Private Parksheriffs auf "Graskontrolle" am Ring

19. Juni 2007, 13:05
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Ein Sonnenbad auf den Wiener Rasenflächen gehörte trotz Verbots bisher zum Stadtbild - Jetzt schicken die Bundesgärten Patrouillen aus

Wien – Die sonnenhungrigen Touristen und Passanten, die den Sommer über die lauschigen Wiesen in Volks- und Burggarten bevölkern, sind den Parkverantwortlichen schon länger ein Dorn im an perfektem Rasen geschulten Auge. Dass dann noch eine Vorstellung im Burgtheater ausfallen musste, weil ein Schauspieler bei seinem Weg zur Arbeit im Volksgarten von einem Fußball am Kopf getroffen wurde, habe den Ausschlag gegeben, die Parkordnung vehementer durchzusetzen. Das sagt der auch für Bundesgärten zuständige Burghauptmann Wolfgang Beer.

Denn die Parkordnung, die an den Eingängen angebracht ist, untersagt eigentlich das Betreten der Rasenflächen in den historischen Gärten – was sich noch nicht herumgesprochen hat oder schlicht ignoriert wird. Unbedarfte Parkbesucher werden deshalb seit einigen Tagen verstärkt von Security-Personal angehalten, das grüne Gras gegen ein grünes Bankerl zu tauschen, was naturgemäß für einiges Unverständnis sorgt.

Zehn Groschen pro Sessel

„Der Aufwand, um die Gärten zu pflegen und vom Abfall zu reinigen, ist enorm“, begründet Beer. „Es geht natürlich auch um Rauschgiftgeschichten“, fügt er hinzu. Mit den verstärkten Patrouillen der privaten Parkwächter hofft Beer auf einen „Gewöhnungseffekt“, denn auch das Sicherheitspersonal ist nicht billig. Früher sei die Parkaufsicht fix im Budget der Bundesgärten eingerechnet gewesen, aber da musste man auch noch zehn Groschen zahlen, wenn man sich auf einen der grünen Klappsessel im Volksgarten setzen wollte, sinniert Beer.

Mit der Fußball-EM im Juni 2008, während der Volks- und Burggarten für die Fans abgeriegelt werden, habe die Maßnahme nichts zu tun: „Es ufert halt aus. Und es gibt immer wieder Beschwerden über Leute, die halbnackt im Park liegen.“ Schließlich würde die Parkordnung im Belvedere weit gehend akzeptiert, auch im Augarten habe es sich eingespielt, nur die ausgeschilderten Liegewiesen für ein Picknick im Grünen zu benutzen.

"Schutz der Besucher"

Dass die stetig wachsende Schar an Parkbesuchern immer mehr Schmutz und Lärm verursacht, bestätigt auch Brigitte Mang, Direktorin der Bundesgärten: „Es geht nicht nur um den Schutz der historischen Anlagen, sondern auch um den Schutz der Besucher, die oft mit Alkoholkonsum und aggressiven Verhalten konfrontiert sind.“ Deswegen werden die Parks am Ring auch von der EM-Fanmeile her nicht zugänglich sein. Derzeit wird darüber verhandelt, wie die Gastronomiebetriebe in den Parks trotzdem offenhalten können und ob auch Jogger und Spaziergänger ausgesperrt werden sollen. Keine Sperren wird es für die städtischen Gärten, wie den Rathauspark, geben. Das Stadtgartenamt wappnet sich mit mehr Parkwächtern, mehr Toiletten und Mistkübeln. (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe, 9./10.6.2007)

  • Das sommerliche Entspannen in den historischen Parks, wie hier im Volksgarten, nimmt überhand, meint man bei den Bundesgärten – und setzt auf Parkwächter. Zur Fußball-EM werden die Gärtenzugänge am Ring gesperrt
    foto: standard/cremer

    Das sommerliche Entspannen in den historischen Parks, wie hier im Volksgarten, nimmt überhand, meint man bei den Bundesgärten – und setzt auf Parkwächter. Zur Fußball-EM werden die Gärtenzugänge am Ring gesperrt

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