"Damit kann man leben"

11. Juni 2007, 09:15
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Immobilienmanager und Pirelli-Enkel Carlo Puri Negri hält die Zinserhöhung der EZB für vertretbar und den österreichischen Immobilienmarkt für gesättigt

Standard: In Italien befürchtet man, dass die Immobilienblase platzt und die Preise nach einem achtjährigen Aufwärtstrend sinken. In Spanien gibt es bereits Signale für einen solchen Trend. Wie bewerten Sie die Situation?

Puri Negri: Da in Italien das Angebot am Wohnungs- und qualifizierten Büromarkt relativ gering ist, sehe ich keinen Grund für Sorgen. Allerdings könnte sich der Preisaufschwung am Immobilienmarkt stabilisieren. Ich erwarte keine Preissenkungen. In Spanien herrscht seit Jahren ein unglaublicher Bauboom, dessen Dynamik sich nun verlangsamt.

Standard: Die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank, EZB, macht die Darlehen teurer. Wird sich das auf die Nachfrage auswirken?

Puri Negri: Ich glaube, dass die EZB heuer die Zinsen von derzeit vier auf maximal 4,5 Prozent erhöht. Damit kann man leben.

Standard: In Italien leben 85 Prozent der Bevölkerung in den eigenen vier Wänden. Das ist auch im europäischen Vergleich ein Rekord. Finden Sie dieses Verhältnis gesund?

Puri Negri: Das Verhältnis ist ungesund, denn es gibt keinen echten Mietmarkt. Grund dafür ist auch die Steuerpolitik. Bei einer Rendite von weniger als vier Prozent lohnt es sich nicht zu vermieten.

Standard: Sie haben seit 2006 im Ausland expandiert. Wollen Sie sich auch stärker am österreichischen Immobilienmarkt engagieren?

Puri Negri: Wir haben in Österreich im Vorjahr einen Deal mit einem ausgezeichneten Gewinn gemacht. (Pirelli Re erwarb von dem Versicherer Allianz 31 Wohnimmobilien im Wert von 225 Mio. Euro und verkaufte sie mit Gewinn, Anm.). Der österreichische Immobilienmarkt ist weit gehend gesättigt. Ich ziehe Deutschland mit einem hohen Wachstumspotenzial und die neuen EU-Länder vor.

Standard: Wie hoch soll der Auslandsanteil am gesamten Umsatz werden?

Puri Negri: Wir haben uns 2006 erstmals im Ausland engagiert und mit dem Auslandsgeschäft gleich einen Umsatzanteil bis zu 15 Prozent erzielt. Dieser Anteil soll heuer auf 25 Prozent und 2008 auf 33 Prozent steigen. In Deutschland wollen wir demnächst einen großen Deal abschließen, dort zahlt man für Wohnimmobilien erst ein Viertel der europäischen Preise. Wir haben auch in Polen Ambitionen, da wir eine Option auf ein 2,5 Mio. m2 großes Industriegelände in Warschau haben. Wir arbeiten in Polen mit der UniCredit-Banktochter Pekao zusammen und werden auch am bulgarischen und rumänischen Markt von den dortigen UniCredit-Töchtern flankiert werden.

Standard: Gehen Sie auch nach Russland?

Puri Negri: Vorerst ist mir Russland zu unsicher. Erst wenn sich die Situation stabilisiert hat und man auch lokalen Immobilienhändlern trauen kann, werden wir den russischen Markt ins Visier nehmen.

Standard: Gereicht Ihnen der Name Pirelli mit den jüngsten Skandalen (Pirelli ist mit 51 Prozent an der Immo-Gesellschaft beteiligt und war die Muttergesellschaft der in einen Abhörskandal verwickelten Telecom Italia, Anm.) zum Nachteil?

Puri Negri: Ein Vorteil ist der Name sicherlich nicht. Da aber mein Großvater zu den Gründern des Pirelli-Konzerns zählt, bin ich auch emotional an den Namen gebunden.
(Thesie Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.6.2007)

Zur Person
Carlo Puri Negri (55), Enkel des Gründers des Pirelli-Reifenkonzerns, hat Soziologie studiert und, bei Regisseur Giorgio Strehler, Schauspiel. In den 90ern übernahm er die Immobilienfirma Milano Centrale und fusionierte sie mit dem Pirelli-Immobilienbesitz. Pirelli Re ist das größte Immobilienunternehmen des Landes.
  • Immobilienunternehmer Carlo Puri Negri zieht den Osten Österreich vor.
    foto: standard/pirelli

    Immobilienunternehmer Carlo Puri Negri zieht den Osten Österreich vor.

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