Club 15

13. Juni 2007, 19:58
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Vielleicht ist es ja wirklich nur eine WG – aber wieso da nur Männer auf Besuch kommen, versteht G nicht

Es war vorgestern. Da erzählte mir G. von seinem Kampf. Oder dem seines Hauses. Und auch wenn ihn die Sache gar nicht fröhlich stimme, habe die Art, wie da agiert werde, beinahe etwas Amüsant-Guerillartiges, meinte G. Doch mittlerweile sei er sich nicht mehr ganz sicher, ob die Taktik auch wirklich aufgehe – oder ob er und seine Mitstreiter nicht sogar dem „Feind“ in die Hände arbeiteten.

Der Feind ist seit etwa einem Vierteljahr in G.s Haus. In Form eines – äh – „Clubs“: Irgendwann wechselte der Besitzer von G.s Haus. Einer eher katholischen folgte da eine börsennotierte Firma. Und kurze Zeit später zogen drei Damen in eine seit längerem leerstehende Wohnung. Zu den Damen, erzählt G., gehört auch ein Mann.

Inserate

Doch während in einschlägigen Inseraten in Tageszeitungen und Internetforen gerne von den Aktivitäten und Fähigkeiten der drei Asiatinnen die Rede ist, wird die Rolle des Mannes in dieser WG öffentlich nie thematisiert. Vermutlich, weil die brav und bieder wirkenden Familienvater-Typen, die nun in G.s Haus ein und ausgehen, das nicht so genau wissen wollen. G. schon.

Im Grunde, betont G., habe er ja ein entspanntes Verhältnis zur Prostitution. Und sähe in ihr auch eine gewisse Form von Sozialarbeit, die Frauen und Mädchen vor jenem „Dampf“ schütze, den Freier eben im Puff ablassen könnten. Das Problem wären aber eben dann doch soziale Hintergründe und Arbeitsbedingungen der Damen. Und die Begleiterscheinungen. Etwa in seinem Haus.

Anmache

Letztere wären nämlich ein bisserl anstrengend. Obwohl er, G., nicht zu jenen Hausbewohnern gehöre, die Töchter, Frauen oder Freundinnen haben, die von Freiern im Lift schon blöd angesprochen worden sind. (Immerhin stünde in einem Internetforum ja ein Kundentestimonial, wonach sich die „Chefin“ bei einer Lift-Panne schon direkt in der Liftkabine um den Gast zu kümmern wisse). Ihm und seiner Freundin wären lediglich die Fahrräder gestohlen worden. Irgendwann, zwei Monate nach der Eröffnung des Etablissements, habe nämlich jemand den Hof geräumt. Zu Mittag. In der Früh waren die etwa 20 Räder des Hauses noch da – aber am Nachmittag war der Hof dann fahrradfrei.

Ob das wirklich mit dem Club zusammenhänge, kann G. natürlich nicht sagen. Aber auffällig sei es schon, dass bisher nie etwas verschwunden sei und das Haustor auch immer geschlossen war – und nun Krethi & Plethi ein- und ausgingen. Und blöderweise auch in den Hof kämen.

Appelle

Denn zu den kleinen, nicht koordinierten Versuchen der Hausbewohner, den Club wieder los zu werden, gehörten nicht nur ebenso regelmäßige wie fruchtlose Appelle an Hausverwaltung, Hausbesitzer und diverse Behörden, sondern auch Hinweisschilder am Gang: „Club 15? Hier lang“ (mit Pfeil) etwa klebe immer wieder auf den Türen, die zu den Mistkübeln im Hof führen. Und die Koloniakübel wären dann eben als Ziel ausgewiesen gewesen.

Auch eher wenig dezente Hinweise, dass alles Kommen & Gehen in Lift & Gängen aufgezeichnet und eventuell einmal online gestellt werden könnte, tauchten immer wieder auf. Unlängst, so G., sei statt „Club 15“ bei der Gegensprechanlage das Schild der „Kindergruppe glücklicher Nasenbär“ gehangen. Freilich nur kurz – und ohne nachhaltige Wirkung: Die – zumeist - älteren Herren und honorigen Familienväter verkehren unvermindert heftig.

Neulich, erzählte G., habe ihn aber eine ältere Hausbewohnerin zur Seite genommen und gemeint, dass nun alles gut werde. Denn das Puff werde nun zum Geheimbordell. Und tarne sich. Vermutlich, um den nun vielleicht ja nun doch ansetzenden Behörden zu entkommen. G. wusste zunächst nicht, wovon die alte Dame sprach – bis er in den Lift stieg: da wo bisher „Club 15“ gestanden hatte, klebte ein Pickerl: „Eheberatungsstelle“.

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