Gerresheimer ohne Pepp

6. Juli 2007, 10:48
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Aktie des Verpackungs-Herstellers sackt bei Börsendebüt ab

Frankfurt- Der deutsche Verpackungshersteller Gerresheimer ist bei seiner Rückkehr an die Börse nicht gerade mit offenen Armen empfangen worden: Nachdem der erste Kurs am Montag mit 40 Euro exakt auf dem Zuteilungspreis lag, sackten die Papiere im frühen Handel bis auf 37,80 Euro ab. "Zu teuer", lautete das Urteil eines Händlers. Unternehmenschef Axel Herberg zeigte sich dennoch zufrieden: "Der Kurs macht mir keine Sorgen, ich weiß, wie stark das Unternehmen ist", sagte er. "Unsere Fundamentaldaten sind in Ordnung".

Insgesamt wurden 25,3 Mio. Aktien des Produzenten von Glas- und Kunststoffverpackungen für die Pharmaindustrie in einer Preisspanne von 37 bis 45 Euro angeboten. Sollte die Mehrzuteilungsoption ausgeübt werden, läge das Emissionsvolumen bei rund einer Milliarde Euro - womit Gerresheimer, vor einigen Jahren schon einmal an der Börse gehandelt, in diesem Jahr der bisher größte Neuling ist. Experten rechnen Gerresheimer damit auch Chancen für den MDax aus.

Bis jetzt war Versatel mit einem Emissionsvolumen von gut 830 Mio. Spitzenreiter des IPO-Jahrgangs 2007. Allerdings dürfte auch Gerresheimer nicht lange die Nummer eins bleiben, denn mit dem Großmotorenbauer Tognum steht noch vor der Sommerpause ein Kandidat vor dem Sprung auf das Parkett, dem Experten ein Volumen von mehr als zwei Mrd. Euro zutrauen.

Kapital für Schuldenabbau

Mit den Geldern aus dem Börsengang will Gerresheimer Schulden abbauen und neuen Spielraum für Akquisitionen schaffen. 2006 hatte die 9.000 Mitarbeiter starke Gesellschaft mit Arzneimittelfläschchen, Inhalatoren oder Einwegspritzen pro forma rund 890 Mio. Euro umgesetzt, wovon 247 Mio. Euro auf die kürzlich erworbene Wilden AG entfielen. Allerdings stiegen die Nettofinanzschulden im Zuge der Übernahme durch Finanzinvestoren auf 860 Mio. Euro. Nun fließen dem Unternehmen durch den Börsengang brutto etwa 456 Mio. Euro zu.

Der Rest des Emissionserlöses geht auf das Konto des Finanzinvestors Blackstone, der den Pharma-Zulieferer vor gut zwei Jahren gekauft hatte. Der Finanzinvestor bleibt mit rund 20 Prozent auch nach dem Börsengang der größte Aktionär. Zu ihm haben sich nun vornehmlich Investoren aus Deutschland und Großbritannien gesellt, wie Herberg sagte. Gezeichnet hätten wenige Hedgefonds, aber viele deutsche Anleger und britische Pensionsfonds - "große stabile Anleger, die in der Regel länger drinbleiben", sagte Herberg. (APA/Reuters)

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