IAEO "zunehmend beunruhigt" über Iran

16. Juni 2007, 21:26
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Sitzung des Gouverneursrat zum Atomstreit - Erfolglose Gespräche mit der EU - Mit Video

Wien - "Der Iran verspricht und gelobt viel, vor allem im Vorfeld von Gouverneursratssitzungen der IAEO", meinte ein westlicher Diplomat am Montag, kurz bevor die 35 Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde zu ihrer Sitzung in dieser Woche zusammentraten - "alles Theater".

Ein Treffen zwischen dem stellvertretenden Unterhändler Irans, Javad Vaeedi, und dem Vertreter des EU-Chefdiplomaten Javier Solana, Robert Cooper, zur selben Zeit in Wien bewies, wie blockiert derzeit die politischen Bemühungen um eine Lösung des Atomstreits mit dem Iran sind. "Das war ein Fehlschlag", sagte ein anderer Diplomat. Die iranische Delegation habe substanzielle Fragen nicht besprechen wollen, sagte er nach Angaben von Reuters zur Begründung.

Cooper selbst zeigte sich nach dem mehrstündigen Gespräch zurückhaltender. Man könne in diesen Dingen eben keine Wunder erwarten.

Zuvor war schon ein Treffen Vaeedis mit zwei hochrangigen Vertretern der IAEO geplatzt. "Ich bin zunehmend beunruhigt über den gegenwärtigen Stillstand und die sich zusammenbrauende Konfrontation", erklärte IAEO-Direktor Mohamed ElBaradei später in seiner Rede zum Auftakt des Gouverneursrats. Die Fakten vor Ort legten den Schluss nahe, dass der Iran weiter sein Wissen zur Urananreicherung perfektioniere und seine Anreicherungsanlage ausbaue, sagte ElBaradei.

Zwei Resolutionen

In zwei UN-Resolutionen hatte der Sicherheitsrat die Aussetzung der Arbeiten an der Anreicherung verlangt. Hoch angereichertes Uran wird für den Bau von nuklearen Sprengsätzen verwendet. Der Iran ist davon nach allgemeiner Einschätzung von Experten noch mehrere Jahre entfernt.

Ein westlicher Diplomat warnte vor einem Szenario, bei dem der Iran Inspektionen seiner bekannten Atomanlagen durch die IAEO zulässt, in Wirklichkeit aber verdeckt an anderen Orten den Durchbruch bei der Herstellung hoch angereicherten Urans vorbereitet. ElBaradei hatte in seinem Bericht vom 23. Mai darauf hingewiesen, dass die iranische Regierung als Reaktion auf die UN-Sanktionen nun weniger Informationen zu ihren Nukleararbeiten an die IAEO weitergibt. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2007)

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