Forschung stagniert in Europa

6. Juli 2007, 16:21
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Im Vergleich mit den USA und China verliert die Europäische Union bei den Ausgaben für Forschung und Entwick­lung immer mehr an Boden. Österreich schlägt sich ausgezeichnet

Brüssel - Die EU liegt beim Export von High-Tech-Produkten hinter den USA und China nur noch auf dem dritten Platz, und bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung setzt sich dieser Trend fort: Die Investitionen der Mitgliedstaaten stagnieren unter dem Strich bei 1,7 Prozent des BIP, obwohl die EU-Kommission bis 2010 durchschnittlich drei Prozent in Forschung und Entwicklung investiert sehen will.

Die Forschungsschwäche der EU schlägt sich auch schon in der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit nieder, schreibt EU-Forschungskommissar Janez Potocnik in seinem jüngsten Bericht.

"Das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Produktivitätszuwachsrate unter die der USA gefallen." Ursache dafür wäre weniger Forschung und schlechtere Nutzung von Forschungsergebnissen in der Wirtschaft über Jahre hinweg, heißt es im Bericht des Kommissars.

Die USA würden ihre Forschung zunehmend in den Hochtechnologiebereich verlagern, während China und Südkorea enorme Anstrengungen im Produktbereich unternehmen würden. Das Ergebnis: Die EU komme von zwei Seiten unter Druck.

Österreich glänzt

In der EU hat sich eine Forschungs-Spitzengruppe gebildet, zu der Schweden, Finnland, Deutschland, Dänemark und Österreich gehören. Diese Länder haben in den vergangenen Jahren ihre Forschungsquoten deutlich angehoben. Österreich hat in dieser Gruppe, deren Quoten alle bei 2,5 Prozent oder deutlich darüber liegen, die stärksten Zuwachsraten. Am Ende der Skala sind Länder wie Polen, die Slowakei, Griechenland und Bulgarien, deren Ausgaben unter einem halben Prozent ihrer Wirtschaftsleistung liegen und sogar noch schrumpfen.

Verantwortlich für die magere Forschungsbilanz seien aber nicht nur Regierungen, sondern hauptsächlich die Unternehmen, analysierte Potocnik. 85 Prozent der Rückstände seien auf geringe Investitionen in den Unternehmen zurückzuführen, meinte er. Hier sei es auch wichtig, die wirtschaftlichen Strukturen der EU mit denen der USA zu vergleichen. Während in den Vereinigten Staaten forschungsintensive Sektoren wie Computerindustrie und Pharmaunternehmen mehr als zwei Drittel der Investitionen in Forschung und Entwicklung repräsentierten, wäre die Industrie Europas eher von "Medium-Tech" wie Auto- und Autoteilehersteller, der Chemieindustrie und Ähnlichem dominiert.

Doch auch auf die Universitäten wirkt sich die schwache Investitionsbereitschaft in der EU deutlich aus. Unter den besten 100 Universitäten der Welt befinden sich 78 aus den USA und nur zwölf aus der Europäischen Union.

Patentkluft

Die EU sei zwar weltweit der "größte Produzent von wissenschaftlichem Wissen", die Wirkung der europäischen Wissenschaft sei aber gemessen an Patenten, Publikationen bzw. Zitationshäufigkeit geringer als die der USA. So basieren 29,8 Prozent der europäischen Biotech-Patente auf Forschungsergebnissen von EU-Forschern, aber 53 Prozent kommen von US-Forschern. Bei den in den USA angemeldeten Patenten ist die Kluft noch größer.

Rund doppelt so hoch wie in der EU ist in den USA die Bereitschaft von kleinen und mittleren Unternehmen, bei Forschungsprojekten mitzuarbeiten bzw. zu investieren, was allerdings auch damit zusammen hängt, dass der Zugang zu Risikokapital in den Vereinigten Staaten deutlich einfacher ist als in der EU. (Michael Moravec, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.06.2007)

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    Europa hat eine Forschungsschwäche, rügt EU-Forschungskommissar Janez Potocnik in seinem Bericht.

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