Hohe Berge kosten

14. Juni 2007, 17:00
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Innsbrucks Nordkette als Gourmet- und Lifestyle-Beigabe. In weniger als 30 Minuten erreicht man vom Zentrum aus die höchsten Gipfel

Den Berg in eine Stadt wie Innsbruck zu holen sollte ja kein Problem sein - sollte man meinen. Allerdings gab es bislang keinen so erfolgversprechenden Versuch wie das Konzept der "alpinen Fusion", um passionierten Nichtwanderern die Nordkette in den Lifestyle-Cocktail zu mixen.

Nicht mehr als 30 Minuten werden verstreichen von dem Moment, an dem man sein Glas auf der Theke der Hotelbar abgestellt hat, bis zu jenem Augenblick, der die Vogelperspektive in 2300 Meter Seehöhe auf ebenjene Bar ermöglicht. Vorausgesetzt natürlich, man ist Gast des neu eröffneten Hotel Congress, das aus seiner zentralen Lage direkt an der Talstation der Hungerburgbahn zumindest vorerst noch ein Geheimnis macht. Muss es wohl auch, denn die "Stadtbahn" vom Zentrum auf den Berg wird erst in der zweiten Jahreshälfte endgültig in Betrieb gehen - und ebenjene unbequeme Lücke zwischen der Altstadt und der ebenfalls neuen Nordkettenbahn schließen, die vorerst noch die Buslinie J überbrückt.

Wer es tatsächlich darauf anlegt, den Berg als Lifestyle-Accessoire einer Kneipentour durch Innsbruck zu benutzen, muss sich allerdings vorerst mit dem Freitag begnügen - denn nur an diesem Tag verkehrt die Bahn auch bis 23.30 Uhr. Ganz in diesem Sinne hat man auch das Restaurant Seegrube & Hafelekar adaptiert. Das Gebäude aus den 1920er-Jahren wurde behutsam renoviert, das Niveau der Küche liegt jetzt ungefähr so hoch wie das Lokal selbst: An der vorletzten Station der Bahn in rund 2000 Metern diniert man auf einer wunderbaren Terrasse mit Blick über die Dächer von Innsbruck. Aber vorerst eben auch nur an einem Freitag, und dafür sollte man in jedem Fall reservieren. Wem es nur darum geht, dass zwischen zwei Cocktails möglichst viele Höhenmeter liegen, findet dort nun auch eine ansprechende Bar, die sich nach der Renovierung von jeglichem "Hüttenzauber" verabschiedet hat.

Gipfelt in der Grube

Dass die Seegrube und ihre Erschließung durch die neue Hungerburgbahn eine zentrale Rolle im Konzept der alpinen Fusion spielt, ist auch vor dem Hintergrund der Fußball-EM 2008 ersichtlich: Das, was man so schön als die Fanmeile für zaungastierende Beobachter bezeichnet, wird nämlich vom Bergisel bis nach hier oben reichen.

Lifestyle-Erfahrung hat die Seegrube ja bereits. Mit einem der wenigen Festivals, die auf 2000 Meter Seehöhe über die Bühne gehen: Als "Wetterleuchten" hat sich ein zweitägiges Openair-Programm für elektronische Musik etabliert, das mittlerweile so erfolgreich ist, dass die Kartenverkäufe limitiert werden mussten. Ein Ausnahmezustand, auf den man auch heuer am 14. und 15. Juli mit angepasster Organisation reagiert. Am Samstag wird die Seilbahn ausnahmsweise sogar bis um 3.00 Uhr in der Früh in Betrieb bleiben, und das "wilde" Campieren ist ausdrücklich erwünscht.

Der touristische Vorschlag vonseiten der Stadt Innsbruck, sich den Berg in die Stadt zu holen, sieht so aus, dass man drei Nächte in einem Drei-Sterne-Hotel bleibt, eine "72-Stunden-Innsbruck-Card" bekommt und einmal mit der Alpinschule Innsbruck wandern geht. Die preislichen Vorstellungen: ab 169 Euro. Wer Berg und Stadt lieber selbst zusammenführt, ist in der Tat mit dem geschmackvollen Vier-Sterne-Hotel Congress gut bedient, denn dort werden auch Last-Minute-Preise angeboten, die selbst bei nur einer Übernachtung oft Reduktionen um mehr als die Hälfte versprechen.

Die "Innsbruck-Card" ist für den Berg-Stadt-Verknüpfer in diesem Fall wirklich eine gute Wahl, denn sie ermöglicht neben einem kostenlosen oder reduzierten Eintritt zum kulturellen Leben der Stadt nicht nur die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, auch die neue Hungerburgbahn wird dann inkludiert sein. (Sascha Aumüller/Der Standard/Printausgabe/9./10.6.2007)

  • Über die Stadt hinweg schwebt man mit der Nordkettenbahn vom Zentrum hinauf auf den Berg.
    foto: nordpark

    Über die Stadt hinweg schwebt man mit der Nordkettenbahn vom Zentrum hinauf auf den Berg.

  • Im Tal wurde das Austria Trend Hotel Congress gerade neu eröffnet.
    foto: austria trend hotels

    Im Tal wurde das Austria Trend Hotel Congress gerade neu eröffnet.

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