Wissen, was man weiß

  • Wissensmanagement-Experte Klaus Tochtermann glaubt, dass auch heimische Unternehmen nicht an den Themen Blog und Wiki vorbeigehen können.
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    Wissensmanagement-Experte Klaus Tochtermann glaubt, dass auch heimische Unternehmen nicht an den Themen Blog und Wiki vorbeigehen können.

Wissensmanagement kommt auch in heimi­schen Unternehmen immer häufiger zum Ein­satz. Klaus Tochter­mann, Leiter des Know-Centers in Graz, im STANDARD-Interview

STANDARD: Offenbar suchen immer mehr Manager nach dem Firmen-Intelligenzquotienten. Was bedeutet eigentlich dieser Begriff Wissensmanagement?

Tochtermann: Es geht um den effizienten Umgang mit Wissensträgern in Firmen, damit konkreter Nutzen entsteht. Im Mittelpunkt befinden sich Daten und Dokumente, aber auch Know-how von Personen. Letztlich sollen alle vorhandenen Informationen viel besser eingesetzt werden.

STANDARD: Gibt es in Österreich viele kluge KMUs?

Tochtermann: Ja, aber mehr Transparenz ist nötig, dass Unternehmen wissen, was sie wissen. Dann geht es auch um Kapitalisierung solcher Ressourcen, um mit diesem Wissen mehr Umsätze machen können. Es existiert ein Trend zu Open Innovation, wo Kompetenz in Bereichen außerhalb des Kerngeschäftes Verwertung findet. So wie bei einem Entwickler von Software für Videokonferenzen, dessen Programme auch bei einem Anbieter von Online-Kundenbeziehungspflege laufen.

STANDARD: Bringt Wissensmanagement Geld?

Tochtermann: Ein Mittelständler ist mit diesem Tool wesentlich besser in der Weiterentwicklung aufgestellt. Das ist bedeutsam angesichts des Innovationsdrucks. Kaum noch jemand kann sich heute erlauben, ein halbes Jahr zu warten, bevor auf diesem Gebiet wieder etwas passiert.

STANDARD: Wo orten Sie Defizite bei den heimischen KMUs?

Tochtermann: Wissen ist unstrukturiert abgelegt und über mehrere Rechner verteilt. Trotzdem funktioniert alles so halbwegs, weil kleinere Betriebe überschaubar bleiben. Es agieren dann aber auch Personen, die als Informations-Schaltstellen bezeichnet werden. Sie müssen ständig Fragen beantworten und können kaum noch ihre Arbeit erledigen. Der Einsatz von IT kann solche Mitarbeiter entlasten.

STANDARD: Welche Tools kommen in mittelständischen Unternehmen zum Einsatz? Tochtermann: Auf der einen Seite moderne Suchtechnologie, auf der anderen Intranet-Portale, die auf die Bedürfnisse des Marketing oder der Qualitätssicherung abgestimmt sind. Es geht häufig um elektronische Zentralisierung von Dokumenten, damit Daten jederzeit und möglichst ohne Verzögerung zu finden sind.

STANDARD: Verfügen kleine Betriebe über genug Geld für derartige Projekte?

Tochtermann: Geld ist weniger das Problem als Zeit. Man kann kein Projekt vergeben, dann arbeitet ein externer Spezialist sechs Monate lang, und fertig ist die Lösung für Wissensmanagement. Hier ist eine intensive Beteiligung des Unternehmens erforderlich.

STANDARD: Wie sieht es aus mit der Beziehung von KMU und Web 2.0?

Tochtermann: Die Firmenchefs wissen, dass sie Web 2.0 brauchen. Aber es fehlt der Durchblick, was sie genau benötigen. Klar ist bloß, dass junge Mitarbeiter künftig Wikis oder Blogs im Job erwarten. Sonst gilt der Arbeitgeber als altmodisch. 50 Prozent der Web-2.0-User sind zwischen 15 und 29 – also Führungskräfte und Kunden von morgen. (Christian Prenger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.06.2007)

Zur Person
Klaus Tochtermann (42) studierte in Kiel und Dortmund Informatik und ist Geschäftsführer sowie wissenschaftlicher Leiter des Know-Centers, des Kompetenzzentrums für Wissensmanagement.
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