EBRD hilft Meinl im Kaukasus

2. Juli 2007, 14:33
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Meinl European Land plant Projekte in Arme­nien, Kasachstan und Georgien und holt dafür Geld der Europäischen Entwicklungsbank

Die Immobiliengesellschaft Meinl European Land expandiert in den Kaukasus – und holt dafür Geld der Europäischen Entwicklungsbank EBRD. Gemeinsam wird man 375 Millionen Euro aufstellen, um Einkaufszentren in Armenien, Kasachstan und Georgien zu bauen.

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Wien – Die börsennotierte Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL; sie ist auf die Entwicklung, Errichtung und Vermietung von Einkaufs- und Baumarktzentren in Osteuropa konzentriert) erweitert ihren Aktionsradius – und geht in den Kaukasus. Konkret angepeilt hat sie dabei Armenien, Kasachstan und Georgien.

Entsprechende Immobilien und Projekte haben die Wiener bereits aufgestellt – allerdings werden sie diesmal nicht alleine aktiv. Sie haben vielmehr eine Kooperation mit der in London ansässigen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) initiiert. Geht bis dahin alles glatt (am Feinschliff für die kaukasische Kooperation wird noch gearbeitet), soll das "Board" der Bank dem Deal am 10. Juli seinen Segen geben.

Dabei geht es um einen Investitionsrahmen von maximal 375 Mio. Euro, mit denen letztlich, je nach Größe, an die sechs, sieben Einkaufszentren in der Kaukasus-Region entstehen sollen. Meinl European Land (genauer: die neue Tochter Meinl Caucasus and Central Asia, MCCA) und EBRD bilden dafür ein Jointventure im Verhältnis 65 zu 35 Prozent. Beide gemeinsam speisen mit dem Kapital einen Immobilienfonds – wobei aber zunächst nur 150 Mio. Euro (also 52,5 Mio. Euro von der EBRD) in die gemeinsame Fondsgesellschaft fließen. Die Differenz (in Summe 225 Mio. Euro) sind eine Art Stand-by-Kapital: Auf sie kann die MCCA dann zugreifen, wenn sie bei den Banken vor Ort nicht genug Geld für die branchenübliche Fremdfinanzierung aufstellen kann.

Risiko-Teilung

Den Grund für die Einschaltung der Entwicklungsbank (siehe Wissen) erklärt MEL-Sprecher Francis Lustig so: "Wir haben in den drei Ländern interessante Projekte, die wir realisieren wollen. Weil diese Länder aber ein höheres Risikoprofil haben als unsere bisherigen Expansionsziele, wollen wir das Risiko teilen. Aus diesem Grund haben wir die EBRD mit ins Boot geholt." Vorausgesetzt der Deal klappt, könnte das erste Closing im August stattfinden, erzählt Lustig.

Das nötige Kleingeld für das Abenteuer im Kaukasus (für die Meinl-Tochter maximal 233 Mio. Euro) sei da, "wir sind stark genug, diesen Schritt ohne Kapitalerhöhung zu machen", ergänzt Lustig. Derzeit hat die vor fünf Jahren gegründete Gesellschaft rund 195 Objekte. Die Größe der Einkaufszentren reicht von 25.000 bis 250.000 Quadratmetern; das gesamte Projektvolumen beträgt derzeit 5,3 Milliarden Euro.

Dass die Investitionen in Einkaufstempel in den politisch nicht eben gefestigten Kaukasus-Staaten ein Flop werden könnte, glaubt Lustig naturgemäß nicht. "Diese Diskussion hatten wir noch bei jedem Markteintritt, auch bei dem in Russland. Die drei Länder stehen am Beginn ihres wirtschaftlichen Aufholprozesses, es gibt auch dort keine Alternative zum westlichen Wirtschaftsmodell. Wir haben rein kaufmännisches Interesse und wollen maximale Renditen für unsere Anleger. Und die EBRD will Stabilität schaffen." Die zuständige EBRD-Bankerin, Vera Wagner, dazu: "Wir haben in den Kaukasus-Ländern große Aufgaben. Die Projekte erfüllen alle unsere Vorgaben, die geplante Kooperation wäre eine ideale Kombination für uns." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.06.2007)

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