Zukunft Regalflächen zur Verfügung stellen, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann.

Konkurrenz zwischen Bio- und konventionellen Bauern sieht Schörpf nicht. "Gentechnik-Freiheit braucht Allianz, sonst wird man überrollt." Einen Schub löste die Nöm AG aus. Sie stellte die gesamte Frischmilch 2005 auf kontrolliert gentechnikfreie Herstellung um und koppelte sich damit vom damals sinkenden Markt ab. "Unsere Erwartungen wurden übertroffen", sagt Nöm-Vorstand Alfred Berger. Der Konzern zahle den Bauern 0,5 Cent Zuschlag je Kilogramm Milch und übernehme die Mehrkosten für Futtermittel. Jährliche Investition: rund eine Mio. Euro. Keine gemähte Wiese ist jedoch der Export.

Das Konsumenteninteresse an gentechnikfreier Ware sei zwar da, etwa in Deutschland. "Auch die Bereitschaft, dafür höhere Preise zu zahlen", sagt Berger. Doch weder Industrie noch Handel setzten sich dort damit auseinander. Die Nöm versuche dennoch ab Juli, mit dieser Sparte im Ausland Fuß zu fassen. Aber auch Österreich ist, was Gentechnik betrifft, keine Insel. Über importierte Futtermittel kommt sie nach wie vor ins Land. Der Einsatz von GVO-Zusatzstoffen ist zudem von einer Kennzeichnungspflicht in der EU ausgenommen. Und jetzt wird die EU-Bioverordnung neu verhandelt. Geplant ist ein Grenzwert, der zufällige technische Verunreinigungen von bis zu 0,9 Prozent erlaubt. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.06.2007)

  • Der Genmais in der EU wird heuer zehn Jahre alt. Frankreich ließ 1997 als erstes Land die Aussaat zu. Österreich reagierte mit sofortigem Importverbot.
    foto: standard/monsanto

    Der Genmais in der EU wird heuer zehn Jahre alt. Frankreich ließ 1997 als erstes Land die Aussaat zu. Österreich reagierte mit sofortigem Importverbot.

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