Auktion gegen häusliche Gewalt

12. Juni 2007, 07:00
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Finanzspritze und Anstoß zum Nachdenken: Im MOYA werden Bilder zugunsten der Frauenhelpline versteigert

"Gewalt an Frauen geht uns alle an. Ich treffe immer wieder auf Frauen, die von Gewalt betroffen sind", bedauert Andrea Heyer. Sie ist eine von 36 KünstlerInnen, die öffentlich gegen häusliche Gewalt eintreten und dem Verein Autonome Frauenhäuser (AÖF) Bilder für die Ausstellung im MOYA mit abschließender Auktion zugunsten der Frauenhelpline zur Verfügung gestellt haben. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins AÖF, betont, dass man mit der vom Bundesministerium für Frauen unterstützten Aktion sich zwar einerseits eine Finanzspritze für die Helpline erwarte, darüber hinaus aber auch zum Nachdenken anregen will, denn "Gewalt ist vielschichtiger und oft nicht direkt sichtbar."

Alternative Darstellung von häuslicher Gewalt

Die Illustrationen, Comics und Fotos, die für die mediale Berichterstattung zum Thema häusliche Gewalt auch weiterhin im Internet unter Bilder gegen Gewalt downloadbar sind, werfen den Blick deshalb nicht auf den direkten Gewaltakt oder das geschlagene Opfer. Im Mittelpunkt stehen vielmehr alternative Bildvarianten, die auch auf Gewalt begünstigende Strukturen hinweisen. Im diesem Sinne zeigt auch Andrea Heyers Bild "Karriere" keine geprügelte Frau. Es ist vielmehr von der Opernsängerin Maria Callas und ihrem Geliebten Aristoteles Onassis inspiriert, spiegelt zugleich aber auch ein familiäres Detail von Heyers eigener Familie wider: Ihre Mutter strebte in den 1950ern eigentlich eine Karriere als Opernsängerin an, der Vater aber verbot seiner Frau solche Berufswünsche. "Mutter spricht über ihre Karrierepläne. Er sagt: ‚Du musst bei den Kindern bleiben.'", ist deshalb auf dem Bild zu lesen. Es zeigt damit, dass häusliche Gewalt an Frauen in ein gesellschaftliches System eingebettet ist, denn bis in die 1970er konnte ein Ehemann als Oberhaupt der Familie tatsächlich über die Berufstätigkeit seiner Frau befinden. Gewalt beginnt dort wo die Selbstbestimmungsrechte von Frauen eingeschränkt werden, auch wenn sie nicht, wie in vielen anderen Fällen in körperlichen Übergriffen – von der Watschen bis hin zum Mord – endet.

Umfassende Herangehensweise

Doris Bures wird deshalb nicht müde, auf die Einbettung der Veranstaltung in ein Gesamtkonzept gegen häusliche Gewalt und mehrere Perspektiven des Problems hinzuweisen. Neben der gesetzlichen Ebene wie z.B. dem Gewaltschutzgesetz und der konkreten Hilfe für die betroffenen Frauen und Kinder will sich die Frauenministerin deshalb in enger Kooperation mit der gesamten Bundesregierung weiterhin für Bewusstseinsbildung einsetzen, um damit einen Beitrag zu Prävention und Aufklärung zu leisten: "Es ist wichtig, das Thema aus den vier Wänden herauszuholen und zu vermitteln, dass es keinerlei Toleranz für Gewalt gibt."

Mit ins Boot werden dabei auch Männer geholt, schließlich sind auch sie Beteiligte, wenn auch hauptsächlich auf Seite der TäterInnen – denn in 95 Prozent der Fälle von häuslicher Gewalt sind Frauen die Opfer und Männer die Täter. Romeo Bissuti, der Obmann von White Ribbon Österreich und viele andere, die sich der Kampagne angeschlossen haben, setzt deshalb mit einer weißen Schleife ein Statement: "Um damit zu zeigen, dass man sich auch als Mann für Geschlechterdemokratie und einen partnerschaftlichen Umgang im gewaltfreien Raum einsetzt." Ein Statement setzen kann jede/r auch am 20.6. setzen – indem man eines der im MOYA präsentierten Bilder ersteigert. (Martina Madner)

Termin
Auktion "Frauen und Männer gemeinsam für die Frauenhelpline 0800/222 555"
Mittwoch, 20.6., 19.00 Uhr im MOYA (Museum of Young Art), Löwelstraße 20, 1010 Wien.
Um Anmeldung unter 01/544 08 20 oder E-Mail wird gebeten.

Link

Bilder gegen Gewalt
Die Bilder können vom 11. bis 15.6. täglich von 9.00 bis 16.00 und am 20.6. ab 17.00 Uhr besichtigt werden.
  • Im Mittelpunkt der Ausstellung "Bilder gegen Gewalt" stehenalternative Bildvarianten, die auch auf Gewalt begünstigende Strukturen hinweisen. Im diesem Sinne zeigt auch dieses Bild von Andrea Heyer namens "Karriere" keine geprügelte Frau.
    foto: andrea heyer/www.bildergegengewalt.net
    Im Mittelpunkt der Ausstellung "Bilder gegen Gewalt" stehenalternative Bildvarianten, die auch auf Gewalt begünstigende Strukturen hinweisen. Im diesem Sinne zeigt auch dieses Bild von Andrea Heyer namens "Karriere" keine geprügelte Frau.
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