Zwei Generationen, zwei Welten

9. Juni 2007, 16:46
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Titelverteidigerin Justine Henin (25) aus Belgien und Ana Ivanovic (19) aus Serbien bestreiten heute das Endspiel der French Open

Paris - "Ich muss mein bestes Tennis spielen, um sie zu schlagen", glaubt die Weltranglistenerste Justine Henin vor dem Finalduell mit der Weltranglistensiebenten Ana Ivanovic. "Ich hoffe, dass ich nicht zu aufgeregt bin", bangt die Serbin, die im Mai und in Berlin ihr drittes Turnier gewonnen hat, vor ihrem ersten Grand-Slam-Finale. Henin ist die große Favoritin, wenn am Samstag der Coupe Suzanne Lenglen ausgespielt wird. Kaum jemand zweifelt daran, dass sie als erste Spielerin seit der aus Serbien stammenden und dann für die USA spielenden Monica Seles (1990 bis 1992) den Hattrick schafft.

"Der Druck ist da. Ich möchte hier einfach zu gern noch einmal gewinnen. Mich verbindet eine so lange Geschichte mit dem Turnier", sagt Henin. "Ich habe seinerzeit wegen Monica begonnen, Tennis zu spielen. Ich wollte immer das erreichen, was sie geschafft hat", erzählt Ivanovic von ihrer Motivation.

Bei der vierten Finalteilnahme in fünf Jahren und der Chance auf den vierten Titel nach 2003, 2005 und 2006 ist für die ruhige Titelverteidigerin vieles anders als in den vergangenen Jahren. Sie tritt nach der Trennung von ihrem Ehemann wieder unter ihrem Mädchennamen auf und wirkt viel entspannter als in vergangenen Jahren. Ihre Teilnahme bei den Australian Open im Jänner hatte sie wegen der Scheidung abgesagt.

"Ich genieße jeden Moment auf und neben dem Platz. Ich mache das alles für mich selbst, für die Menschen, die ich liebe, und die Fans. Es ist also auch ein aufregendes menschliches Abenteuer", sagt Henin, die in den jüngsten fünf Grand-Slam-Turnieren, an denen sie teilgenommen hatte, stets bis ins Finale gekommen war.

Ein großes Abenteuer wird der Samstag auch für Ana Ivanovic. Die Serbin will im größten Finale ihrer Karriere "Juju", wie sie Henin zu nennen pflegen, von ihrem Sandplatzthron verdrängen.

"Ich muss aufpassen, dass ich nicht überspanne", meint Ivanovic, "ich erlebe ja so wunderbare Wochen hier." Mit offenen Haaren und pinkfarbenem Pullover war sie nach ihrem lockeren Halbfinalerfolg gegen Maria Scharapowa zur Pressekonferenz erschienen. Justine Henin, ebenfalls deutliche Siegerin über Ivanovics Landsfrau Jelena Jankovic, kam mit Sportshirt und Haarzopf. Sie gehören ganz verschiedenen Generationen an, sie leben in verschiedenen Welten.

Die 1,83 Meter große Ana Ivanovic gehört wie Maria Scharapowa zu den Tennismodels, die zwischen Spiel und Training für Hochglanzmagazine posieren. Und ganz nebenbei muss Ivanovic ein ums andere Mal das serbische Tenniswunder erklären.

Gemessen an Henins Dominanz in Paris in den vergangenen Jahren dürfte es für Ivanovic im Finale allerdings schwer werden: In ihren drei Endspielen in Roland Garros gab Henin bislang insgesamt ganze 14 Spiele ab, der bisher letzte Satzverlust passierte im Achtelfinale 2005. "Auf Sand ist Justine die Beste der Welt", erkannte Jankovic im Laufe ihrer klipp und klaren Halbfinalniederlage. (DER STANDARD Printausgabe 08.06.2007)

  • Henin sagt, dass sie jeden Moment auf dem Platz genießt. Ivanovic hofft, dass sie in ihrem ersten Grand-Slam-Finale nicht zu aufgeregt ist.

    Henin sagt, dass sie jeden Moment auf dem Platz genießt. Ivanovic hofft, dass sie in ihrem ersten Grand-Slam-Finale nicht zu aufgeregt ist.

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