Löhne in Ostdeutschland deutlich niedriger als im Westen

2. Juli 2007, 13:39
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Fast zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung verdienen die Menschen in Ostdeutschland noch immer deutlich weniger als im Westen

Düsseldorf/Hamburg - Wie aus einer Online-Gehaltsumfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht, liegen die Löhne zwischen Stralsund und Zwickau bis zu 41 Prozent unter dem Westniveau. Im Schnitt verdienten die Ostdeutschen ein Fünftel weniger als ihre Kollegen in den alten Bundesländern, ergaben Berechnungen der "Bild"-Zeitung vom Montag. "Der Angleichungsprozess hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark verlangsamt", sagte der Tarifexperte der Stiftung, Reinhard Bispinck. "Da ist nicht mehr wirklich Musik drin."

Deutlich weniger

Besonders weit klafft die Schere demnach bei den Webdesignern auseinander. Während die westdeutschen Designer mit 2.300 Euro brutto im Monat nach Hause gingen, kämen ihre ostdeutschen Kollegen nur auf 1.359 Euro. Rund ein Drittel weniger als im Westen verdienten auch Automechaniker, Datenverarbeiter, Steuerfachangestellte, Abteilungssekretärinnen, Buchhalter, Dreher und Fräser, Maschinenschlosser, Gas- und Wasserinstallateure oder Einkäufer im ostdeutschen Handel. Immer noch rund 20 Prozent weniger bekommen demnach Altenpfleger, Bauingenieure, Erzieher, Metallfacharbeiter oder Köche in den neuen Ländern. Eher geringe Gehaltsunterschiede gab es demnach bei Schlossern, Verwaltungsangestellten, Kreditsachbearbeitern und Verkäufern.

Kritik an beträchtlichen Lohnunterschieden

Gewerkschaften und Politiker kritisierten die teils beträchtlichen Lohnunterschiede. "Durch die anhaltende Ungleichbehandlung wird tagtäglich bewiesen, dass gleiche Arbeit noch längst nicht gleichwertig entlohnt wird", erklärte der Linke-Politiker Roland Claus. "Auch deshalb verlassen so viele junge und gut ausgebildete Ostdeutsche ihre Heimat und suchen ihr Glück und ihre Zukunft im Westen." Das verschärfe die soziale Schieflage, warnte Claus. Dabei sei die ungleiche Bezahlung durch nichts zu rechtfertigen, sagte die Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Ingrid Sehrbrock, der "Bild". Im Osten sei jedoch die Arbeitslosigkeit höher und deutlich weniger Firmen tarifgebunden, erklärte Bispinck. Während im Osten nur die Hälfte tarifgebunden ist, seien es im Westen mehr als zwei Drittel. (APA/AFP)

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